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Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung nimmt zu. Für Arztpraxen eine große Herausforderung. Teilweise wird von einem »Riesenansturm« berichtet. Dazu tragen natürlich auch anstehende Booster-Impfungen bei. SYMBOLFOTO: JAN WOITAS/DPA

Der Druck nimmt zu

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in den vergangenen Wochen dramatisch in die Höhe geschnellt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) musste fast täglich neue Rekordwerte melden. In der Folge ist offenkundig das Impfinteresse gestiegen - auch im Wetteraukreis. Was zu einen Ansturm auf die Angebote geführt hat.

In erster Linie sind für das Setzen der Spritzen nach der Schließung der großen Impfzentren die Hausärzte zuständig. Die Landkreise müssen nach der aktuellen Anweisung des Landes wieder zentrale Impfzentren öffnen, da der Impfdruck zunimmt und das Boostern an Bedeutung gewinnt. Im Wetteraukreis wird ein solches Zentrum am 6. Dezember in der Wölfersheimer Wetterauhalle öffnen, wie Landrat Jan Weckler angekündigt hatte. Zusätzlich sind sieben dezentrale Impfzentren seit Montag in Betrieb.

Im Sommer hatte die Kassenärztliche Vereinigung davon gesprochen, die Arztpraxen seien generell in der Lage, die Impfungen leisten zu können. Die hessenweite Organisation relativierte die Aussage allerdings vor einigen Tagen. Es sei zunächst vonseiten der Politik nur von einer gestaffelten Vorgehensweise die Rede gewesen.

Durch die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) für eine Impfung aller Altersgruppen sei die Nachfrage sprunghaft angestiegen. Dieser Meinung ist auch Dr. Alexander Jakob (Bad Nauheim), der Vorsitzende des Bezirkes Wetterau im Hausärzteverband Hessen.

»Zuerst gab es ja die Empfehlung zur Impfung der über 70-jährigen und immuneingeschränkten Personen. Diese Gruppen wären überschaubar gewesen. Jetzt hat die Zahl der Impfberechtigten deutlich zugenommen und zu einer starken Zunahme der Nachfragen nach den Boosterimpfungen geführt.«

Dies sei aber auch zu bewältigen, so der Vorsitzende des Hausärzteverbandes weiter. »Hier leistet das Gesundheitsamt Unterstützung. Ärzte, die die Impfung nicht sofort anbieten können, haben die Möglichkeit, dort ebenfalls Impftermine zu vereinbaren, um die derzeitigen Spitzen aufzufangen«, sagt Jakob.

Bemerkbar machen sich auch die zunehmenden Einschränkungen für ungeimpfte Personen. »Der Wunsch nach Erstimpfungen ist wieder mehr geworden. Auf Nachfrage wird meist geäußert, dass man die mit einer Nichtimpfung bestehenden Nachteile vermeiden möchte«, betont der Arzt aus Bad Nauheim.

Allerdings stehe die Zahl der Interessenten für eine Erstimpfung in keinem Vergleich mit der Nachfrage nach den Boosterimpfungen.

Die neue Impfwelle sei für alle impfenden Praxen und ihre Teams eine große Herausforderung. »Vielfach wird über dem Limit gearbeitet«, betont Jakob. Leider werde auch der »Ton« gegenüber den Mitarbeitern immer rauer und die Forderungen werden aggressiver gestellt. Das habe er in eigener Anschauung feststellen müssen und sei ihm auch aus sehr vielen Praxen berichtet worden. Das konterkariere das Engagement der Praxisteams. »Unsere Mitarbeiter halten seit nunmehr fast zwei Jahren die ambulante Versorgung trotz eigener Ängste und trotz aller politischen und persönlichen Widrigkeiten aufrecht. Ihnen gebührt mein besonderer Dank. Das sollte sich auch in einem wertschätzenden Umgangston in den Impfanfragen und weiteren Belangen äußern.«

Der Vorsitzende des Wetterauer Hausärzteverbandes äußert sich zudem kritisch zum Handeln der Bundesregierung. »Erst werden wir aufgefordert, mit vermehrtem Einsatz zu impfen. Dann wird mitgeteilt, dass für die kurzfristig von den Ärzten geplanten Impfungen der Impfstoff Biontech nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, was anschließend zum Teil wieder zurückgenommen wurde.« Das führe zu Verunsicherungen in den Praxen, aber auch in der Bevölkerung, sagt Jakob.

Eine Art Russisches Roulette spielen

Von einem Riesenansturm berichtet auch Facharzt Lorenzo Meise vom »Ärztezentrum an der Nidda« in Ober-Schmitten. »Die Nachfrage ist annähernd doppelt so hoch, wie wir bewältigen können.«

Der Arzt stellt den Patienten allgemein ein gutes Verhalten aus. »Die haben meist für die angespannte Situation Verständnis. Aggressivität kommt bei uns zum Glück nur selten vor.« Erstimpfling sei grob überschlagen nur jeder fünfte Interessent. Bei einer höheren Impfquote wäre das Problem, dass das medizinische System kollabieren kann, nicht gegeben. Alle Ungeimpften spielten eine Art Russisches Roulett. »Wer sich nicht impft, geht ein hohes Risiko ein und begibt sich in Gefahr«, wird der Arzt deutlich.

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