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Die Matzsingers beim Proben: Christian Renner, Klaus-Stefan Kaiser (der 2001 nach dem Tod von Olaf Kirchhoff offiziell zur Gruppe stößt), Christoph Duchardt und Oliver Rühr (von links). Es fehlt Martin Peppler.

Erstes Konzert nach Corona-Pause

Die Matzsingers - wie alles begann

»Wir waren jung und brauchten das Geld.« Dieser Satz fällt oft, wenn junge Menschen Dinge getan haben, zu denen sie im fortgeschrittenen Alter nicht mehr stehen. Bei den Matzsingers ist das anders.

Gestandene Männer Anfang 50, alle in bürgerlichen Berufen, mit Familie und Kindern, befreundet seit fast 40 Jahren, verbunden durch die Freude an der Musik: Das sind die Matzsingers.

Sie haben sich über die Jahre hinweg einen Namen gemacht, nicht nur in der Region, sondern auch national und international. Diesen Namen zu erhalten, ist nicht einfach, das Musikgeschäft kann bekanntlich schnelllebig sein.

Wenn man von den Matzsingers spricht, spricht man von einer Gruppe, die den A-cappella-Gesang kultiviert und pflegt und sich vor allem durch musikalische Vielfalt auszeichnet. Die Bandbreite reicht vom Madrigal bis zum Pop-Song - und genau das ist das Geheimnis ihres Erfolgs.

Ein Blick zurück ins Jahr 1985. Schauplatz: Gymnasium Nidda. Fünf Schüler der zehnten Klasse erleben die Auftritte der »Rosties« (später »Alteration Quintett«) bei diversen Schulkonzerten und sagen sich: »Das wollen wir auch!« Singen können sie, denn sie sind Mitglieder des »kleinen« Chores und singen auch in diversen Vereinen.

Erster Auftritt für Geld im Töne-Tod

Wie kam man damals in den Gesangverein? Klaus-Stefan Kaiser erklärt das ganz pragmatisch: »Nach der Konfirmation ging es in den Gesangverein.« Punkt. Wichtiger Organisator am Anfang war der im Jahr 2000 verstorbene Olaf Kirchhoff aus Ober-Schmitten, der dafür sorgte, dass sich die Gruppe dort treffen und das Notenmaterial des Gesangvereins nutzen konnte.

In der Schule erhielten die Jungs Unterstützung durch den legendären Musiklehrer Paul-Gerhard Schubert, der ihnen den damals »heiligen« Musikraum aufschloss und gar erlaubte, den noch »heiligeren« Flügel zu benutzen.

Die Jugendlichen wuchsen musikalisch und menschlich zusammen, nahmen Gesangsunterricht, zunächst einzeln in Bad Nauheim und später als Gruppe bei Martin Winkler in Dreieich, der sie auch heute noch vor Auftritten coacht.

Ein Name musste gefunden werden. Martin Peppler, die treibende Kraft hinter dem Projekt, hatte nicht nur damals den Spitznamen »Matz«; und es gibt die »King Singers«, deren Musik die Kragenweite der Matzsingers ist.

Der musikalische Leiter Christian Renner erklärt, dass das Proben nur dann sinnig ist, wenn es zu Auftritten führt. So präsentierte sich das Ensemble 1986 erstmals für Geld im Kolleg des Bürgerhauses Hungen. Ein Raum, den man getrost als Töne-Tod bezeichnen kann: niedrige Decke, mit Teppichen abgehängte Wände, eine akustische Katastrophe. Immerhin erhielten die Matzsingers statt der ausgehandelten 50 Mark einen Umschlag mit 100 Mark, vermutlich als Schmerzensgeld.

Dann ging es aber recht flott, die Matzsingers sangen sich durch die Republik, traten aber auch in Dänemark und für den Verschwisterungsverein Nidda in Cromer (England) auf. Sie lernten den Entertainer Harald Juhnke oder den Bassbariton Thomas Quasthoff kennen. Freundschaften entstanden, die bis heute Bestand haben.

Die Matzsingers kamen ins Hessenfernsehen mit einer Aufnahme der »Capri-Fischer«, wo sie in eine Gondel verfrachtet wurden und das Lied als Playback im Hintergrund lief. Sie wurden angefragt, ob sie nicht zur Unterhaltung bei Kreuzfahrten engagiert werden könnten. Christoph Duchardt wirft ein: »Hier war dann die Grenze erreicht. Das war das, was wir nicht wollten, dass man uns in eine Schachtel steckt und wir jeden Abend ab 20.05 Uhr denselben Witz erzählen. Wir wollten uns unsere Bandbreite erhalten.« Und Oliver Rühr ergänzt: »Für uns ist es wichtig, dass wir die Lieder singen, die uns Spaß machen, die uns liegen, die wir dem Publikum überzeugend anbieten können.«

Und so verzichteten sie auf Engagements bei Hochzeiten, weil sie der Meinung waren, sie könnten nicht für drei Lieder 500 Mark kassieren. Der schönste Lohn sei die Reaktion des Publikums, wenn etwa eine Dame im Rollstuhl am Ende sagte: »Es war so schön, ich hatte zwei Stunden keine Schmerzen.«

Ein Blick in die Augen der Matzsingers zeigt: Auch nach fast 40 Jahren brennt das Feuer noch für die Musik, die sie vertreten. Die Vorfreude auf das erste Konzert nach zweijähriger Corona-Pause ist da.

INFO:

Für die Matzsingers geht es endlich wieder auf die Bühne - und zwar am Samstag, 16. Juli. Dann tritt das Quintett ab 20 Uhr im Barocksaal auf dem Herrnhaag auf. Karten gibt es im Vorverkauf in der Hellerschen Buchhandlung in Büdingen (Bahnhofstraße 5), bei Knab & Duchardt Rechtsanwälte in Ortenberg (Wilhelm-Leuschner-Straße 17) und bei Wolff Bürotechnik in Nidda (Bahnhofstraße 11). Weitere Infos gibt’s im Internet auf www.matzsingers.de. VON MARTIN RITTER

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