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»Ein bisschen Kättl steckt in mir«

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Von: Kim Luisa Engel

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Dutt, Brille, rote Wangen: So kennen die Fans Kättl Feierdaach. Doch wie viel von der Frau hinter dem Kostüm, Jutta Hinderberger, steckt in der Kunstfigur? © pv

Dutt, Brille, rote Wangen: So kennen Fans die Pfälzerin Kättl Feierdaach, die Kunstfigur von Jutta Hinderberger. Hier ist sie aus der hessischen Fassenacht bekannt. Jetzt feiert sie ihr doppeltes Bühnenjubiläum und eine Premiere: Morgen ist sie erstmals am Theater im Park in Bad Nauheim zu Gast. Worum geht es in ihrem neuen Programm, und wie viel Jutta steckt in Kättl?

Morgen sind Sie erstmals im Theater am Park zu Gast. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Natürlich auf das Publikum, und darauf, dass ich ein neues Theater bespielen darf. Das ist aber auch immer eine Herausforderung: Trifft man da den Nerv?

Sie treten viel beim Fasching auf. Wie haben Sie die letzten zwei Jahre mit Corona erlebt?

Es ist, als wären die Jahre gar nicht da gewesen. Ich hatte sehr viele Termine, einer nach dem anderen ist abgesagt worden. Es war überhaupt nichts, das hat mich in ein Loch geschmissen. Dann ist alles andere auch ausgefallen, Theater und so. Termine wurden ständig verschoben.

Wie sind Sie als Künstlerin damit umgegangen?

Letztes Frühjahr habe ich angefangen, kleine Videos von drei Minuten Länge zu drehen. Da bekomme ich sehr viel Rückmeldung. Eine Dame hat sich dafür bedankt, nach zwei Jahren habe sie ihr Lachen wiedergefunden. So etwas trägt einen. Auch dieses Jahr wäre ich an Fasching ausgebucht gewesen, aber ich war nicht mehr ganz so blauäugig. Die Absagen haben mich deshalb nicht kalt erwischt oder deprimiert.

Ist denn alles ausgefallen?

Einen Auftritt hatte ich im Februar in Dortelweil, das war toll. Ich habe in den Saal geschaut, und alle waren so toll maskiert. Man hat richtig gemerkt: Die haben darauf gewartet.

Nun ist die Lage in anderer Weise angespannt, wegen des Kriegs in der Ukraine.

Ich habe mit diversen Veranstaltern, gerade von der Fastnacht, gesprochen und gesagt: Ich kann verstehen, wenn ihr absagen wollt. Aber man muss auch immer beide Seiten sehen: Wie lange kann ein Theater oder Verein überleben? Im Hinterkopf habe ich schon die Frage: Kann ich das machen? Aber soll dieser Narzisst denn gerade alles bestimmen? Es ist schwer.

Eigentlich hätten Sie 2021 Ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert...

Ja, es ist sogar ein doppeltes Jubiläum: 20 Jahre Fastnacht und zehn Jahre Comedy. Als ich das erste Mal Comedy gemacht habe, waren noch andere dabei. Danach wurde mir gesagt: Kättl muss alleine auf die Bühne. Mittlerweile nehmen die Leute mir das ab. Florian Simbeck von »Erkan und Stefan« hat mich mal gefragt, ob ich es nicht bereue, so spät angefangen zu haben. Ich war ja schon über fünfzig.

Was haben Sie darauf geantwortet?

Nein. Sonst hätte ich nicht die Kättl Feierdaach spielen können, die sie ist. Ich bin das jetzt, sozusagen. Das war genau der richtige Zeitpunkt, ich habe die Reife gehabt, die Figur so zu spielen.

Sie haben mal gesagt: »Kättl und ich könnten eineiige Zwillinge sein.« Wie meinen Sie das?

Ich bin ein bisschen so, wie sie. Natürlich habe ich als Comedian gelernt, Situationen auszuschmücken. Aber als Jutta erlebe ich die Dinge, als Kättl erzähle ich sie in meinem Programm. Was ich mit meinem Mann, meinen Enkeln oder in der Reha erlebt habe. Ich sage immer: Entweder habe ich einen teuren Psychiater, oder ich erzähle es auf der Bühne. Nach zehn Jahren Comedy sehe und erlebe ich etwas und stelle es mir gleich als Kättl vor.

Wie viel von Kättl steckt in Jutta und andersherum? Oder kann man das nicht trennen?

Das kann man eigentlich nicht trennen. Privat, wenn ich zum Beispiel irgendwo bin, schlüpfe ich spontan in die Rolle der Kättl. In anderen Situationen kann ich ganz ernsthaft antworten und alle lachen sich kaputt. Ich bin sie dann einfach ( lacht ). Vielleicht habe ich sie schon immer in mir gehabt und jetzt erst gefunden.

Sie führen morgen Ihr fünftes Programm auf. Worum geht es?

Kättl nimmt Pakete für die ganze Straße entgegen. Es geht ein Gerücht rum, dass sie hineinschaut. Das kann sie natürlich überhaupt nicht verstehen. Sie spricht mit Freundin Hannelore, die keinen Mann, aber einen Putzfimmel hat. Sie geht auch mit ihrem Mann Hosen kaufen, das möchten die nie. Ich erzähle nur alltägliche Dinge. Kättl ist naiv, denkt immer, sie weiß alles. Hat eine Freundin, für die sie auch alles regeln will. Über ihren Mann sagt sie, er mache nichts, dabei hält er sich nur zurück, weil er weiß, dass sie sowieso meckert.

Die Dynamik zwischen Mann und Frau spielt also eine große Rolle?

Was ich immer erlebe, egal wo ich gespielt habe, ist: Wenn erzähle, gehen bei den Frauen die Ellenbogen rüber, oder sie zeigen mit den Daumen auf ihre Männer. Das ist immer schön, es sitzen Leute im Publikum, die das kennen. Ich brauche es nicht auszusprechen, da fangen sie schon an zu lachen.

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