myl_FAB_021221_4c_1
+
Die Kochfabrik zieht in die Horlofftalhalle: (v. l.) Kerstin Newman, Klaus Schumacher (beide FAB), Bürgermeister Wilfried Mogk, FAB-Geschäftsführerin Karin Frech und Beigeordneter Dr. Jochen Degkwitz.

Schmackhaftes in der Echzeller Horlofftalhalle

Kartoffelküche kocht mit mit Wetterauer Erdäpfeln

Die gemeinnützige Gesellschaft FAB verlagert nicht nur ihre Kochfabrik in die Horlofftalhalle in Echzell, sondern übernimmt auch den Gastrobereich. Für die Gemeinde ist das ein Gewinn.

Sie ist knäulig und voller Power. Omas kennen zahlreiche Rezepte, Ökotrophologen loben sie, Kinder benötigen nur noch Ketchup dazu. Bald wird die Kartoffel in der Horlofftalhalle in Echzell eine nicht unbedeutende Rolle spielen.

Denn seit gestern ist FAB, das ist die Abkürzung für die gemeinnützige Gesellschaft Frauen Arbeit Bildung aus Friedberg, Pächter des Gastrobereichs und wird dort die Kartoffelküche Wetterau eröffnen.

Es ist ein Konzept, das die Erdäpfel mit sozialen Komponenten garniert. Zugleich könnte es eine langfristige Perspektive für die effiziente Unterhaltung der Immobilie der Gemeinde bieten.

Gewinn für beide Vertragspartner

Bürgermeister Wilfried Mogk, Erster Beigeordneter Dr. Jochen Degkwitz, die FAB-Geschäftsführerin Karin Frech, Projektmanager Klaus Schumacher und Personalreferentin Kerstin Newman stehen in dem ausgeräumten Gastrobereich der Horlofftalhalle.

Die braunen Ränder auf dem Boden zeigen deutlich an, wo ehemals die Theke gestanden hatte. Mit ihrem letzten Pächter wurde die Gemeinde nicht glücklich, erzählt der Rathauschef. Die Verwaltung schrieb die Pacht neu aus und entschied sich unter zahlreichen Bewerbern für FAB.

Es ist eine Win-win-Situation, sind sich beide Vertragspartner einig. Die Gerichte lehnen sich an an den Menüplan der Kochfabrik an. Es ist gleichzeitig die Möglichkeit, andere zu treffen und sich zu unterhalten.

Am Abend und am Wochenende ist der Gastrobereich ebenfalls geöffnet. Hier trifft der Gast auf ein spezielles Essenskonzept: Es gibt Kartoffeln aus der Wetterau.

Regionalität und hoher Bioanteil

Die Knolle hat das Zeug zum friedensstiftenden Element am Tisch, an dem Steak-Liebhaber, Veganer oder auch Flexitarier eine Gemeinsamkeit finden. Ob zum Schnitzel oder zum vegetarischen Gericht, »da können Familien essen gehen, ohne dass ein Mitglied sagt, ich kriege ja nur die Beilage«, sagt Geschäftsführerin Karin Frech.

Regionalität und ein möglichst hoher Bio-Anteil sind das Markenzeichen von FAB. Das Essenskonzept werde bestimmt auch in der Umgebung ankommen, ist sich der Rathauschef sicher. Doch abgesehen von den kulinarischen Vorzügen geht es um wirtschaftliche Sicherheit. »FAB hat einen ganz anderen Ansatz, ist nicht allein umsatzabhängig.

Das Hauptgeschäft läuft über die Großküche«, begründet Mogk. Die Kostendeckung, nicht die Gewinnoptimierung stehen für den gemeinnützigen Bildungsträger oben an. Eine Gaststätte als alleiniges Standbein ist nicht einfach zu bewirtschaften.

Schumacher begründet das mit Zahlen: Durch die Kombination von Mahlzeitendienst und Gastronomie wird die Immobilie 16 bis 18 Stunden am Tag anstatt eben nur acht genutzt. »Das hat eine andere betriebswirtschaftliche Effizienz«, begründet er. FAB wird an dem Standort auch ausbilden, Einweggeschirr wird es nicht geben.

Deutlich höher Messlatte

Die Horlofftalhalle ist etwa 40 Jahre alt. Renovierungsarbeiten, für die beide Vertragspartner investieren, waren dringend erforderlich. An eine Großküche wird durch die Hygienevorschriften die Messlatte deutlich höher angelegt als an ein Restaurant. Die Verhandlungen haben sich, wie Mogk informiert, etwas hingezogen, doch man habe sich geeinigt.

Der Zeitplan sieht vor, dass zum 1. März der Mahlzeitendienst aufgenommen wird, ein beziehungsweise zwei Monate später der Gastrobereich, eventuell mit einem fließenden Übergang. Bei diesen einzelnen Bausteinen muss es nicht bleiben. In der an den Gastrobereich angrenzenden Wohnung könnte sich Karin Frech auch Co-Working-Spaces für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in ihrem Zuhause keine Möglichkeiten für ein Büro haben, vorstellen.

Kegelbahn kann reaktiviert werden

Im Haus ist noch eine Kegelbahn, die von der Gemeinde reaktiviert werden könnte. Mogk blickt auf den Platz vor der Halle. Zwischen dem Funpark und Spielplatz soll vor der Landesgartenschau ein Mehrgenerationenplatz entstehen, zugleich ist der Bedarf an Wohnmobilstellplätzen (es sind momentan drei) groß und ruft nach einer Erweiterung. Bis 2023 soll in Echzell flächendeckend Glasfaser liegen. »Das passt alles gut zusammen«, findet Mogk.

Kommt alles zum Tragen, steht die Horlofftalhalle vor einer Belebung, die Infrastruktur der Gemeinde würde einen Schub erhalten. Die Anwesenden tauschen noch weitere Rezepte und Geschichten rund um die Kartoffel aus. Die Knolle schmeckt nicht nur, sondern bringt offenbar auch einiges ins Rollen.

1500 frische Mahlzeiten täglich

Mehrere Gründe haben dem Echzeller Gemeindevorstand die Entscheidung für FAB erleichtert, berichtet Bürgermeister Wilfried Mogk. Die Gesellschaft bietet nicht nur den Mahlzeitendienst an. Das bedeutet, im Durchschnitt werden in ihrer Küche, der Kochfabrik, bei normalem Betrieb rund 1500 Mahlzeiten täglich frisch zubereitet und an Kindergärten oder Grundschulen ausgeliefert.

In Echzell wird neben Büdingen eine neue Großküche entstehen und etwa 600 Essen zum Ausliefern frisch gekocht. Zudem gibt es einen Mittagstisch im Gastrobereich, der sich für Senioren, Berufstätige, Alleinstehende, Gäste mit dem Wohnmobil oder einfach nur Eilige anbietet.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare