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So einfach und so gut

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Von: Marc Stephan

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Auch Nils Hartwig am Tenorsax bietet ein improvisiertes Solo. Neben ihm Harald Möbus, hinter ihm (v. l.) Udo Beilborn, Alex Friedrich und Michael Bauer. Die Freude am Jazz merkt man den »New Orleans Joymakers« an. © Marc Stephan

Echzell (arc). Die Zeit des Darbens ist vorbei, so war das verbindende Gefühl im »Deutschen Haus«, als dort die Combo »New Orleans Joymakers« aus Frankfurt aufspielte. Im gedämmten Licht und nahe beim Publikum fehlte eigentlich nur noch der dichte Rauch im Lokal, um die Atmosphäre abzurunden.

Die Jazz-Standards wie »All of me« oder »Take the A-Train« waren dem kleinen, aber fachkundigen Publikum bekannt, sodass Udo Beilborn (Schlagzeug) eigentlich auf seine Ansagen hätte verzichten können, wie er aus auch anfangs versprach. Doch wer ihn kennt weiß, dass das nicht lange klappt, und so sagte Beilborn die Stücke dann doch auf seine doppelbödige Art und Weise an.

Ohne Notenblätter, nur auf Zuruf

Dabei sparte der Echzeller nicht mit seinen Späßen wie auch beim Vorstellen der einzelnen Musiker. So etwa, dass etwa Bassist Michael Bauer aus Wölfersheim das lange Stehen schon aus seiner Schulzeit als »Eckensteher« gewöhnt sei oder dass Trompeter Harald Möbus aus Frankfurt aus Prinzip nicht aufstehe, nur weil Beilborn es verlange, während mit Saxofonist Nils Hartwig aus Gießen mit Sicherheit aufstehe, weil er es brauche. Dabei war gerade Hartwig Ruhe und Zurückhaltung in Person. Alex Friedrich an Banjo und Tenorgitarre habe in Rödermark einen Laden, weshalb Beilborn in dessen Namen gleich Einkaufsgutscheine verteilen wollte. Mittelpunkt des Abends blieb aber ohne Frage die amerikanische Unterhaltungsmusik der 1920er bis Anfang 1940er Jahre. Notenblätter brauchten die erfahrenen Bandmusiker nicht oder nur als grobe Anhaltspunkte. Der Titel des nächsten Stückes mit der gewünschten Tonart auf Zuruf und los ging es. So einfach und so gut ohne großen Aufwand, einfach nur Musik von Hand gemacht.

Wie zu jedem Jazzabend gehörten natürlich auch im »Deutschen Haus« die Solo-Improvisationen zu den Höhepunkten. Verschiedene Musiker spielen dabei ein gerade ausgedachtes Solo zum aktuellen Stück; sie spielen, was sie in diesem Moment fühlen. Ist eines dieser Soli zu Ende, klatscht das erfahrene Publikum, wie auch am Samstag bei den »New Orleans Joymakers«. So entsteht ein kleiner Wettbewerb zwischen den Solisten, wer den größten Applaus für seine Improvisation einheimst. Dass ein Solo auch auf einem Minimal-Schlagzeug, einem Banjo oder Kontrabass möglich ist, bewiesen das Quintett mit großer Leichtigkeit.

Ein festes Programm oder große Vorbereitungen für den Abend gab es dementsprechend nicht. »›Packt mal an Noten ein, was ihr so findet‹, war abgemacht«, sagte Beilborn und rief zum Publikum: »Trinkt ordentlich, die Gastronomie musste zwei Jahre darben!« Das Darben war nun zu Ende, gastronomisch und musikalisch.

Das »Deutsche Haus« in Echzell plane im Laufe des Jahres sporadisch weitere kleine musikalische Events, die sich nicht nur auf Jazz beschränken sollen, kündigte Beilborn an.

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