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Die Allenroder Brücke im »Vier-Länder-Eck«: Ein echtes Stück Heimat

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Besprechung an der Allenroder Brücke: Wilhelm Breetz, Hans-Erich Arnold, Norbert Greb, Martin Grundl und Heiko Matthäs (v. l.). © Björn Leo

Dass die Allenroder Brücke vielleicht die schönste über den Seemenbach ist, macht sie für einige Oberhessen um Norbert Greb zur Herzensangelegenheit. Sie bringen das Bauwerk auf Vordermann.

Der Ort strahlt Ruhe aus. Der Frühling übersät die Natur mit bunten Farben, die Seeme leuchtet flussabwärts tiefblau. In Richtung Kefenrod plätschert das klare Wasser an Inselchen mit sattem Grün und an so manchem Basaltbrocken vorbei. Einige davon waren Teil der Allenroder Brücke. Einen zugehörigen Weg über den Seemenbach gibt es schon lange nicht mehr. Auf der Wiese östlich des Bauwerks liegt frisch gemähtes Gras, am westlichen Ufer sind noch die Reste des jüngsten Hochwassers auszumachen.

Von Birstein nach Wenings

Als »Vier-Länder-Eck« bezeichnet Norbert Greb die Gemarkung und meint die nahen Dörfer Nieder-Seemen, Wenings, Hitzkirchen und Kefenrod. »Immerhin ist das Gebiet noch fürstlich«, fügt er hinzu und lacht. Das Bauwerk - auch Schwedenbrücke - genannt, war einst wichtigste Verkehrsverbindung zwischen der ehemals fürstlichen Residenz Birstein und dem isenburgischen Amt in Wenings. Heute ist sie in keinem guten Zustand. Zudem hat sich vor den Korbbögen allerhand Geäst und Treibgut angesammelt, was für ordentlich Rückstau sorgt. Der Seemenbach wirkt auf der Vogelsberger Seite wie ein See.

Norbert Greb hat Verstärkung mitgebracht: Hans-Erich Arnold, einst 30 Jahre beim Bauhof der Gemeinde Kefenrod beschäftigt, die Ortsvorsteher Wilhelm Breetz (Kefenrod) und Heiko Mätthäs (Hitzkirchen) sowie Martin Grundl, der Kefenroder Bauamtsleiter. Sie wollen die Allenroder Brücke und das Gelände drum herum wieder herrichten - mit Erlaubnis von Alexander Fürst von Isenburg, dessen Familie seit 1517 auf Schloss Birstein heimisch ist. Ihm gehört das Land an der Seeme.

Im ersten Schritt hat Hans-Erich Arnold mit einem Bagger zu Wochenbeginn das Bachbett gereinigt, es von Ästen und Wurzelwerk sowie Ablagerungen befreit. Die Ufer sind als solche wieder erkennbar. Die Seeme kann sich endlich entfalten, ihr Wasser passiert ohne Hindernisse die beiden Bögen.

Jetzt folgen im zweiten Schritt die Feinarbeiten, zum Beispiel auf der Oberfläche der Brücke. »Es ist vorgesehen, den Übergang mit einer Schicht Erde zu versehen, damit den gehauenen Steinen des Bauwerks nichts passiert«, so Norbert Greb. Einige Findlinge, die Arnold mit dem Bagger aus dem Bach geholt hat, werden dann vor der Brücke platziert. »Damit nicht am Ende noch jemand auf die Idee kommt, eine Überfahrt zu riskieren«, lacht der Weningser. Ein offizieller Weg zur Brücke ist aktuell ohnehin nicht auszumachen. Bauamtsleiter Martin Grundl kündigt allerdings an, sich informieren zu wollen, wo genau die Verbindung entlangführte und ob es mittelfristig möglich wäre, zumindest einen Pfad bis zum Seemenbach anzulegen. Ein Gedanke, der nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Landesgartenschau 2027 durchaus weitergesponnen werden darf.

Wanderer, Natur- und Geschichtsfreunde hätten dann die Möglichkeit, einen besonderen Ort aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen. Das Hessische Landesamt für Denkmalpflege führt das »Allenroder Brückelchen« als Baudenkmal. Sein heutiges Erscheinungsbild entspricht einer Brückenerweiterung aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Um 1700 soll sie erbaut worden sein, heißt es da. Sie ist eines von vier Kulturdenkmälern in Hitzkirchen. Dazuzählt auch die Ende des 15. Jahrhunderts errichtete evangelische Pfarrkirche, eine im 18. Jahrhundert erbaute Bruchsandsteinbrücke über die Bracht, über die die Birsteiner Straße führt, und eine in der Nachbarschaft gelegene Hofreite aus derselben Zeit.

Beim Ortstermin bezeichnet Martin Grundl die Allenroder Brücke als das älteste Bauwerk der Gemeinde Kefenrod. Der Bauamtsleiter vermutet das Baujahr sogar im 14. Jahrhundert, was wiederum zu den Aufzeichnungen von Gunda Brandner passt, die vor allem für Wolferborn und die umliegenden Gemarkungen die Geschichte aufarbeitet. In einer Abhandlung zum Thema »Hof Allenrod, die Straßenverbindnungen und der Seemenbach« heißt es: »Die urkundliche Ersterwähnung dieser Höfe zu Allenrod datiert vom 28. Oktober 1363. Heinrich der Zweite von Ysenburg verkaufte damals ein Sechstel des Zehnten zu Holzheim bei Grüningen, den er vom Reich als Mannlehen genoss, und trug dafür dem Kaiser seinen Hof Allenrod als Lehn auf, um ihn wieder als Mannlehen zurückzuerhalten. Die Brücke, die hier über den Seemenbach führt, wird die Neue Brücke oder im Dialekt Nau Brecke genannt. Dieser Weg nach Wenings durchschneidet etwa 200 bis 300 Meter unter der Allenroder Brücke (Neue Brücke) die Stephanswiese. Daneben fließt der Stephansborn, eine Quelle der ehemaligen Kefenröder Wasserleitung. In diesem Zusammenhang darf das alte Allenröder Brückelchen nicht vergessen werden - wohl die älteste Brücke, die wir heute noch am oberen Seemenbach finden. 1637 trafen hier noch die Grenzen der Gerichte Wenings und Wolferborn aufeinander.«

Wasserlauf bildete Grenze

Der einstige Grenzverlauf befand sich direkt neben dem Seemenbach. In der Chronik, in der auch lokalgeschichtliche Forschungsergebnisse des unvergessenen Büdinger Historikers Hans-Velten Heuson enthalten sind, heißt es weiter: »Die alte Regel, dass Wasserläufe die Grenze zwischen einzelnen Marken, Gerichten und Centen bildeten, gilt auch in diesem Fall. Der Seemenbach schied das Gebiet des Büdinger Reichswaldes von den beiden Marken Floßbach (Wenings) und Büdingen und zwar von der Alten Landwehr Hege von der Nieder-Seemer Grenze an bis nach Büdingen-Großendorf hin. »

Vom Hof Allenrod ist nicht mehr viel übrig geblieben. Er lag unterhalb der knapp 400 Meter hohen Breiteloh. Eine baufällige Halle und ein alter Schweinestall stehen noch. Im 12. Jahrhundert gehörte die Allenrod zum Gericht Wenings, im 14. Jahrhundert zum Cent Wolferborn. Damals zählte der Hof 16 Bewohner.

Rastplatz am Ufer der Seeme

Wer sich mit Männern wie Norbert Greb, Hans-Erich Arnold oder Wilhelm Breetz unterhält, bekommt eine Ahnung davon, dass Heimatkunde durchaus ein spannendes Unterrichtsfach sein konnte. »Sogar Napoleon soll über unsere Schwedenbrücke gegangen sein«, entfährt es schließlich Norbert Greb. Belege dafür gibt es freilich keine. Die historische Bedeutung des Bauwerks ist dagegen unbestritten. Sie soll auf einer Hinweistafel Erwähnung finden, die neben der Brücke aufgestellt werden soll. Neben einer Bank, die Greb stiften möchte. »Und sind wir doch mal ehrlich: Wer hier Rast macht und die Seele baumeln lässt, dem würde nie in den Sinn kommen, irgendwo auf der Welt Krieg führen zu wollen.«

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