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Geplantes Amazon-Verteilzentrum liegt nach Baustopp weiter auf Eis

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Weil ein Gericht einen Baustopp festlegt, liegt das Gelände des teilweise bebauten, aber unfertigen Amazon-Verteilzentrums in Echzell (Wetteraukreis) brach.

Echzell – Tausende Autofahrer kommen täglich an der wohl größten Bauruine der Wetterau vorbei: dem geplanten Verteilzentrum für den Online-Riesen Amazon in Grund-Schwalheim.

Aber: Es tut sich nicht mehr viel an der Kreuzung der B 455 und der L 3188 zwischen Bisses und Unter-Widdersheim. Die vier Hektar große Baustelle ist seit einem Jahr mit hohen Drahtgittern abgesperrt. Dahinter verdorren die Disteln des Vorjahres und wachsen schon neue Stachelpflanzen. Im Empfangscontainer am Eingang hält nur ein einsamer Wasserkocher die Stallwache. Warnschilder am Zaun und mehrere Kameramasten zeugen davon, dass der verlassene Ort unter Fernaufsicht steht.

Die zentrale Halle des geplanten Amazon-Verteizentrums in Echzell (Wetteraukreis) wartet seit einem Jahr auf die Fertigstellung der Längsseiten.
Die zentrale Halle des geplanten Amazon-Verteizentrums in Echzell (Wetteraukreis) wartet seit einem Jahr auf die Fertigstellung der Längsseiten. © Klaus Nissen

Echzell (Wetteraukreis): Neue Materiallieferung für Geplantes Amazon-Verteilzentrum

Vor gut einer Woche brachte ein Lastzug schwere Metallträger auf das Gelände. Es handelt sich wohl um Bestandteile des offenen Parkhauses, das wenige Meter neben dem Weidgraben entstehen soll. Dort beginnt ein tier- und pflanzenreiches Feuchtgebiet, das unter Naturschutz steht.

Man habe die Materiallieferung dem Kreisbauamt gemeldet, berichtet Werner Neumann vom Landesvorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Das sei ja nur eine Anlieferung und keine Verletzung des Baustopps, habe man den Naturschützern in Friedberg geantwortet.

Amazon-Verteilzentrum in Echzell (Wetteraukreis): Gericht bestimmt Baustopp

Seit dem 12. Mai 2021 gilt der Baustopp für das millionenschwere Projekt, das für den Amazon-Konzern vorgesehen ist. Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel verfügte ihn auf Antrag des BUND. Die Richter halten die vom Wetteraukreis schon ausgefertigte Baugenehmigung für unvollständig.

Die Friedberger Baubehörde hat laut Neumann nur vom Schreibtisch aus beurteilt, dass der Logistikstützpunkt keine schlimmen Auswirkungen auf die nebenan liegenden Biotope habe. Deshalb forderten die Kasseler Richter eine komplette Umweltverträglichkeitsprüfung – und die dauert. Der Wetteraukreis konnte vor wenigen Tagen keine Antwort auf die Frage geben, ob er von den Bauherren Regressforderungen erwartet, weil die unvollständige Baugenehmigung Verzögerungen und zusätzliche Kosten hervorrief. Man habe erst mal keinen Handlungsbedarf, heißt es auf Anfrage im Kreishaus. Aber: »Der bestehende Baustopp wird durch den Wetteraukreis geprüft.«

Verteilzentrum in Echzell (Wetteraukreis): Amazon gibt keine Eröffnungsprognose

Anfang 2020 begannen die Arbeiten auf dem Acker neben dem ehemaligen Limes-Kleinkastell »Alter Berg«. Das Industrie-Bauunternehmen Goldbeck baggerte dort im Auftrag der »77. Logimac Logistic Grundbesitz GmbH«, die von der Hamburger Bauträger-Mutterfirma Garbe extra für dieses Projekt gegründet worden war. Dereinst will Garbe die fertige Logistikhalle mitsamt vierstöckigem Parkdeck langfristig an Amazon vermieten.

Kurz nach Baubeginn stockten die Arbeiten schon einmal ein paar Monate. Als es weiterging, verkündete eine Amazon-Sprecherin, man wolle das Verteilzentrum zum Weihnachtsgeschäft 2021 in Betrieb nehmen. Daraus wurde nichts.

Aktuell gab Amazon auf Anfrage dieser Zeitung keine Prognose, wann der Betrieb losgeht. Der Aktienkurs des erfolgverwöhnten Unternehmens steht derzeit arg unter Druck. Der Ehrgeiz von Amazon, in der Wetterau schnell seine erste Niederlassung zu eröffnen, scheint gering.

Die Baustelle des für Amazon vorgesehenen Verteilzentrums in Echzell (Wetteraukreis) liegt brach und ist mit einem Bauzaun abgesichert.
Die Baustelle des für Amazon vorgesehenen Verteilzentrums in Echzell (Wetteraukreis) liegt brach und ist mit einem Bauzaun abgesichert. © Klaus Nissen

Geplantes Amazon-Verteilzentrum in Echzell (Wetteraukreis) hat Potenzial für 120 Arbeitsplätze

Nach bisherigen Plänen sollen etwa 120 Menschen im Grund-Schwalheimer Logistikzentrum im Dreischichtsystem arbeiten. In der 8500 Quadratmeter großen Halle beladen sie dereinst die Sprinter der Auslieferungsfahrer.

Die sollen dann täglich etwa 300-mal die von den Kunden bestellten Waren an die Haustüren bringen. Als Einzugsbereich werden die Städte und Gemeinden in den Kreisen Wetterau, Vogelsberg, Gießen und Main-Kinzig genannt.

Geplantes Amazon-Verteilzentrum in Echzell (Wetteraukreis) nicht das einzige gestoppte Bauvorhaben

Nur etwa fünf Kilometer von der stillgelegten Baustelle in Grund-Schwalheim entfernt liegt bei Berstadt die noch gar nicht begonnene Großbaustelle für das Nachschublager des Rewe-Konzerns. Das vor fünf Jahren gegründete Aktionsbündnis Bodenschutz hat dieses Projekt gestoppt. Mit Unterstützung von Kirchenvertretern, Landwirten und Umweltschützern bewirkte der BUND das gerichtliche Verbot, den als wertvoll eingestuften Ackerboden neben der A 45 abzuschälen.

Der BUND klagte auch dagegen, dass der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main die Ackerfläche zu einem Baugebiet für eine rund zehn Hektar große Lagerhalle umwidmete. Laut Werner Neumann entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im November, ob das Rewe-Großlager gebaut werden darf oder nicht.

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