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Dreister Holzklau im Schottener Forstrevier

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Überall in den Wäldern lagern an den Wegesrändern unbeaufsichtigt Polter mit verkauften Rundholz. Das machen sich dreiste Diebe zunutze. © Stefan Weil

Verärgerung in Schottens Forstrevier: Dort sieht man sich in zunehmendem Maße mit dreistem Holzklau konfrontiert. Dem will man nun mit Technik und sensibilisierten Bürgern begegnen.

D as Problem ist für Forstleute und Holzhändler nicht neu, hat sich aber jüngst intensiviert: In den Wäldern der heimischen Region, aber auch in ganz Hessen, wird zunehmend Holz gestohlen. Eingeschlagenes Holz, das an Sammelstellen zum Abtransport gelagert ist. Das Holz ist schon verkauft an Händler, die es eigentlich abtransportieren und weitervermarkten wollen. So wie Marcel Bender aus Rabenau. Er beabsichtigte im Forstrevier Schotten Stämme zur Brennholzverarbeitung abzuholen, stellte vor Ort aber fest, dass das bezahlte Holz, verschwunden war. Er spricht von dreistem Diebstahl, wie auch Martin Menke, der im Forstamt für den Bereich Produktion zuständig ist. »Für den Abtransport der Stämme braucht man schweres Gerät und das passende Fahrzeug. Das waren keine Laien. Da stecken organisierte Strukturen dahinter«, betont der Forstexperte. Menke ist sich sicher, dass der Diebstahl von langer Hand geplant sein muss. Obendrein seien Ortskenntnisse nötig und auch das Wissen, wie viel Holz wo lagert. »Wichtig ist auch, dass es relativ kurze Absatzwege gibt.« Denn wer sich Brennholz zum »Nulltarif« beschaffe, könne für Endverbraucher günstige Preise anbieten. »Steuern fallen da weg«, so Menke.

Fehlendes Angebot als Diebstahlgrund?

Marcel Bender sieht eher im geringen Holzangebot den Grund für die Diebstähle. »Es gibt zu wenig Brennholz auf dem Markt. Aber die Menschen brauchen Holz für den nächsten Winter.« Das führe dann zu Hamsterkäufen. »Kunden, die früher drei bis vier Festmeter kauften, bestellen jetzt das Doppelte.« Die fragten dann nicht lange, wo das Brennholz herkomme, wenn sie es angeboten bekämen.

Nicht nur in Schotten, auch im Revier Grebenhain gab esschon Holzdiebstähle, wie Menke berichtet. Auf rund 155 Festmeter wuchs die Diebesmenge im Forstamt Schotten bereits an. »Das ist ein Schaden von rund 15 000 Euro«, so Menke. Vergangenes Jahr verschwanden in ganz Hessen durch Diebe rund 1200 Festmeter, was einem Gegenwertvon rund 50 000 Euro entspricht. Dazukommt der wirtschaftliche Verlust der Holzhändler aus der entgangenen Vermarktung. Für die Händler gibt es im Geschäft mit Hessen Forst einen sogenannten Gefahrenübergang, sagt Marcel Bender. »Wenn mir Hessen Forst mitteilt, dass eine bestimmte Holzmenge bereitliegt, habe ich 14 Tage Zeit, um zuzusagen, dass ich sie abnehme. Mit der Zusage gehört mir das Holz bereits.« Damit trage der Händler auch das Risiko für den Fall eines Diebstahls. »Das ist für uns dann eine Katastrophe. Denn das Geld ist weg. Ich kann den Verlust lediglich bei der Steuerklärung berücksichtigen.«

Möglichkeiten der Überwachung

Eine Überwachung der mehr als 1500 Sammelstellen, die er betreibt, sei nicht möglich. Vor allem im Frühjahr, wenn das im Winter geerntete Holz in großen Mengen an Wegen im Wald liegt und erst nach und nach abtransportiert werden könne.

Letztlich könnten sich diese Vorfälle auch auf das Vertrauensverhältnis der Forstverwaltung mit ihren Kunden auswirken, befürchtet Menke. Auch könnten nicht ständig alle Schranken auf den Waldwegen geschlossen werden. Wegen der aktuell in großem Umfang anfallenden Forstarbeiten, um das angefallene Schadholz schnell aus dem Wald zu bringen, sei das nicht zu schaffen. Andererseits sei eine ständige Überwachung aller seiner Sammellager gar nicht möglich, ergänzt Marcel Bender.

Menke und Bender haben eine Bitte an die Waldbesucher. »Jeder sollte die Augen offen halten und sich gegebenenfalls auch mal ein Kennzeichen notieren, um später eventuell Hinweise geben zu können.« Das Forstamt setzt darüber hinaus auf ein Instrumentarium, das es Tätern erschweren soll, gestohlenes Holz zu verkaufen. »Wir nutzen ein sogenanntes Tracker-System. Das sind versteckte Sender, die auf Bewegung reagieren«, so Menke. Werde das Holz unbefugterweise abgefahren, lässt sich der Transportweg mithilfe des Senders verfolgen. Das Forstamt Nidda hat damit gute Erfahrungen gemacht, wie Leiter Bernd Reißmann sagt. »In jüngster Zeit gab es keine Diebstähle mehr bei uns. Wir haben permanent mehrere Sender an verschiedenen Sammelstellen angebracht.« Zweimal habe man Täter auf diese Weise erwischt.

Für Marcel Bender sind die mit Funkdaten arbeitenden Sender nicht das vorrangige Mittel gegen die Diebstähle. Sein Unternehmen fährt jährlich 55 000 bis 60 000 Festmeter Holz aus den Wäldern ab. »Wie viele Sender müsste ich da anbringen. Ich setze viel mehr auf Abschreckung durch mehr Öffentlichkeit. Zahlreiche Medien haben sich des Themas angenommen. Täter konnten sich bisher sicher fühlen, dass ihre Diebstähle nicht groß auffallen. Das wird sich jetzt hoffentlich ändern.«

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