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Die Summe der Kleinigkeiten

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Trotz regelmäßiger Erneuerung der Gasheizung in der Kreishandwerkerschaft erkundigt sich Geschäftsführer Matthias Fritzel (l.) bei Innungsobermeister Stefan Wolf, welche weiteren Einsparpotenziale die Heizung hat. © Petra Ihm-Fahle

Die Menschen machen sich Sorgen über explodierende Heizkosten, weshalb sich viele über Einsparpotenziale informieren. Wir haben Innungsmeister aus dem Wetteraukreis nach großen und kleinen Lösungen gefragt.

Bei der Kreishandwerkerschaft in Friedberg empfängt Geschäftsführer Matthias Fritzel gerade Besuch. Zu ihm kommt Stefan Wolf aus Dorheim, Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

» Wir wollen mit unserer Heizung immer auf dem neuesten Stand sein, unabhängig von der Gaskrise. Daher überprüfen wir die Möglichkeiten regelmäßig«, sagt Fritzel. Wolf schaut sich im Heizungskeller um, er ist zufrieden mit dem, was er sieht.

Wie alle Betriebe des Installateur- und Heizungswesens im Wetteraukreis hat auch er derzeit besonders viel zu tun. »Die Auftragslage ist sehr gut«, sagt der 51-Jährige. Kunden fragen nach Einsparmöglichkeiten, nach Wärmepumpen und dem hydraulischen Abgleich.

Wichtig ist laut Wolf vor einem technischen Neueinbau, sich einen Überblick über das Gebäude und seine Möglichkeiten zu verschaffen. Es gebe aber auch ganz einfache Tipps zum Energiesparen.

So sieht es auch Lothar Scheib, Meister im Installateur- und Heizungsbauerhandwerk aus Steinfurth. Das Telefon klingelt derzeit vermehrt. »Es fing damit an, als bekannt wurde, dass es auf dem Gasmarkt zu Engpässen kommt«, berichtet der 62-Jährige.

Öfter fragen Kunden derzeit nach Wärmepumpen, die die umgekehrte Funktionsweise wie ein Kühlschrank haben. Basis ist ein physikalischer Prozess, den Scheib in leicht verständlichen Worten erklärt: »Die Wärmepumpe nimmt die Wärme aus der Luft, aus dem Raum und aus der Erde heraus und gibt sie an das Heizungs- und Brauchwasser ab.« Baue jemand neu, sei diese Technik heutzutage Standard. Die Kosten einer ordentlichen Wärmepumpe beziffert Scheib auf 25 000 bis 35 000 Euro, wobei nach Abzug der Fördermittel ein Eigenanteil von 20 000 bis 25 000 Euro verbleibe. »Entsprechend der Hausgröße kann es auch mehr sein«, fügt er hinzu.

Nicht immer sei eine Wärmepumpe allerdings die beste Lösung. Bei entsprechenden Anfragen hakt er daher gleich nach, ob eine Fußbodenheizung vorhanden ist - da gehe die Wärmepumpe immer. »Technisch ist es auch möglich, wenn man Heizkörper hat, aber da ist nachher der Stromverbrauch sehr hoch, weil man mehr Vorlauftemperatur benötigt.« Um den Kunden über diese und andere Möglichkeiten zu beraten, empfiehlt sich laut Scheib ein Vorort-Termin.

Der Dorheimer Stefan Wolf erlebt es ebenso. »Die Wärmepumpe ist zwar ein schönes Thema, aber nicht in jedem Haus umzusetzen«, sagt er. Letztendlich sei die jeweilige Situation zu betrachten. »Man muss die Fördermöglichkeiten überprüfen und sich genau damit beschäftigen.« Was wurde bisher verbraucht, welche Leistung und Menge benötigt der Hausherr? »Man kann auch darüber nachdenken, ob sich eine Hybridanlage aus anderen Wärmeerzeugern zuzüglich einer Wärmepumpe anbietet«, sagt der Innungsobermeister.

Bei Lothar Scheib klingelt erneut das Telefon. Diesmal erkundigt sich die anrufende Person nach einer Möglichkeit, die Gasheizung zu optimieren. Ähnliche Fragen erhält der Meister zum Thema Ölheizung - oft kommt es dazu, dass er die Heizung oder Raumsolltemperatur neu einstellt. »Oder dass ich die alte Heizung gegen eine neue Brennwertheizung austausche, womit man zehn bis 15 Prozent Energie sparen kann«, erklärt er.

Fragen nach einem hydraulischen Abgleich hören Scheib und Wolf derzeit ebenfalls vermehrt. Wolf: »Dabei geht es darum, die Wärme im Gebäude gleichmäßig zu verteilen. Dafür sollte man überprüfen, ob die vorhandenen Heizkörperventile voreinstellbar sind - oft müssen die Ventile getauscht werden.«

Wolf nennt weitere Sparmöglichkeiten, etwa die Rohre isolieren, Energiesparpumpen einbauen, Heizzeiten und Temperaturen optimieren. »In der Summe machen viele Kleinigkeiten was aus«, sagt er. Ähnliche Anregungen gibt auch Kollege Scheib aus Steinfurth: zum Beispiel die Raumtemperatur etwas senken und Stoßlüften statt Fensterkippen.

»Lauter Sachen, die man schon vor dem ganzen Dilemma hätte machen sollen, aber es wurde geheizt auf Teufel komm raus«, konstatiert er.

Im Keller der Kreishandwerkerschaft stellt Wolf fest: »Die Rohre sind isoliert, die Raumtemperatur angenehm.« Zumindest dort ist momentan nichts zu tun.

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