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Die Quellen sollen heizen

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Das Programm der Feier in der Trinkkuranlage ist gelungen, allerdings sind viele Stühle nicht besetzt. © Petra Ihm-Fahle

Im Jahr 2020 fiel die Bad Nauheimer Quellendankfeier wegen Corona aus. 2021 verlief sie in gewohnter Form, wenn auch in neuer Umgebung, nämlich in der Trinkkuranlage. In diesem Jahr fiel das Fest am Samstag deutlich bescheidener aus. Grund dafür ist die Energiekrise. Dennoch herrschte eine inspirierende Stimmung - wofür die berührende Musik sorgte.

Bescheidenheit prägte die Quellendankfeier am Samstagabend in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage. Vor dem Hintergrund der Energiekrise fiel die Beleuchtung des Veranstaltungsorts in diesem Jahr deutlich geringer aus als sonst. Buntes Scheinwerferlicht sorgte zwar für ein stimmungsvolles Ambiente, das übliche pyrotechnische Spektakel fand jedoch nicht statt.

Einen auswärtigen Festredner wie in den Vorjahren hatte das Rathaus nicht eingeladen. Der diesjährige Redner Prof. Friedrich-Karl Feyerabend lebt in Nieder-Mörlen und hatte insofern keine weite Fahrstrecke zurückzulegen. Er ist Ehrenstadtverordnetenvorsteher, ein »Prophet im eigenen Land« gewissermaßen. Wie sich zeigte, war dies kein Nachteil, denn der Christdemokrat konnte mit großem Wissen über Geschichte und Architektur des Weltbads punkten. Von Quellendank über Jugendstil, Status quo und Ausblick auf die denkmalpflegerische Weiterentwicklung: Der Vortrag enthielt umfängliche Informationen über den Aufstieg der Stadt seit der Entdeckung des großen Sprudels. Feyerabend erhielt viel Applaus und Lob für seine profunden Ausführungen.

Bürgermeister Klaus Kreß hieß das Auditorium willkommen, das sich eher spärlich eingestellt hatte. Die Plastikstühle im leeren Wasserbecken und an den Rändern waren bestenfalls zu einem Drittel besetzt. Das kennt man von früheren Quellendankfeiern anders, als Besucher frühzeitig kommen mussten, um noch einen Platz zu ergattern.

Kreß begrüßte eine lange Liste von Ehrengästen, neben Politikern, Vertretern aus dem Gesundheitswesen und von Institutionen war dies beispielsweise der Vorsitzende des Jugendstilvereins, Gerhard Bennemann. Als solcher ist Bennemann Mitglied beziehungsweise Vorsitzender des Beirats der Stiftung Sprudelhof.

Technisch anspruchsvoll

Passend zum Stichwort Energie erzählte er dieser Zeitung über innovative Pläne im Sprudelhof, der derzeit saniert wird. »Wir haben hier Thermalwasser mit ungefähr 35, 36 Grad, das aus dem Boden kommt«, sagte Bennemann. Das sei anders als in Bad Vilbel, wo das Mineralwasser kalt aus der Erde steige. »Es gibt die Überlegung, diese Wärmeenergie zukünftig auch für die Beheizung der Gebäude des Sprudelhofs und des Drumherums zu nutzen«, erläuterte der Beiratsvorsitzende. Dieses Vorhaben würde laut Bennemann technisch anspruchsvoll, weil das Salzwasser relativ aggressiv sei. »In dem Augenblick, in dem Sauerstoff dazukommt, fallen auch die Eisenhydroxidverbindungen aus.« Sprich, es sei mit einer Versinterung zu rechnen, was die Rohre enger machen könne. »Da muss man eine Lösung suchen, wie man einen Wärmetauscher vernünftig hinbekommt«, erläuterte er. Im Augenblick liefen Gespräche der Stiftung mit den Stadtwerken und dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH). »Wir wollen uns auch mal die Probleme ansehen, die es in Wiesbaden mit einer entsprechenden Lösung schon gibt«, fuhr er fort. Die Beteiligungsgremien sehen laut Bennemann nicht ein, warmes Wasser als Abwasser zu entsorgen, während gleichzeitig Sorgen bestehen, ausreichend Gas fürs Heizen zu bekommen.

Musikkapellen versprühen Energie

»Es ist ein Beschluss des Kuratoriums aus der jüngsten Sitzung, die Stiftung zu beauftragen, dieses zu prüfen und forciert anzugehen, um diese Wärmeenergie nutzen zu können.«

Im Grunde ist es jedes Jahr bei der Quellendankfeier das Gleiche. Ist der Sommer noch so warm - für den Abend des Festes sollte man sich eine Jacke einpacken. Am Samstag wärmte aber auch die Energie, die die Musikkapellen versprühten. Das Ensemble »Konzertgebräu« aus Bad Nauheim und das Hessische Landesjugendjazzorchester »Kicks & Sticks« heizten den Gästen ein - am Ende wurde sogar getanzt. Ein weiterer Höhepunkt war der gemeinsam gesungene Choral »Großer Gott, wir loben dich«, bei dem vielen sicher warm ums Herz wurde.

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