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Die Sache mit der Maske

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Von: Annette Hausmanns

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rueg_hau_fastnacht1_2602_4c © Annette Hausmanns

Corona bremst die Narrenscharen allerorten auch in diesem Jahr aus. Die Fastnachtstradition in Mörlau hatte es aber auch zu anderen Zeiten nicht immer leicht. Maskenverbot statt Maskengebot, leer getrunkene Gaststätten und originelle Lindwürmer: Ein Rückblick auf das närrische Treiben im »Klein Mainz im Usatal«.

Nicht von ungefähr heißt Ober-Mörlen auch »Klein Mainz im Usatal«. Mindestens bis ins Jahr 1753 reicht die närrische Tradition zurück. Die »Lustige Schlittenfahrt«, ein Gemälde der damaligen Schlossherren, legt Zeugnis davon ab. Bis sich die Fassenacht nach dem Zweiten Weltkrieg in Umzügen und in den Fastnachtsvereinen KG und MCC organisierte, feierten die Narren von Mörlau daheim, auf den Straßen und Gassen, in den Wirtshäusern und bei zahllosen Maskenbällen. Davon kann man heute nur träumen, zumal nach zwei Jahren Corona-Pandemie mit abgesagten Großveranstaltungen. Die »fünfte Jahreszeit« und die Brauchtumspflege lassen sich gleichwohl nicht unterkriegen.

Obwohl: Lange vor Corona machten sich Ermüdungserscheinungen breit, vor allem in der Straßenfassenacht. Dazu hat »Hirschwurtssohn« Kai Schraub in seinem Archiv gestöbert, und auch mit KG-Ehrenpräsident Manfred Seipel haben wir in Erinnerungen geblättert.

Bereits 1912 wurde demnach in der Gastwirtschaft »Zum Schiefen Eck« in der Nauheimer Straße 12 ein Karnevalistischer Verein gegründet. Noch im selben Jahr startete ein Rosenmontagszug, dem thematisch die zu errichtende Wasserleitung zugrunde lag.

Originelle Wagengruppen

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 verstummte dieser erste Karnevalsverein. In den Nachkriegsjahren schien der Bürgermeister angesichts des ausgelassenen Maskentreibens derart um den Verfall der Sitten zu bangen, dass er im Jahr 1925 die Reißleine zog und das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit verbot.

Kurzerhand malten sich die Narren die Gesichter schwarz, klebten Bärte an, trugen Pappnasen und zogen laut lärmend vors Bürgermeisterhaus. Die hinzugerufene Polizei wurde in den Trubel miteinbezogen, danach konnte ungestört weitergefeiert werden.

Zum Beginn der Mirler »Lindwurm«-Geschichte zeigt Manfred Seipel ein Schreiben des »Närrischen Komitees« an Radio Frankfurt. Angepriesen wird der »Ober-Mörler Karneval im Usatal« mit seinem närrischen Höhepunkt am 27. Februar 1949: An jenem Fastnachtssonntag startete der erste Umzug nach dem Krieg um 14.11 Uhr mit der »feierlichen Übergabe der Schlüsselgewalt an den Prinz Karneval«.

Berichtet wird von einem »großen Karnevalzug mit originellen Wagengruppen« sowie »Maskentreiben auf den Straßen und in allen Lokalitäten beim Wetterauer Äbbelweu«. »Wir betonen, dass unser Fastnachtszug eine Überraschung gibt, die Ober-Mörlen den Ruhm ›Klein-Mainz‹ einbringen wird. Hochachtungsvoll Närrisches Komitee, i.A. Willi Heil«.

Gemeinde kickt gegen Elferrat

Zur Premiere wurde eine freistehende Tribüne zur Proklamation von Prinz Max I. gezimmert, und auch die Tradition der Kinderumzüge und -maskenfeste am Rosenmontag reicht bis hierher zurück. In der ersten, vom »Närrischen Komitee« im selben Jahr herausgegebenen Kreppelzeitung werden »Süße Närrinnen, saure Narren!« angesprochen und unter dem Motto »Mit Humor und Radau Mörlau! Mörlau! Mörlau!« eingeladen zu »Allen wohl und niemand weh«.

Eine Woche vor dem Fastnachtszug »mit allen Neu- und Narrheiten« stieg ein »Fußballkampf am Sportplatz neben dem Lichterhäuschen«, aufgestellt war der Gemeinde- gegen den Elferrat.

Bis in die 60er Jahre bestimmten Pferdegespanne das Bild, nach und nach wurden sie von Zugmaschinen abgelöst. Tausende Narren strömen seither jedes Jahr zum »größten närrischen Lindwurm der Wetterau«, so auch zum 70. Lindwurm 2019 und zu seinem Nachfolger in der letzten Vor-Corona-Kampagne.

Kai Schraub schreibt: »Der Umtrunk nach dem Fastnachtszug am Sonntag folgte oft auf die heimischen Kräppelnachmittage.«

Früher seien oft »ganze Schenken und Kneipen abends leergetrunken« gewesen. Dann zog man zur nächsten weiter oder die Wirte erlaubten den Gästen, ihre Getränke selbst zu zapfen.

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rueg_hau_fastnacht2neu_2_4c © Annette Hausmanns
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rueg_hau_fastnacht4_2602_4c © Annette Hausmanns
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rueg_hau_fastnacht5_2602_4c © Annette Hausmanns

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