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Generationenwechsel übersehen

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Von: Oliver Potengowski

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Wieder ein Platz zum Spielen (v. l.): Die Vorstände der Landbank Horlofftal, Ralf Wagner und Volker Schmidt, sowie die Pflanzenzüchterin der Bingenheimer Saatgut AG, Dr. Sarah Brumlop, übergeben Spenden für eine neue Sitzgruppe. Insbesondere Alexander Eberius hat sich bei Bürgermeister Wilfried Mogk für die Wiederherstellung des Spielplatzes ausgesprochen. © Oliver Potengowski

Echzell-Bingenheim (sax). Knapp zwei Jahre hat es gedauert, bis im Baugebiet östlich der Hügelstraße wieder ein Spielplatz gebaut wurde. Erst das hartnäckige Engagement von Alexander Eberius und ein Antrag der Grünen machten der Gemeindeverwaltung bewusst, dass in dem Gebiet inzwischen wieder viele Kinder leben. Durch Spenden wurde der Spielplatz jetzt mit einer Sitzgruppe ergänzt.

Hier wohnen wieder Kinder

Vor rund 50 Jahren war das Baugebiet erschlossen worden. Die Kinder der damaligen Bauherren waren in den vergangenen Jahrzehnten erwachsen geworden. Viele, die in dem Wohngebiet aufgewachsen sind, dürften inzwischen längst selbst Eltern erwachsener Kinder sein. Manche sind schon längst weggezogen. Dass im Zuge dieses Generationenwechsels, der in vielen Baugebieten aus den 1970er Jahren stattgefunden hat, sich auch wieder junge Familien ihren Traum vom Eigenheim verwirklicht haben, blieb in Echzell offenbar lange Zeit unbemerkt.

Im Sommer 2020 wandte sich Eberius an die Wetterauer Zeitung, nachdem er zuvor bei der Gemeindeverwaltung vergeblich versucht hatte, die Wiederherstellung des Spielplatzes »An der Freihub« in dem Wohngebiet zu erreichen. Nachdem dort 2014 die schadhaften Spielgeräte abgebaut worden waren, war das Grundstück weitgehend der Natur überlassen und nur gelegentlich gemäht worden.

Hartnäckig hatte Eberius darauf hingewiesen, dass der Spielplatz erhalten und wieder hergerichtet werden müsse. Schließlich sei er fester Bestandteil der Genehmigung für den Bebauungsplan des Neubaugebiets gewesen. Außerdem wohnten 2020 bereits wieder rund drei Dutzend Kinder in dem Gebiet. Gemeinsam mit betroffenen Eltern protestierte er dagegen, dass es in jedem Ortsteil nur noch einen gut ausgestatteten Spielplatz geben solle.

Gegen ein solches Konzept sprachen sich im September 2020 auch die Grünen mit ihrem Antrag, den Spielplatz wiederherzustellen, aus. »Ein Spielplatz muss fußläufig für Kinder und Eltern erreichbar sein«, begründete Barbara Henrich, warum ein zentraler Spielplatz keine Alternative sei. Dieser sei vielleicht attraktiver, liege aber eineinhalb Kilometer entfernt am Rande des Rieds jenseits einer viel befahrenen Hauptstraße. »Nicht alle Eltern besitzen ein Zweitauto«, mahnte sie.

Obwohl der Antrag einstimmig beschlossen wurde, dauerte es noch fast zwei Jahre, bis auf dem Platz »An der Freihub« wieder Kinder spielen können. Bürgermeister Wilfried Mogk (parteilos) verwies bei einem Ortstermin mit Eberius, den Vorständen der Landbank Horlofftal und einer Vertreterin der Bingenheimer Saatgut AG darauf, dass die Spielgerätehersteller inzwischen deutlich längere Lieferzeiten hätten.

Sitzgruppe dank Spenden

Rund 40 000 Euro hat die Gemeinde nach Mogks Angaben in die Wiederherstellung des Spielplatzes investiert. Durch Spenden der Landbank Horlofftal und die Bingenheimer Saatgut AG konnte noch eine Sitzgruppe angeschafft werden. Eberius bedauerte, dass sich die Grünen nicht mit einer eigenen Spende an dieser Anschaffung beteiligen konnten. Jedoch verbiete das Parteiengesetz solche Spenden.

Mogk lobte das Engagement. »Ich bin froh, wenn die Bürger sich kümmern und sagen: Bürgermeister, mach mal«, bedankte er sich. »Das ist besser, als wenn die Bürger im Hintergrund nur meckern.«

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