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Die Hoffnung nicht aufgeben

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Eröffnung der Spendenaktion »Hoffnung für Osteuropa« in der Kirche Breungeshain: (von links) Dekanin Birgit Hamrich (Dekanat Büdinger Land), Pfarrerin und Aktionsleiterin Christina Schnepel, Pfarrer Frank Eckhardt, Pröpstin Henriette Crüwell (EKHN), Probst Dr. Volker Mantey und Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß (EKKW), Oberkirchenrat Detlev Knoche (EKHN) sowie Mitglieder des Chores »Fahther’s Children«. © Stefan Weil

Zum 30. Mal findet in diesem Jahr die Spendenaktion »Hoffnung für Osteuropa« der Evangelischen Kirchen Hessen und Nassau (EKHN) und Kurhessen-Waldeck (EKKW) statt. Die offizielle Eröffnung wurde am Sonntag mit einem festlichen Gottesdienst in Breungeshain gefeiert. Angesichts des Überfalls Russlands auf die Ukraine stand der Krieg diesmal im Mittelpunkt.

Das kleine, schmucke Gotteshaus in Breungeshain, das bis zu 200 Menschen Platz bietet, war gut gefüllt. Mehrere hohe kirchliche Amtsinhaber nahmen an dem Gottesdienst teil. Breungeshains Pfarrer Frank Eckhardt konnte Pröpstin Henriette Crüwell (EKHN), Oberkirchenrat Detlev Knoche (Leiter Zentrum Ökumene der EKHN und der EKKW), Pfarrerin Christina Schnepel, Referentin für die Aktion »Hoffnung für Osteuropa« sowie Propst Dr. Volker Mantey und Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß von der EKKW begrüßen. Die regionalen Kirchengemeinden vertrat Dekanin Birgit Hamrich vom Dekanat Büdinger Land.

Der Ort für die Eröffnung der Spendenaktion war mit Bedacht gewählt, wie Frank Eckhardt erläuterte. 1993 hatte sich im früheren Dekanat Schotten die Initiativgruppe »Hilfe für Tschernobylkinder« gebildet. Von den damaligen Gründern sind noch Hans-Joachim Adolph, seine Frau Elke und Willi Lückel aktiv.

Alle zwei Jahre wurden Kinder, die unter den Nachwirkungen der Atomkatastrophe von 1986 litten, zu einem Erholungsaufenthalt nach Schotten eingeladen. Wegen Corona musste 2020 der vorerst letzte geplante Besuch abgesagt werden. »Wann wieder ein Aufenthalt möglich sein wird, ist nicht absehbar«, bedauerte der Pfarrer. Ein tragendes Element des Gottesdienstes war der Gospelchor »Father’s Children« der Schottener evangelischen Kirchengemeinde, der mit mehreren beschwingten und einfühlsamen Liedern unter Dirigent und Kirchenmusiker Kiwo Lee für den musikalische Rahmen sorgte.

Besondere Bedeutung

Oberkirchenrat Knoche erinnerte bei der Vorstellung der Aktion an das von Bundeskanzler Olaf Scholz geprägte Wort von der »Zeitenwende«. Der Krieg stelle eine Zäsur nach dem Zweiten Weltkrieg dar und eine Bedrohung für ganz Europa. Die Aktion »Hoffnung für Osteuropa« komme daher diesmal einer ganz besondere Bedeutung zu, ergänzte Claudia Brinkmann.

Propst Mantey sprach von einem »ernsten Ton«, mit dem der diesjährige Eröffnungstag begangen werde. Die Aktion sei eine geneinsame Plattform für Demokratie und Frieden, eine Hoffnung für ganz Europa. Aktionsleiterin Christina Schnepel erinnerte an den ursprünglichen Ansatz. 1994 war die Aktion nach dem Ende der Sowjetunion ins Leben gerufen worden. »Seitdem sind sehr viele gute Kontakte und Freundschaften zwischen verschiedensten evangelischen und ökumenischen Gruppen entstanden.«

Dies gelte es für die Zukunft zu erhalten. »Hoffnung für Osteuropa« setzte sich für ein soziales und gerechtes Europa ein, für die Verwirklichung von Frieden und Gerechtigkeit, für die Bewahrung der Schöpfung und die Inklusion benachteiligter Menschen. »Das wollen wir in erster Linie mit Spendenaktionen fördern«, so die Pfarrerin.

Ein wichtiges Anliegen sei darüber hinaus, in Ost und West Verständnis zu wecken für die verschiedenartigen Lebensbedingungen und Traditionen. Dazu sollen auch internationale Begegnungen und Partnerschaften zwischen den Kirchen beitragen. Pröpstin Henriette Crüwell stellte an den Beginn ihrer Predigt das Motto des Kirchentages »Jetzt ist die Zeit«. »Aber was für eine Zeit ist das jetzt. Sind wir an einer Zeitenwende angekommen«, fragte sie. Oder sei es eine ermüdende, wiederkehrende Wende in den Zeiten. Wandel in den Zeiten habe es schon immer gegeben. »Kriege kommen und gehen. Das wird auch in Zukunft so sein.«

Crüwell erinnerte an Tage wie den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, den Terrorangriff auf das World Trade Center in New York oder die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim. Eine Zeitenwende im Sinne des Bundeskanzlers drücke das Kippen politischer Grundüberzeugungen aus.

Auch der Krieg in der Ukraine werde ein Ende haben, betonte Crüwell. »Aber wir wissen noch nicht, wie und wann er enden wird. Wir kennen nur die Vergangenheit. Der Blick auf die Zukunft erfüllt uns mit Qualen.« Trotz der Rat- und Hilflosigkeit angesichts des »Wahnsinns in dieser Welt«, dürfe man ganz im Sinne des christlichen Glaubens die Hoffnung nicht aufgeben. »Es ist immer an der Zeit, für diesen Frieden zu werben.«

Die Pröpstin erinnerte mit Blick auf die Entstehung von »Hoffnung für Osteuropa« auf die damalige »Zeitenwende« nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die unzähligen kleinen Projekte vieler Partner in Ost und West, so wie auch die Schottener Hilfsaktion für Tschernobylkinder, bezeichnete sie als Hoffnungssaaten für ein friedliches Miteinander.

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