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Der Grandseigneur des Kabaretts

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Von: Stephan Lutz

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Klatsch und Tratsch mit Emil Steinberger - und das auf Einladung der »Kulturfreunde am Alten Markt« aus Ortenberg gleich zweimal in Nieder-Florstadt. Eine kleine Sensation für Oberhessen, weil Steinberger in diesem Jahr primär in der Schweiz spielt und nur viermal in Deutschland zu sehen ist.

Den »Kulturfreunden am Alten Markt« aus Ortenberg war eine kleine Sensation geglückt: Sie konnten den Grandseigneur des gepflegten Kabaretts, den Schweizer Emil Steinberger, in die Wetterau holen. Die beiden Auftritte in Nieder-Florstadt, die bereits im Januar stattfinden sollten, aber wegen der Corona-Pandemie verlegt werden mussten, waren zwei von lediglich vier in diesem Jahr in Deutschland. Für die »Kulturfreunde« bildeten Steinbergers Auftritte den Auftakt in die aktuelle Saison. Das Ziel des Vereins ist schnell umrissen: »Wunderschöne Veranstaltungen an wunderschönen Plätzen«.

Klatsch und Tratsch

In Nieder-Florstadt präsentierte Steinberger sein neues Programm »Emil schwatzt und schnädered«. Gleich zu Beginn klärte er das Publikum auf, was es mit »Schwatzen« und »Schnäderen« auf sich hat: Klatsch und Tratsch unter die Leute zu bringen.

Dass das beileibe keine reine Frauen-Domäne ist, bewies der Schweizer in der Rolle des unterbeschäftigten Rentners, der mit Zigarrenstummel im Mundwinkel auf einem Kissen auf der Fensterbank hing, die Nachbarschaft beobachtete und das Treiben für seine Lebenspartnerin in der Wohnung kommentierte.

Groß war die Freude des Rentners über den neuen großen Fernseher der Nachbarn vis-à-vis, denn nun könne er mitschauen, ohne ein Abonnement abzuschließen.

Fantastisch, wie Steinberger dem Publikum in einer Geschichte über einen Café-Besuch und eine neue Bekanntschaft einen Bären aufband, der sich dann im wichtigsten Utensil der Erzählung wiederfand. Es werde gelogen und betrogen, sagte er. Deshalb konfrontierte er einen Pfarrer mit den Lügengeschichten, denn es gebe ja ein Gebot, wonach man nicht lügen soll. Doch die Kirche habe kein Rezept dagegen, meinte Emil, das sei kein Thema für sie.

Im großen Stil präsentierte der Kabarettist im weiteren Verlauf der 100-minütigen Show ohne Pause unglaubliche Zeitungsüberschriften und Fake News, ohne diesen Begriff explizit zu verwenden. »Bill Gates zieht zu Emil« oder »Emil als Spion verhaftet«, las er vor. Falschmeldungen, die der Fantasie der Redakteure entsprungen seien, erklärte Emil, der persönlich für die Richtigstellung der Gerüchte sorgte. Vom Thema ab kam der 89-Jährige bei der Aufzählung von unterschiedlichen Mineralwassersorten (»leise« oder »mit Kribbeln«), beim Problem, angesichts der Riesenauswahl einen Kaffee zu bestellen, und beim Telefonat mit Alois, der für die Erfindung sinnloser Smartphone-Apps berüchtigt ist.

Träume auf dem Faxgerät

Er streifte die Themen Schweizer Post, die unzähligen Kochsendungen jede Woche und die neueste Erfindung, die Träume aufzeichnet und am Faxgerät ausdruckt, ehe er sein Publikum mit allerhand Lügengeschichten (oder etwa doch nicht...) konfrontierte. Er berichtete von Veganern, Vegabunden und Veganesiern, leckte sich die Finger nach dem Restaurant-Besuch im Waldorf-Astoria in New York, zelebrierte das Ausfüllen eines Steuerformulars und textete live Grußkartenverse für ein Hochzeitspaar.

Grandios auch die Suche nach der Frau fürs Leben, ganz gleich, ob aus Absurdistan, dem Legoland oder aus Brexit. Damit es richtig funkt, hatte Steinberger ein Walkie-Talkie mitgebracht und die Codenamen »Knacki« und »Salami« vergeben. Als Zugabe verwirrte er die Besucher mit der Posse, dass er als falscher Schiedsrichter ein Liga-Spiel in Frankreich gecrasht hat, wie man es heute nennen würde. Oder auch nicht? Angesichts der vielen Lügengeschichten gar nicht so einfach...

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