1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Der Profi am Drumset: Anselm Wild und die große Leidenschaft

Erstellt:

Von: Hanna von Prosch

Kommentare

koe_WildDrumset2_250322_4c
Profi-Schlagzeuger Anselm Wild liebt die leisen wie die lauten Töne auf seinem Schlagzeug. Er ist Fachbereichsleiter Drums & Percussion an der Musik- und Kunstschule in Büdingen. © Hanna von Prosch

Am 4. April ist Weltschlagzeugertag. 2022 hat der Deutsche Musikrat das Drumset zum Instrument des Jahres gewählt. Profi-Drummer Anselm Wild erzählt von seiner großen Leidenschaft.

Seit Urzeiten trommeln Menschen auf Baumstämmen, Tonnen und anderen Gegenständen herum. Trommeln dienten als Taktgeber auf den antiken Galeeren und zum Beschwören von Geistern, geben in der Militärmusik den Takt an und helfen in der Heiltherapie. Das aus mehreren Ins-trumenten zusammengesetzte Schlagzeug, Drumset genannt, gibt es allerdings erst seit gut 100 Jahren. In diesem Jahr kommt dem Instrument eine besondere Bedeutung zu. Es wurde vom Deutschen Musikrat zum Instrument des Jahres gewählt. Davon unabhängig ist am 4. April noch Weltschlagzeugertag. Deshalb bietet die Musik- und Kunstschule (Muks) in Büdingen auch Aktionen dazu an. Schlagzeug-Profi Anselm Wild ist ohnehin eng mit der Musikschule verbunden. Er erklärt das Instrument und teilt seine Faszination für das Drumset.

Das Drumset besteht aus der großen Trommel, der Bassdrum, der kleinen Trommel, Snare genannt, verschiedenen Tom-Toms, Becken und der Hi-Hat, bei der zwei Becken über einen Fußpedal aufeinandergeschlagen werden, dazu Stöcke und Besen. Außerdem gibt es eine Menge Kleinpercussion, die zuweilen auch in der Band eingesetzt werden. Während das klassische Schlagwerk im Sinfonieorchester keine Hauptrolle spielt, ist das Schlagzeug in der Rock- und Popmusik, im Jazz und der Big Band unverzichtbar.

Anselm Wild ist Fachbereichsleiter der Büdinger Muks. Er wuchs mit Musik auf. Die Mutter spielte Klavier, der Vater war Mitbegründer der Offenbacher Dixieland Band »Red Light Stompers«.

Mit zehn Jahren begann er mit dem Schlagzeugunterricht, und dann ging es wörtlich Schlag auf Schlag: Mit 14 spielte Anselm Wild in seiner ersten Band »Diabulus in musica« als Vorband in der Sporthalle.

»Als mein Schlagzeug zum ersten Mal durch eine PA verstärkt wurde, merkte ich, was ich mit den Drums kann. Die Leute zum Tanzen bringen. Das imponierte mir gewaltig«, erinnert er sich. Mit 16 gab er bereits selbst Unterricht. Schließlich studierte er Schlagzeug am Drummers Collectiv, New York, und dann an der Frankfurter Musikwerkstatt - Schule für Jazz und Popularmusik.

»Das ist mein Instrument, physiologisch genau richtig. Schön laut, aber auch schön leise zu bespielen, das macht Laune«, sagt er begeistert.

Wild war schon lange aktiver Musiker, auf Tourneen und in Studios, als er berufsbegleitend an der Bundesakademie in Trossingen die pädagogische Ausbildung machte. Sieben Schüler und drei Schülerinnen hat er sogar in den Beruf gebracht. »Ja, die Mädchen sind im Kommen. Durch Youtube entdecken sie eine größere digitale Bühne«, weiß er. Junge Vorbilder wie Eva Klesse, Sina Doering oder Annika Nilles, die gerade die Leitung der Schlagzeugabteilung an der Popakademie Mannheim übernommen hat, haben bewiesen, dass auch Frauen die notwendige Stärke, Technik und Musikalität für den Groove haben.

Wer Schlagzeug lernen will, muss bestimmte Voraussetzungen mitbringen. »Es gibt den geborenen Schlagzeuger, das merkt man am ersten Schlag auf die Trommel«, meint der Profi. Rhythmusgefühl, Psychomotorik, Koordination und Konzentration sind Voraussetzungen. Wichtig sei, dass die Kinder mühelos ans Fußpedal der Bassdrum und Hi-Hat kämen. Das könne schon mit vier Jahren sein. Aber: »Üben muss man schon. Meine Philosophie: Was du machst, mache es ganz.«

»Manche fangen noch einmal mit 50 an, Schlagzeug zu lernen. Die mögen einfach das Instrument und wollen gar nicht in einer Band spielen, mittlerweile auch junge Nachwuchstrommler. Wenn die dann Platten von Led Zeppelin mitbringen und nur den Sound hören wollen, ist das wie eine Sternstunde für mich«, bekennt er. Wild ist im Repertoire weit gestreut, favorisiert aber für sich Jazz, Blues, Rock und Pop. Er spielte in verschiedenen Musicalproduktionen bei den Bad Hersfelder Festspielen und ist mit Ali Neander und Sabine Fischmann oder auch Peter Richter und Frank Wolff unterwegs. Mit seiner eigenen Band Anselm Wild & Friends tritt er häufig im Rhein-Main-Gebiet auf.

»Wenn man anfängt und womöglich in einer Mietwohnung lebt, ist ein ordentliches elektronische Schlagzeug eine gute Alternative zum akustischen«, rät er den wegen der Lautstärke besorgten Eltern. Er selbst hat natürlich andere Ansprüche: »Ich bevorzuge Kessel aus Ahorn. Die haben im Gegensatz zur Buche einen warmen Klang, mit schönem Sustain«, erklärt er. Denn das Drumset besteht nicht, wie man meinen könnte, nur aus Metall. Bespannt sind die Trommeln inzwischen auch nicht mehr mit Natur- sondern mit Kunstfolienfell, das sich nicht verstimmt.

Beim genaueren Hinsehen ist das Instrument des Jahres also vielseitig, anspruchsvoll und macht in vielen Stilrichtungen Spaß - vom Blues bis zu Heavy Metal. Hauptsache der Groove stimmt.

koe_SchnuppertagKA_25032_4c
Sobald Kinder körperlich geeignet sind, das nötige Rhythmusgefühl und Koordination haben, können sie, wie Emily (6), Schlagzeugunterricht bekommen. © Hanna von Prosch

Auch interessant

Kommentare