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Dramatische Situation

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Was aussieht wie ein schlechter, steiniger Fußweg, ist das Bachbett der Nidda oberhalb des Wasserfalls.
Trockenheit, so weit das Auge reicht: Was aussieht wie ein schlechter, steiniger Fußweg, ist das Bachbett der Nidda oberhalb des Wasserfalls. © Weil

Es ist die Folge der langen Hitze und des fehlenden Regens: Der Oberlauf der Nidda ist ausgetrocknet. Besonders betroffen ist der vier Kilometer lange Abschnitt zwischen Schotten und dem Nidda-Stausee. Im Unterlauf ist die Situation besser. Dort fließt weiter ausreichend Wasser im Flussbett.

Die Situation ist dramatisch: Der Oberlauf der Nidda ist ausgetrocknet. Der vier Kilometer lange Abschnitt zwischen Schotten und dem Nidda-Stausee ist besonders betroffen. Dass es im Unterlauf des Flusses besser aussieht, hat viel mit der Nidda-Talsperre zu tun.

Das Bauwerk war Ende der 1960er Jahre vor allem aus zwei Gründen errichtet worden. Bei starken Niederschlägen sollte die Talsperre die Menschen, Dörfer und Städte im Niddatal vor Hochwasser schützen. In Phasen längerer Trockenheit sollte sie den Wasserstand unterhalb des Stauwerks und im weiteren Verlauf der Nidda durch eine permanente Wasserabgabe regulieren.

Gravierende Auswirkungen

Jede Sekunde werden 100 Liter abgelassen, das macht sich zum Beispiel in Rainrod deutlich bemerkbar. Dort ist das Bachbett nicht ausgetrocknet. Zwar ist der Wasserspiegel niedrig, aber die Nidda als fließendes Gewässer noch deutlich zu erkennen.

Oberhalb des Stausees ist die Lage dagegen dramatisch. »Seit dem 10. August läuft kein Wasser mehr in den Stausee. So extrem war die Situation noch nie«, sagt Stauseemeister Armin Hudetz. Der Läunsbach, der zweite Zulauf, ist schon seit vielen Wochen ausgetrocknet. »Zwar gab es in der Vergangenheit schon Zeiten, in denen kein Wasser floss. Aber nur für vereinzelte Tage und nicht so lange wie derzeit«, schildert Hudetz.

Rolf Frischmuth, Geschäftsführer des Naturparks Vulkanregion Vogelsberg, sprach daher in einem Beitrag der »Hessenschau« von »schweren ökologischen Schäden, von einer Katastrophe«. Fische und kleinere Lebewesen hätten keine Chance zum Überleben. »Es wird sehr lange dauern, bis wieder Leben in die Nidda einkehrt.« Zwar würde die Quelle in gut 700 Metern noch etwas ausschütten, aber das - ohnehin wenige - Wasser komme in Schotten beziehungsweise am Stausee nicht mehr an.

Ein Blick auf das Bachbett am »Kammbrett« am Alteburgpark zeigt das ganze Ausmaß. An der spektakulärsten Stelle der gesamten Nidda stürzt normalerweise ein Wasserfall über große Felsen und Gestein mehrere Meter nach unten. Davon ist nichts mehr zu sehen. Nur ein Rinnsal ist noch übrig. Im weiteren Verlauf des Bachbetts sind nur noch kleinste Pfützen zu sehen.

Auch Frank-Uwe Pfuhl von der NABU-Umweltwerkstatt Wetterau schätzt die Lage als äußerst problematisch ein. Die Oberläufe seien die Kinderstube für typischen Arten in den Bächen und Flüssen. Die gesamte Lebensgemeinschaft sei auf fließendes Wasser angewiesen. »Wenn sie gestört ist, hat das gravierende Auswirkungen. Insekten, Larven, Kleinstlebewesen und Jungfische sterben aus«, erklärt er.

Während die Nidda oberhalb des Stausees ausgetrocknet ist, ist die Lage auf ihrem Weg durch die Wetterau offenbar weniger dramatisch. »Die Wasserstände sind zwar niedrig, bei Assenheim sogar extrem niedrig, aber es gibt weiter noch genügend Lebensraum. Ich habe derzeit noch keine toten Fische bemerkt. Man sieht noch keine weißen Bäuche«, berichtet Pfuhl - und nennt dafür auch eine Grund: »Die Kläranlagen leiten ihre Abwässer in die Nidda.« In normalen Sommern mache das rund 50 Prozent des gesamten Wassers in der Nidda aus. Pfuhl: »In diesem Jahr ist der Anteil vermutlich noch viel höher.« Auch einige Zuflüsse der Nidda, wie die Horloff, die Wetter oder die Nidder, führten noch etwas Wasser, sagt Armin Hudetz.

All das gilt nicht für den Oberlauf der Nidda. Dort fließt kein Klärwasser zu, andere Bäche wie der Eichelbach oder der Gierbach sind ebenfalls ausgetrocknet - und das bereits seit Wochen.

Entwarnung für den Stausee

Für den Stausee kann Hudetz immerhin Entwarnung geben. »Sauerstoffgehalt und Wasserqualität bei Temperaturen von 23 Grad sind noch gut«, berichtet er. Der Wasserstand von 19,5 Metern liegt allerdings bereits 70 Zentimeter unter dem Winterstauziel, das präventiv wegen möglicher Schneeschmelzen auf eine geringe Höhe ausgelegt ist, um einen Puffer für starke Zuflüsse zu haben. »Wir werden trotzdem mit der Situation zurechtkommen, auch wenn es in den kommenden vier Wochen nicht regnen sollte«, betont Hudetz. Täglich verliert die Wasserfläche des Stausees vier Zentimeter an Höhe. »Neben der Abgabe an die Nidda kommen die Versickerung und vor allem die Verdunstung dazu«, erklärt der Stauseemeister. »Das sind nochmals 150 Liter pro Sekunde. Die Temperaturen müssen runtergehen.«

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