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Diebach am Haag - immer am Puls der Zeit: Heute gilt’s bei »Unser Dorf hat Zukunft«

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»Unser Dorf hat Zukunft«: In Diebach am Haag sind zahlreiche Betriebe beheimatet. Auf dem Gelände der Firma Frank kommen Vertreter der ortsansässigen Unternehmen zusammen, um dem Motto des Landeswettbewerbs gerecht zu werden. © Björn Leo

Die Vorfreude ist überall spürbar. Für die Einwohnerschaft ist die Teilnahme am Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« das erste richtige Erlebnis in der Gemeinschaft seit Pandemiebeginn.

Der ländliche Raum hat es seit Jahren schwer. Der Zusammenhalt schwindet, ein Wirgefühl ist längst nicht mehr in jedem Dorf vorhanden. Der gesellschaftliche Wandel hat viele Ausprägungen - aus Sicht mancher Alteingesessenen überwiegen die schlechten. Sie suhlen sich gerne in der Wehklagerei, verklären die alten Zeiten.

»Wann nait mi geknottert wird, seimer aach nait mi hai«, sagt Werner Geyer, der sicher ganz gerne mal knottert. Doch der 80-Jährige gehört zu denen im Ort, die anpacken, die mithelfen, das Dorfleben zu gestalten. »Wemmer was schafft, geht’s aam gut«, sagt er. Und in Diebach am Haag, da schaffen viele Menschen. Bevor die Bewertungskommission dort Station macht, kommt es noch einmal zu einem Fototermin in der Herrnhaager Straße. Auf dem Gelände des Metallbauunternehmens der Brüder Michael und Christian Frank treffen vor allem Vertreter der im Dorf ansässigen Betriebe zusammen. Dabei wird deutlich: Wer sich in Büdingen über Arbeits- und Ausbildungsplätze unterhält, stellt schnell fest, dass im Verhältnis zur Einwohnerzahl Diebach ganz vorne mitspielt. 16 Arbeitgeber gibt es im 550 Einwohner zählenden Dorf. Das ist schon eine echte Hausnummer.

Alle Betriebe machen mit

Das Team vom Friseur Altinsoy verbreitet beim Gruppenbild gute Laune, Reinhard Henkelmann, Chef eines Zimmerei- und Holzbaubetriebs, ist direkt von einer Baustelle gekommen. Er hat acht Mitarbeiter, bildet aktuell zwei aus. Ähnlich sieht es bei den Gebrüdern Frank aus. Ihr Rollladen- und Metallbaubetrieb sowie ihre Schlosserei zählen sieben Beschäftigte plus zwei Azubis. Fundierte Ausbildung im Handwerk mit familiärer Atmosphäre - in Diebach am Haag ist das möglich. Nadine Geyer vertritt die Firma Kälte-Geyer, die ebenfalls sieben Festangestellte hat und ausbildet. Die Liste ließe sich noch verlängern.

»Diebach ist eben keine dieser Wohn-Schlafstätten. Das möchten wir besonders herausstellen, wenn die Kommission am Donnerstag kommt«, betont Margit Bopp. Sie, die gebürtige »Daibischerin«, die heute in Hainchen lebt, ist die Triebfeder der Teilnahme am Landeswettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft«. In freundschaftlicher Verbundenheit zu den Nachbarorten Lorbach und Vonhausen wird sich Diebach heute ab 11 Uhr präsentieren.

Dorfleben und Tourismus

Sieben Stationen sieht der Rundgang vor, den Norbert Jakob moderiert. Im Fokus steht das, was Diebach ausmacht: junges Leben in alten Häusern, Wohnraum und Gewerbe im historischen Ortskern, Bauerngärten und Rückzugsräume, das Vereinsleben und die Landwirtschaft, Regionalität, Mobilität und Freizeitangebote. In Diebach gibt es unter anderem den Mehrgenerationenplatz unweit der Ronneburg mit Wohnmobilstellplätzen und die Ysenburgroute, ein beliebter Radwanderweg, der in Langenselbold am Kinzigsee startet und durch die Gründauaue weiter zur Ronneburg bis nach Diebach am Haag führt. Von dort aus gelangt man mit dem Rad über die Hohe Straße bis nach Büdingen im Norden. In Langenselbold im Süden besteht Anschluss zur Kinzigroute sowie zum hessischen Fernradweg R 3, der sich vom Rhein bis in die Rhön zieht.

Bedeutung der Ysenburgroute

Längst laufen die Planungen, dass der Ausgangspunkt der Ysenburgroute im Jahr 2027 das südliche Entree zur interkommunalen Landesgartenschau wird. Das Dörfchen Diebach wäre dann monatelang im Fokus zumal von Tagestouristen. Eine Ahnung davon, wie es in fünf Jahren werden könnte, bekommen die Leute bereits einmal im Jahr, wenn die Dorfgemeinschaft zum Hohe-Straße-Fest einlädt. Der boomende Radtourismus hat aus einer lokalen Idee längst einen Geheimtipp gemacht, der sich mehr und mehr auch in den Nachbarkreisen herumspricht.

Und vielleicht ist es am Ende ja Roswitha Engel, die mit einem Mundartvortrag die Bewertungskommission überzeugt. Sie hat zum 750-jährigen Bestehen des Büdinger Stadtteils vor drei Jahren in einem Buch von ihrem Leben im Dorf berichtet. »Mein Diebach, - so, wie es früher war« lautet der Titel. Damit lässt sich getrost ein Bogen in die Gegenwart spannen. Früher, das weiß auch Roswitha Engel, war sicher manches besser. Es ist trotzdem das Verdienst einer nimmermüden Dorfgemeinschaft, dass sich ihre Heimat auch im Jahr 2022 am Puls der Zeit präsentieren darf.

Das Regierungspräsidium Kassel hat den 37. Landeswettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« organsiert. Es ist ein Wettbewerb, für den federführend das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verantwortlich zeichnet. Honoriert werden das Engagement vor Ort, herausragende Ideen und Projekte zur zukunftsfähigen Dorfentwicklung. Mit dem Wettbewerb sollen Entwicklungsprozesse angestoßen werden. Teilnehmen durften Dörfer mit bis zu 3000 Einwohnern. 85 Orte haben sich angemeldet.

Der Wetteraukreis bildet eine Region mit den Landkreisen Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill mit insgesamt zwölf Dörfern. Aus der Wetterau nimmt nur Diebach am Haag teil. Die Siegerehrung findet am 9. Juli in der Gewinnerkommune statt. 5000 Euro bekommt das Siegerdorf. Zudem werden vier mit 1000 Euro dotierte Sonderpreise vergeben. leo

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