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Diese 18-Jährige will andere für klassische Musik begeistern

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Von: Sabrina Dämon

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Nina Kraft spielt seit acht Jahren Querflöte. »Beim Spielen kann ich immer voll abschalten, und dann mache ich nur Musik«, sagt sie. © pv

Vor acht Jahren hatte Nina Kraft zum ersten Mal eine Querflöte in der Hand. Seither macht die Florstädterin Musik. Doch beim Musikmachen alleine soll es nicht bleiben.

Die Querflöte war ein Glücksgriff. Die Sport-Union Nieder-Florstadt hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen. Dort präsentierte die Musikabteilung ihre Angebote und stellte Instrumente vor. Nina Kraft war damals in der vierten Klasse. Sie schaute sich die Instrumente an, probierte sie aus. »Bei der Querflöte bin ich hängengeblieben. Ich habe sofort einen Ton rausbekommen und fand das Instrument faszinierend«, erzählt die heute 18-Jährige.

Sie nahm Unterricht, begeisterte sich (als einzige in ihrer Familie) immer mehr für Musik - vor allem für klassische, »andere Musik höre ich gar nicht mehr«. Und spielt seither Querflöte. Nicht gerade das populärste Instrument bei jungen Menschen. Aber, sagt die 18-Jährige: »Die Querflöte wird oft unterschätzt. Es gibt vielfältige Möglichkeiten: die Klangfarben, die Lautstärke, die Zwischentöne.«

»Beim Spielen kann ich immer voll abschalten, und dann mache ich nur Musik«, erzählt sie. »Es wird nie anstrengend wie andere Aufgaben.« Im Gegenteil: »Man muss mich nicht zwingen, in eine Probe zu gehen. Ich gehe eher eine Viertelstunde früher hin, um noch mal durchzuspielen.« Zum Beispiel, wenn sie ins Schulorchester der Friedberger Augustinerschule geht.

Dass sie diese Schule besuche, liege am dortigen musikalischen Schwerpunkt. »Meine Mutter war erst skeptisch«, erzählt Nina Kraft. »Weil dadurch Extra-Stunden dazugekommen sind.« Ob das nicht auf Dauer zu viel werde, habe sie befürchtet. »Aber der Wunsch von meiner Seite war so groß. Ich war der festen Überzeugung, dass ich das will«, sagt Nina Kraft. »Es war die richtige Entscheidung.«

Inzwischen wisse sie, dass sie auch später musikalisch Arbeiten möchte. Deswegen hat sie vor zwei Jahren angefangen, sich Klavierspielen beizubringen - mit Blick auf ihr geplantes Studium. Nach dem Abi, das kommendes Jahr ansteht, möchte sie Elementare Musikpädagogik studieren.

Denn es ist vor allem die Arbeit mit anderen Musikern, die sie reizt - im Zusammenspiel im Orchester einerseits: »Dass man ein Teil von dem Zusammenklang ist.« Andererseits, um ihre Begeisterung an andere weiterzugeben, ihnen etwas beizubringen.

Deswegen hat sie sich vergangenes Jahr dazu entschieden, bei dem Programm »Musikmentor/innen für Hessen« mitzumachen. Das vom Hessischen Kultusministerium aufgelegte Programm richtet sich an musikbegeisterte Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. In einem Werbetext heißt es: »Das Programm bietet Dir die Möglichkeit, Deine musikalischen Kompetenzen für das Musizieren in Ensembles und Gruppen sowie für das Anleiten solcher Ensembles zu erweitern und Deine personalen Kompetenzen weiterzuentwickeln.« Über die Dauer von einem Schuljahr setzen sich die Teilnehmer mit musikalischen und organisatorischen Aufgaben rund um Proben, Aufführungen und Orchesterfreizeiten auseinander. Anschließend können sie als Musikmentoren Leiter und Vorstand vom Chor, Orchester und Ensemble assistierend und organisierend unterstützen. Nina Kraft bekam über Mitschüler davon mit, die selbst vor zwei Jahren dabei gewesen waren. »Ich fand vor allem den pädagogischen Aspekt spannend.« Vergangenen Monat schloss sie den einjährigen Lehrgang mit einem Zertifikat ab (siehe Info).

Es war eine tolle Zeit, sagt die 18-Jährige. Über das Jahr trafen sich die Teilnehmer fünf Mal für ein Wochenende in der Landesmusikakademie in Schlitz. »Wir haben von morgens 9 bis gefühlt in die Nacht hinein Kurse belegt.« Über Musiktheorie, übers Dirigieren, über Ensemble-Leitung. In zusätzlichen Online-Kursen ging es um Themen wie Gema oder Jugendschutz. Begleitend dazu sollte Nina Kraft eigene Projekte entwickeln. So hat sie einen Kammermusikabend an ihrer Schule geplant, organisiert und schließlich moderiert. Zudem, erzählt sie, war sie alle zwei Wochen im Vororchester der Schule dabei, um den Dirigenten bei den Proben zu unterstützen. Ihre Erfahrung in dieser Zeit: »Es ist ein gutes Gefühl, wenn man merkt, man kann etwas bewirken - durch Worte oder durch Handbewegungen etwas zum Klingen bringen.«

Durch das Programm hat sich ihr Wunsch, musikpädagogisch zu arbeiten, verfestigt. »Es ist toll, die Freude am Musizieren weiterzugeben.« Zudem, sagt sie, war es eine gute Vorbereitung auf ihr geplantes Studium - »zu sehen, wie Musikpädagogik in der Realität ist - und nicht nur in der Theorie.«

Bei einem Konzert am Dienstag, 5. Juli, um 18 Uhr in der Augustinerschule spielt das Vororchester, und der Chor singt. Nina Kraft wird ein Stück selbst dirigieren.

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