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Die Schonfrist ist abgelaufen: FWG benennt Probleme und übt Kritik an Büdinger Rathausspitze

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Die FWG-Führung mit der Vorsitzenden Sabine Dönges (Mitte) und Fraktionschef Ulrich Majunke (2. v. r.) freut sich mit den Geehrten Armin Gottmann, Dr. Hans-Peter Griethe und Tim Strehm (vorne, v. l.). © Björn Leo

Die Freien Wähler haben aus der Not eine Tugend gemacht. Ulrich Majunke hat die Büdinger FWG nach dem Abgang Erich Spamers auf Kurs gehalten. Längst ist der 45-Jährige ihr Leader.

Die FWG hat ihre neue Rolle im politische Gefüge der ehemaligen Kreisstadt gut angenommen. Sie ist nicht mehr stärkste Fraktion, stellt erstmals seit 18 Jahren keinen Bürgermeister und muss seit einem Jahr auch ohne die Gallionsfigur Erich Spamer auskommen. Es ist jetzt alles eine Nummer kleiner, was auch die Jahreshauptversammlung der Freien Wähler in Büches zeigt. Dabei sollten jedoch der familiäre Anstrich und die seit Jahren bekannten Gesichter keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass die Wählergemeinschaft auch weiterhin oben mitmischen will. Mit Fraktionschef Ulrich Majunke, 2021 neben Benjamin Harris, einziger ernst zu nehmender Bewerber um das Amt an der Rathausspitze, scheint die FWG dafür den richtigen Mann gefunden zu haben.

FWG-Sicht aufs Rathaus

»Wir wollen keine Frontalopposition betreiben, sondern zum Wohl der Stadt Büdingen agieren«, sagt Majunke. Wie sich das im politischen Alltag niederschlägt, macht er in Büches deutlich. Er spricht davon, dass im Rathaus personeller Notstand herrscht, wichtige Themen zu spät oder gar nicht behandelt werden. Vorlagen aus der Verwaltung seien unzureichend, sodass die politischen Gremien dringend notwendige Beschlüsse nicht fassen könnten. Den Bürgermeister bezeichnet der FWG-Fraktionsvorsitzende in der Sitzung als »vermeintlichen Verwaltungsfachmann« und erneuert die Kritik an Stadtverordnetenvorsteher Dieter Jentzsch (CDU). »Wir sehen jetzt, dass Reiner Marhenke (FWG) das Amt mit Bravour ausgeübt hat und dass es ihm als Kapitän der Stadtverordneten gelungen ist, alle Klippen zu umschiffen.« Anders sehe es bei seinem Nachfolger aus. »Dieter Jentzsch rammt die Eisberge in voller Fahrt.«

Kritik am Ersten Bürger

Gemünzt ist die harsche Kritik auf den Führungstil, des Ersten Bürgers, auf den Informationfluss und vor allem auf das Vorgehen nach der Teilung der Grünen-Fraktion. »Dass er für alle völlig überraschend den Loshut herausgeholt hat, sorgte für reichlich Verstimmung.« Am Ende sei es an den Freien Wählern gewesen, durch den Verzicht auf einen dritten Sitz die Lage für alle Fraktionen einigermaßen erträglich zu gestalten.

Majunke mahnt in Sachen Landesgartenschau zur Einigkeit. Die FWG verspreche sich viel von der Verlagerung der Sportplätze raus aus der Innenstadt hinauf auf den Dohlberg. und plädiert für die Umgestaltung der Bruchwiese zu einem Bürgerpark, wie er in der Machbarkeitsstudie zum interkommunalen Großereignis 2027 vorgesehen ist. »Ich will hoffen, dass wir am Ende nicht wie die begossenen Pudel dastehen.« Es gibt aus Majunkes Sicht Tendenzen, dass jetzt die gleichen Kräfte wie 2014 am Werk sind, die diese wichtige Stadtentwicklungsprojekt verhindern wollen.

Die Zusammenarbeit mit SPD, FDP, Pro Vernunft und Grüne 2.0 verleihe den Gremien Stabilität. Elf gemeinsame Anträge resultierten aus dieser politischen Zusammenarbeit. 14 Anträge hätten die Freien Wähler seit der Kommunalwahl im März 2021 in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Einige davon zielten auf den Hochwasserschutz ab.

Das für Büdingen so zentrale Thema steht im Fokus vieler Bemühungen der FWG. Dr. Hans-Peter Griethe, langjähriger Experte in Sachen Wasserwirtschaft, ergreift in der Sitzung mehrfach energisch das Wort. »Büdingen ist nach wie vor gefährdet, so lange es kein Rückhaltebecken oberhalb der Stadt gibt«, Griethe redet sich teilweise in Rage, sagt mit Blick auf die Arbeit des Akteneinsichtsausschusses: »Es müssen Namen genannt werden, damit man die Leute, die Fehler gemacht und versagt haben, an die Wand nageln kann.« Es habe lange Zeit Kräfte gegeben, die in Büdingen gegen effektiven Hochwasserschutz gearbeitet hätten.

Keine Frage: Die Freien Wähler agieren politisch so offensiv wie schon lange nicht mehr. Vieles konzentriert sich auf Ulrich Majunke, der sich meinungsstark und angriffslustig gibt und zeigt, dass die Schonfrist für Bürgermeister Benjamin Harris - Seit Anfang März im Amt - abgelaufen ist. Sie forcieren ihr Bemühen um ein modernes Personalmanagement im Rathaus sowie in den Kitas und sprechen davon, der Stadt das Image eines attraktiven Arbeitsgebers verpassen zu wollen.

Im Hintergrund der FWG steht freilich nicht wie bei vielen Mitbewerbern ein großer Parteiapparat mit finanziellen Mitteln. Es sind Vereinsstrukturen, auf die sich denn auch der Wahlkampf Majunkes im vergangenen Jahr ausgewirkt hat. Der schlug immerhin mit fast 20 000 Euro zu Buche, wie Rechner Ernst Henke den Mitgliedern in der Versammlung berichtet. Ohne die große Spendenbereitschaft, für die sich die Freien Wähler am Abend bedanken, wäre es kaum zu schaffen gewesen.

Sabine Dönges bleibt Vorsitzende

Der Rest der Tagesordnung sind formale Beschlüsse: Sabine Dönges bleibt Vorsitzende der FWG, Christian Ulrich ist weiterhin Schriftführer. Zur Riege der Beisitzer gehören auch in den nächsten zwei Jahren Ulrich Majunke und Christian Brand. Kassenprüfer sind 2023 neben Dieter Rehberg Henning Nitzsche und Reiner Marhenke (Ersatz).

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