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Den Wendehals mit der Kamera erwischt

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Von: red Redaktion

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Johann Wilhelm weist nach, dass der Wendehals im Streuobstgebiet »Kiesfeld« lebt. SYMBOLFOTO: IMAGO//BLICKWINKEL © pv

Waldsiedlung (red). Die Biotope, die der Naturschutzring Waldsiedlung betreut, sind wertvolle Rückzugsgebiete für seltene Vogelarten. Nach Bienenfresser, Steinkauz oder Waldwasserläufer konnte Johann Wilhelm, Schutzgebietsbetreuer und Ehrenvorsitzende des Naturschutzrings, jetzt den auf der »Roten Liste« als stark gefährdeter Vogel geführten Wendehals nachweisen und auf Fotos dokumentieren.

»Nach jahrelangem Belauschen ist es mir endlich gelungen, den Wendehals zu fotografieren«, freut sich Wilhelm. Damit könne er allen Zweiflern beweisen, dass der seltene Vogel tatsächlich im Streuobstgebiet »Kiesfeld« lebt.

Der Wendehals gehört zur Familie der Spechtvögel, auch wenn er weder trommelt noch eine Höhle baut und auch nicht senkrecht den Stamm entlang läuft. Er ist ein guter Flieger, hat einen vom »echten« Specht stark abweichenden Körperbau, und ist im Gegensatz zu den übrigen in Deutschland brütenden Spechten ein Zugvogel, erläutert Wilhelm.

Der Wendehals ist etwas mehr als sperlingsgroß, hat aber einen etwas gestreckten Körperbau. In seinem bevozugten Lebensraum ist er durch seine braungrauen, linierten und marmorierten Federn betens getarnt. Die beiden Geschlechter sind gleich befiedert. Auf dem Rücken hat der Wendehals in Längsrichtung eine dunkle Mittelfärbung.

Der Wendehals ist in Obstwiesen und lichten Wäldern zu Hause. Im August, spätestens im September fliegt er zur Überwinterung nach Afrika. Ende März, Anfang April kehrt er dann in die Streuobstwiesen der Gemarkung Oberau - Kiesfeld zurück.

Erfahrener Naturbeobachter

Der Wendehals ernährt sich überwiegend von Wiesenameisen, die ihre Nester in sonnig-warme und vor allem sandige Böden anlegen. Durch die extensive Landwirtschaft und immer mehr Ausweisung von Gewerbegebieten am Rande der Schutzgebiete, durch Versiegelung und »Aufräumen« der Natur verringere sich das Nahrungsangebot für den Wendehals, so Wilhelm. »Und wenn zu wenig Nahrung da ist, bekommt der Vogel seine Jungen nicht flügge.«

Als geübter und erfahrener Naturbeobachter hat Wilhelm den tonmäßig leicht ansteigenden »wied-wied-wied-wied-wied«-Ruf des Wendehalses erkannt, und den Vogel schließlich im Schutzgebiet angetroffen.

Da der Wendehals keine eigenen Bruthöhlen herrichten kann, ist er auf natürliche Aushöhlungen in Bäumen oder auf Höhlen angewiesen. »Ab und an brütet er auch in Nistkästen, wenn das Nahrungsangebot des Gebietes ausreichend ist«, so Wilhelm. Die beiden Geschlechter kommen nur zur Brut zusammen und fliegen danach wieder getrennte Wege.

»Die Streuobstwiesen in unserer Auenlandschaft sind überlebenswichtig für den Wendehals, aber auch für die vielen seltenen Arten von Flora und Fauna«, mahnt der 81 Jahre alte Johann Wilhelm und wirbt um Unterstützung für den Naturschutz. »Ich würde mich freuen, wenn sich junge Mitbürger bereitfinden, die besonderen Lebensräume in Flur 5 der Gemarkung Oberau zusammen mit dem Naturschutzring Waldsiedlung zu schützen und zu bewahren.«

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