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Das waren noch Zeiten als das Duo Kvas aus der Ukraine beim Neujahrsvarieté im Jugendstil-Theater auftreten durfte. Die Ovag hat das Varieté im zweiten Jahr in Folge abgesagt. Bei »Friedberg lässt lesen« soll es Ende Januar weitergehen. Joe Bausch und Ulrike Folkerts (kl. Fotos) werden dabei sein.

»Die Ovag muss nicht davon leben«

  • Sabine Bornemann
    VonSabine Bornemann
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Absagen, Ausfälle, Verschiebungen: Das gehört seit Beginn der Pandemie dazu. Den Kulturbetrieb hat es in den vergangenen fast zwei Jahren besonders hart getroffen. Steht ein großes Unternehmen wie die Ovag in Friedberg hinter den Veranstaltungen, war und ist das ein großes Glück für alle Beteiligten und nicht selbstverständlich.

Das gab es so noch nie: Künstler bedanken sich bei Andreas Matlé, obwohl das Neujahrsvarieté der Ovag zum zweiten Mal in Folge ausfällt. »Wir halten an den Verträgen für 2023 fest«, sagt der Leiter der Ovag-Öffentlichkeitsarbeit. Das wüssten die Künstler und Artisten sehr zu schätzen.

Es war absehbar: »Die Corona-Entwicklungen und die damit verbundenen Befürchtungen haben sich leider bestätigt«, sagt Matlé. Das Neujahrsvarieté im Jugendstil-Theater Dolce kann erneut nicht stattfinden. Absagen von Kulturveranstaltungen gehören in der Pandemie und damit im vergangenen Jahr fast schon zum Alltag: Während im Sommer die Inzidenzen sanken, viele Veranstaltungen draußen stattfinden durften, zogen im Herbst und erst recht jetzt im Winter wieder dunkle Wolken über den Veranstaltern auf: Absagen kamen oder standen im Raum. Dann noch 2G oder sogar 2G-plus, was mancherorts wieder für Absagen sorgte.

Das Friedberger Energieunternehmen ist in Sachen Kultur in einer prädestinierten Lage: »Die Ovag muss von der Kultur nicht leben. Das ist ein großes Glück«, sagt Matlé.

Umplanen und neu organisieren

So kann es sich die Ovag »leisten«, weiter an den Verträgen mit weltweiten Varieté-Künstlern festzuhalten. Das sei nicht selbstverständlich. Den Artisten, die auch in Bad Nauheim aufgetreten wären, sind nämlich in diesem Winter erneut viele Engagements entgangen. »Vom Zirkus Krone bis zu Monte Carlo wurde flächendeckend abgesagt«, erläutert Matlé. Für das Neujahrsvarieté hatten sich die Verantwortlichen im Herbst eine Deadline gesetzt: Der 1. November. Dann wollte man sich entscheiden und konnte nicht anders als abzusagen: Das liege zum einen an den Hygiene- und Abstandsvorschriften und zum anderen daran, dass die meisten Mitwirkenden aus dem Ausland anreisen müssen. Da geht es um das generelle Reisen, um Quarantäne, Visa oder Transport.

Planen, nachlesen und umorganisieren musste Matlé im vergangenen Jahr öfters. Es gab eine längere coronabedingte Pause, einige Ausfälle oder Verschiebungen, wie bei »Friedberg lässt lesen« und der Lesung von Ursula Poznanski, die ihren Thriller »Vanitas« erst Mitte Oktober vorstellen konnte.

Umplanen und aktuell reagieren gehört für Matlé in der Pandemie dazu - nicht immer ganz einfach. Spätestens, seit 2G und 2G-plus zu den Maßnahmen für (Kultur-)Veranstaltungen gehören. Da kann es passieren, dass sich Vorschriften von Ort zu Ort und Tag zu Tag ändern. So zum Beispiel bei der Lesung von Anastasia Zampounidis. Galt bei »Der Vulkan lässt lesen« in Alsfeld am 24. November noch die 2G-Regel, galt aufgrund der hessenweiten Neuregelung am 25. November in Friedberg 2G-plus.

Hoffnungsvoller Blick nach vorn

Das habe aber der Resonanz bei den Lesereihen keinen Abbruch getan. »Wer eine Lesung - vielleicht noch mit einem bekannten Schauspieler - wirklich hören möchte, geht eben zum Test, sagt Matlé. Bei Lesungen in der Augustinerschule entfalle das jetzt, denn dort gilt nach momentanem Stand 2G mit Abstand und Maske, und es dürfen wegen der Abstände »nur« unter 100 Personen eingelassen werden.

Es könne sich seitens der Politik schnell etwas ändern. Daher sei es sinnvoll, sich immer am Tag der jeweiligen Veranstaltung noch einmal zu informieren - auf der Ovag-Homepage nachlesen oder direkt anrufen, rät Matlé. Werden Veranstaltungen verschoben, behalten die Karten ihre Gültigkeit, können aber auch zurückgegeben werden. Für das Neujahrsvarieté hätten das bisher recht wenige Menschen getan, »rund zehn Prozent. Das ist ein großer Vertrauensbeweis und spricht für die Beliebtheit der Veranstaltung«, meint Matlé.

Er blickt mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft: Die neue Saison von »Friedberg lässt lesen« soll am 27. Januar beginnen. Hochkarätige Schauspieler und bekannte Autoren hat die Ovag verpflichtet: Joe Bausch, Ulrike Folkerts, Helmut Zierl, Harald Martenstein, Arno Strobl oder Eva Menasse - um nur einige zu nennen.

An eine dritte Absage in Folge für das Neujahrsvarieté der Ovag will Matlé wirklich nicht denken. Es soll 2023 nun endlich wieder stattfinden (dürfen). Matlé möchte nämlich keine Dankes-E-Mails von Künstlern bekommen, dass die Ovag auch an Verträgen für 2024 festhalten kann.

Schauspieler Joe Bausch kommt erneut zu »Friedberg lässt lesen«.
»Tatort«-Kommissarin Ulrike Folkerts wird ihre Biografie vorstellen.
Andreas Matlé Ovag-Pressesprecher

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