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Von der Pflege ins Handwerk

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Von: Dagmar Bertram

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Stefanie Stolz mit Alexander Repp, ihrem neuen Chef. Die 35-Jährige schult zur Metallbauerin um: »Ich möchte etwas erschaffen, an dem ich mit Freude vorbeifahren kann.« © Red

Echzell (dab). »Man muss für den Beruf geboren sein«, sagt Stefanie Stolz. Sie selbst war es nicht. Nach 15 Jahren in der Pflege konnte und wollte sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Sie sagt, sie sei zu sensibel dafür gewesen, habe die Erlebnisse mit nach Hause genommen. Vor allem die Arbeit in der Onkologie habe sie mitgenommen. »Die Menschen, die gestorben sind, wurden immer jünger« - das war der Punkt, an dem sie ausstieg.

Eine Woche Probearbeiten

Bis sie wieder ins Berufsleben einsteigen konnte, dauerte es eine Weile. Nun aber hat die 35-Jährige aus Hungen-Langd offenbar das gefunden, was zu ihr passt: Sie macht seit Anfang April eine Umschulung zur Metallbauerin bei der Firma Repp in Echzell. Tatsächlich hätte sie gerne schon viel früher, nach der Schule, eine Ausbildung zur Metallbauerin gemacht. Nur damals, sagt sie, sei das noch kein Beruf gewesen, der für junge Frauen infrage gekommen wäre. Zum Glück ist das inzwischen anders.

Stefanie Stolz strahlt, wenn sie erzählt, warum sie sich fürs Handwerk entschieden hat: »Ich möchte etwas erschaffen, an dem ich später mit Freude vorbeifahren kann.« Die Handwerkskammer hatte sie auf den Ausbildungsbetrieb in Echzell aufmerksam gemacht. Von den 31 Mitarbeitern der Firma Repp sind zwei in der Ausbildung, hinzu kommen ein Jahrespraktikant sowie Umschülerin Stolz. Im neuen Lehrjahr sollen zwei weitere Azubis angestellt werden, sagt Alexander Repp.

Stefanie Stolz machte zunächst eine Woche Praktikum in dem Echzeller Betrieb, bevor beide Seiten sich füreinander entschieden. »Mir war am ersten Tag klar, dass es das Richtige ist«, sagt Stolz. Völlig unbekannt war ihr der Beruf ohnehin nicht: Auch ihr Vater arbeitet als Schlosser und Metallbauer. Doch auch ohne diese Vorkenntnisse wäre es für Alexander Repp keine Frage gewesen, der 35-Jährigen eine Chance zu geben: Wer engagiert ist, hat bei ihm gute Karten.

Natürlich habe sie Bedenken wegen ihres Alters gehabt, sagt Stolz, die anderen Azubis seien schließlich viel jünger als sie. »Aber wie sagt man so schön: Für einen Neustart ist man nie zu alt.« Schon nach der kurzen Zeit bei Repps sei ihr klar: »Ich will das, und ich ziehe das durch.«

Fachbücher statt Romane

Dafür muss sie sich ganz schön ins Zeug legen, denn es gilt, den Berufsschulstoff der vergangenen Monate nachzuholen. »Meine Gute-Nacht-Lektüren sind zurzeit keine Romane, sondern Fachbücher«, sagt Stolz und lacht. Ohne den Rückhalt ihrer Familie würde es bei allem Ehrgeiz aber nicht gehen, betont sie. Denn noch ist unklar, ob die Umschulung als Weiterbildungsmaßnahme von der Arbeitsagentur akzeptiert und bezuschusst wird.

Unterstützung bekommt sie aber auch von ihren Kollegen in Echzell. Dass sie eine von nur zwei Frauen in der Werkstatt sei, mache dabei keinerlei Unterschied, wie sie betont: Jeder stehe ihr mit Rat und Tat zur Seite.

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