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Die Autobahn kommt ins Kino

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Von: Kerstin Schneider

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Die Autobahn 49 bundesweit in den Kinos: hier das Filmplakat. © pv

An manchen Tagen 2000 Polizisten im Wald, harte Auseinandersetzungen in den betroffenen Dörfern. Die Autobahn 49 schaffte es in der heißen Phase der Räumungen auf die Fernsehbildschirme. Jetzt kommt auch ein Film bundesweit in die Kinos, der den »Kampf um die A 49« zeigt.

Die Autobahn frisst sich durch die Landschaft. Der Wald - besetzt von Aktivisten. Polizisten müssen den Weg frei machen für die Maschinen. Anwohner freuen sich auf freie Fahrt. Politiker setzen Entscheidungen um - gegen ihr Gewissen. »Wie der Bau einer Autobahn die Gesellschaft spaltet«. So ist es in der Ankündigung für den Film zu lesen, an dem Klaus Stern und sein Kollege Frank Pfeiffer seit September 2020 gearbeitet haben, als die heiße Phase der Räumung der besetzten Waldstücke begann.

Teilweise bis zu 600 Aktivisten hatten in Dannenrod sieben sogenannte Barrios mit bis zu 100 Baumhäusern in schwindelerregender Höhe gebaut. Die Räumung durch Spezialeinsatzkräfte der Polizei führte zu turbulenten Szenenn, vielen Festnahmen und einer Flut von Gerichtsprozessen, die immer noch andauert.

60 Tage haben Stern und Pfeiffer bis November 2021 vor Ort gedreht, danach ein weiteres Jahr das Material für den Film zusammengeschnitten. Der Film »Die Autobahn - Kampf um die A49« hatte am 13. Mai Premiere beim internationalen Dokumentarfilmfestival in München. Am Sonntag ist er ab 13 Uhr im Kino-Center in Alsfeld zu sehen, Klaus Stern wird dabei sein.

Der Bau der Autobahn beschäftigt ihn schon seit 40 Jahren, sagte der Filmemacher gegenüber dieser Zeitung. Er ist im Schwalmstädter Ortsteil Wiera aufgewachsen. Der Bauernhof seiner Eltern liege 700 Meter von der neuen Trasse entfernt. Er sei mit der Autobahn und den Planungen groß geworden. »Auf dem Auto meiner Eltern prangten Aufkleber A49 - Nein Danke«. Jeder 25. Baum, der für die Straße gefällt wurde, gehörte der Familie Stern, sagte der Regisseur in einem Beitrag der »Hessenschau«. Der Film soll zeigen, wie der Kampf um den Bau einer Autobahn die Gesellschaft spaltet. Er selbst sei nicht prinzipiell gegen die Autobahn, so Stern, fahre selbst Auto, sagt er, »und ob ich dann wirklich abfahre und nicht die A49 nutze, das weiß ich nicht«.

Stern und Pfeiffer haben für ihren Film mit Befürwortern der Autobahn gesprochen, mit langjährigen Gegnern, mit Baumbesetzern, Polizisten und Ministern, darunter dem damaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer, der in etwa sinngemäß meinte, die Aktivisten seien ihm herzlich egal.

Stern sagt, er wollte keinen »Propaganda-Film gegen die Autobahn« machen, aber die gegensätzlichen Meinungen darstellen. In Wiera und Umgebung ist das Projekt akzeptiert und wird von vielen herbeigesehnt, die sich eine Entlastung ihrer Ortschaften vom Durchgangsverkehr wünschen.

Stern: »Lange schien das Projekt irgendwie im Sande zu verlaufen. Doch ausgerechnet mit der Ankunft der Klimadebatte in breiten Teilen der Gesellschaft fällt der Startschuss und die A49 wird doch gebaut. Was ich nicht vermutet hätte: Aus unserem Dorf Wiera, das mit am meisten unter der A49 zu leiden hat, sind 80 Prozent für die Autobahn. Wie kann das sein?«

Es habe dort nie eine große Gegenbewegung gegen den Autobahnbau gegeben, so Stern weiter. In Dannenrod und Umgebung habe er die Meinung Pro und Kontra »so als 50/50« erlebt.

Frank Marten Pfeiffer äußert sich so: »Ein uralter Wald, ein Dorf und junge Aktivisten, die sich mit Baumhäusern und Barrikaden gegen die Rodung und gegen den Bau einer Autobahn stellen, weckten mein Interesse für einen spannenden Dokumentarfilm. In unserer heutigen Zeit, angesichts der deutlich spürbaren Folgen des Klimawandels, ist die Zerstörung von Naturraum eine irrsinnige Entscheidung.«

Ausverkauftes Kino in Marburg

Im Marburger Kino war die Filmvorführung ausverkauft, es kamen viele Autobahngegner und Aktivisten, »die damals im Wald waren«, so Stern. Was hat ihn bei den Aufnahmen für den Film am meisten beeindruckt? »Die Kompromisslosigkeit der Leute, die auch bei minus fünf Grad im Wald ausgehalten haben. Das hat teilweise auch die Polizisten beeindruckt«, hat er in Gesprächen erfahren. »Da war sehr viel persönliches Engagement.« Als der Film beim Dokumentarfilm-Festival in München zu sehen war, habe die meistgestellte Frage gelautet, »warum wird denn diese Autobahn gebaut?«.

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