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Ein Brief aus Polen

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Von: red Redaktion

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Nidda (det). Auch Hilfe in aktuellen Notlagen ist eine Seite der Verschwisterungsarbeit: Die Vorsitzende des Verschwisterungsvereins Nidda, Petra Becker, berichtet von regelmäßigen Zoom-Meetings mit Vorständen der Verschwisterungsvereine Crest (Frankreich), Cromer (England), Medvode (Slowenien), Ponte San Nicolo (Italien) und Dobra (Polen). Von der polnischen Dialogpartnerin Monika Karcz kamen so erschütternde Berichte über die Not der Ukraine-Flüchtlinge, dass sich der Niddaer Verschwisterungsverein zu einer Hilfsaktion entschloss.

Der Brief von Monika Karcz soll hier gekürzt wiedergegeben werden, weil er die Notsituation so deutlich zeigt:

»Liebe Petra, vielen Dank für Ihre Solidarität und Bereitschaft, unsere Einwohner und Flüchtlinge aus der Ukraine zu unterstützen.

Die Situation ist erschreckend. In Szczecin (Provinzstadt) haben wir derzeit 20 000 Besucher jeden Tag. Zwei Millionen Ukrainer sind bereits in Polen angekommen. Geflüchtete - hauptsächlich Frauen mit Kindern - können wir leider nur nach Meldung an das Amt auf einer speziellen Website aufnehmen.

Meine Familie und ich haben am 24. Februar unsere Bereitschaft gemeldet, zwei Personen aus der Ukraine aufzunehmen, aber wir erhielten zunächst keine Informationen. Dann ging es über den »kurzen Draht«: Ich ging zum Bahnhof, um die notwendigen Dinge für Mütter und Kinder zu holen, hinterließ dort meine Telefonnummer und bot ein Zimmer für zwei Personen an. Das hörte Oksana, die am 24. Februar mit ihrer Tochter Sofia (13) nach Polen kam und als Freiwillige am Bahnhof arbeitete. Jetzt sind Oksana und Sofia bei mir zu Hause, ich habe sie vom Bahnhof abgeholt. Gestern kam ihre Schwiegertochter Wiki (25) mit ihrer Enkelin Darinka (5) aus der Ukraine nach einer Anreise von 28 Stunden. Ebenso kam Wikis Mutter mit ihrem 16-jährigen Sohn und brauchte eine Wohnmöglichkeit. Die Wohnung für Wiki, ihre Tochter und Mutter mit ihrem Sohn wurde von unserer Nachbarin vorgeschlagen. Das zeigt: Wir Bürgerinnen und Bürger müssen alles selbst organisieren. Aber viele Menschen unserer Stadt und unseres Landes sind voll Herzlichkeit und Mitgefühl. So kann jetzt die geflüchtete Familie um Oksana nah beieinander und etwas zur Ruhe kommen. Die Jugendliche Sofia lächelt schon, denn in den ersten Tagen war sie sehr traurig, sie saß allein im Zimmer oder schlief. Oksana will sehr gerne arbeiten, sie kocht jeden Tag, um den Krieg zu vergessen. Im Haus unseres Freundes wird sie mit einer Putzstelle einen kleinen Verdienst haben. Sie weint, weil ihr Sohn und ihr Mann in der Ukraine geblieben sind. Sofia geht am Montag zur Schule. Wir helfen, wo wir können, um den Geflüchteten ein Stück normales Leben zu bieten.

Leider ist unsere Bürokratie schwerfällig. Zwar wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Ukrainern ermöglicht, kostenlose Transportmittel und Gesundheitsversorgung zu nutzen, ihre Kinder in der Schule und sich beim Amt anmelden. Aber ohne die niedrigschwellige Hilfe der Bürgerinnen und Bürger ginge es gar nicht. Ich bin wirklich stolz darauf, dass es ausreicht, zwei oder drei Personen anzurufen, um Hilfe, Unterkunft und Transport zu organisieren, sogar vom anderen Ende Polens.

Auch die Deutschen hier an der deutsch-polnischen Grenze engagieren sich sehr, nehmen Geflüchtete auf. Leider gab es gestern an der Grenze auch deutsche Demonstrationen mit den Flaggen Russlands und Deutschlands, um die Aktionen von Putin und der russischen Armee zu unterstützen. Wir wissen, dass dies Provokationen einer Minderheit sind, aber es tut uns leid, weil wir jeden Tag das Ausmaß des Unglücks sehen.

Wir danken Ihnen im Namen der Ukrainer für alles: unterstützende Worte, materielle oder finanzielle Hilfe. Wir sind stolz, in Europa zu sein und so viele Freunde zu haben, die uns zeigen, wie sehr wir alle einander brauchen und wie stark die Gemeinschaft dadurch ist.

Vielen Dank und beste Grüße, Monika«

So bittet der Verschwisterungsverein Nidda um Unterstützung für die Hilfeleistungen in Dobra. Persönliche Kontakte bestehen schon lange. Besucher aus Dobra kamen zum 50-jährigen Verschwisterungsjubiläum, zu den »Festen der Kulturen«. Die Niddaer Vorsitzende Petra Becker: »Die Spenden auf unser Konto gehen direkt weiter an die Feuerwehr in Dobra, die Träger vieler Hilfsmaßnahmen für die ukrainischen Flüchtlinge ist. Angesichts der großen Not hoffen wir auf viel Unterstützung«.

Es wird gebeten, Spenden mit dem Vermerk »Ukraineflüchtlinge FFW Dobra« auf die Konten VR Bank Main Kinzig-Büdingen eG; IBAN: DE98 5066 1639 0001 5469 10 oder Sparkasse Oberhessen; IBAN: DE80 5185 0079 0151 0005 68 zu überweisen. Als eingetragener Verein kann der Verschwisterungsverein Nidda Spendenbescheinigungen ausstellen.

Es sollte auf der Überweisung »Spende Ukraineflüchtlinge FFW Dobra« stehen.

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