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Drogenhandel im großen Stil

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VON JÜRGEN W. NIEHOFF

Gießen/Büdingen . Wegen gewerbs- und bandenmäßigen Drogenhandels in der Region Büdingen müssen sich seit Montag drei Heranwachsende vor dem Landgericht in Gießen verantworten.

Von August 2020 bis Juli 2021 soll ein zum Tatzeitpunkt 20-Jähriger mit zwei Bekannten, einem Mann und einer Frau, in Büdingen und Umgebung Drogen wie Cannabis, Kokain und spezielle Codein-Sprudel an- und wieder verkauft haben. Über eine Stunde benötigte Staatsanwalt Mathias Rauch zur Verlesung seiner umfangreichen Anklageschrift gegen das Trio, bei dem einer der Tatverdächtigen, der damals 20-Jährige, der Kopf der Bande gewesen zu sein schien. Ihm wirft der Staatsanwalt 93 Fälle von gewerbsmäßigem Drogenhandel innerhalb eines Jahres vor. Während dem Bekannten, der als einziger des Trios zur Tatzeit volljährig war, Mittäterschaft, Beihilfe und Anstiftung zum Drogenhandel vorgeworfen werden, scheint die Frau das schwächste Glied der Bande gewesen zu sein - gemessen an den Tatvorwürfen. Deshalb wird ihr nur Beihilfe vorgeworfen.

Der Kopf der Bande soll im großen Stil Drogen im europäischen Ausland und auch in den USA über das Internet gekauft haben. Die Ware soll er an die Adressen seiner beiden Bekannten geliefert haben lassen. Dem Mann soll dabei die Aufgabe zugefallen sein, die Ware in Empfang zu nehmen, sie auszupacken und sie dann dem Hauptverdächtigen zu übergeben. So habe er seine Wohnanschrift verschleiern wollen. Während die Frau die Ware angenommen haben und sie gelegentlich auch als Kurierin tätig gewesen sein soll, habe sich der Komplize seine Dienste in Drogen bezahlen lassen, die der Mann, wie er gegenüber der Polizei angab, selbst konsumierte.

Detaillierte Anklageschrift

Den größten Teil der Drogen soll der Hauptverdächtige in Spanien bestellt haben. Da einige Pakete vom Zoll geöffnet und die Drogen so entdeckt worden sind, wird die Polizei daher auch den entscheidenden Hinweis erhalten haben. Jedenfalls listet die Anklageschrift jedes Paket und jeden Deal, den vor allem der Kopf der Bande vollzogen haben soll, minutiös im Zeitraum von August 2020 bis zum 22. Juli 2021 auf. Sogar kleine Mengen wie 0,5 Gramm Heroin, fünf Gramm Marihuana oder eine Flasche Codein-Sprudel habe er persönlich verkauft, wobei er Verkaufsgespräch und Übergabe - meist durch Einwurf in den Briefkasten - fein säuberlich getrennt haben soll. Er habe sogar einen Onlineshop eröffnet und so Abnehmer bundesweit beliefert. Bestellungen über das Internet hätten in Bitcoins bezahlt werden müssen. Als der Mann im Juli 2021 verhaftet wurde, fand die Polizei in seiner Wohnung größere Mengen von Betäubungsmittel, 535 Euro in bar und eine Gaspistole mit vier Gaspatronen. In einem Jahr soll er 46 344 Euro eingenommen haben.

Trio verweigert bislang Aussagen

Da ihnen längere Haftstrafen drohen, verweigerten die drei Angeklagten am ersten Verhandlungstag jede Aussage. Da auch der psychiatrische Gutachter, der vor allem im Hinblick auf eine Drogenabhängigkeit des Bekannten und in diesem Zusammenhang auch über dessen Schuldfähigkeit ein Gutachten anfertigen soll, nicht anwesend war, wird der Prozess am 13. Mai fortgesetzt.

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