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Ein Feiertag fürs Stöffche - Christoph Walther aus Vonhausen startet Petition

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Alles fürs Stöffche. In Sachen Apfelwein macht Christoph Walther niemand was vor. Jetzt regt er sogar einen hessischen Apfelwein-Feiertag an. © pv

Das wäre was. Ein Feiertag für das hessische Nationalgetränk, den Apfelwein. Christoph Walther, Spitzname »Bembel«, aus Vonhausen hat deshalb eine Online-Petition gestartet.

Was klingt wie eine typische Sommerloch-Geschichte, ist durchaus ernst gemeint. Christoph Walther hat auf der Internet-Plattform change.org eine Petition gestartet, damit der 3. Juni, seit 2013 Welt-Apfelwein-Tag, ein hessischer Feiertag wird.

E in bisschen verrückt ist das schon, gibt der 35 Jahre alte Bürokaufmann aus Vonhausen zu. Andererseits sei das Thema Apfelwein von der Streuobstwiese über den Rohstoff bis zum fertigen Stöffche im Gerippte eine »gelebte Kultur, die wunderschön ist«, findet er. Und die gewürdigt werden müsse. Am besten mit einem arbeitsfreien Tag.

Den Welt-Apfelwein-Tag am 3. Juni zelebriere er jedes Jahr, verrät Walther. Allerdings muss er dafür Urlaub nehmen. Wäre doch viel schöner, wenn das ein Feiertag wäre, schließlich hätten die Hessen in Deutschland sowieso mit die wenigsten Feiertage im Jahr. Also sammelt er seit zwei Wochen im Internet Unterschriften für einen Apfelwein-Feiertag.

Über einen solchen hätte der hessische Landtag als Gesetzgeber zu entscheiden. Allerdings ist diese Petition für das Landesparlament zunächst überhaupt nicht relevant. »Die auf privaten Plattformen angestoßenen Petitionen und gesammelten Unterschriften entfalten für den hessischen Landtag keine unmittelbare Wirkung und werden im Übrigen von dort auch nicht an den Landtag weitergeleitet«, antwortet die Pressestelle des Landtages auf Anfrage dieser Zeitung. Wichtig sei, dass eine Petition beim Petitionsausschuss des hessischen Landtages eingereicht werde. Die Petition müsse ein konkretes Anliegen erkennen lassen, den Namen und die Adresse des Einsenders enthalten und unterzeichnet sein. Eine einzige Unterschrift sei dafür ausreichend.

Christoph Walthers Online-Petition läuft zunächst noch weiter. Ob sein Begehren es nun in den Landtag schafft oder nicht - gelungen ist ihm auf jeden Fall eine originelle Werbung für das hessische Nationalgetränk. Ein Radio-Interview mit Thomas Koschwitz auf HR1 hat dem Anliegen in dieser Woche einen ordentlichen Schub verpasst. Bis Mittwochabend hatten 1042 Menschen die Petition unterzeichnet.

J eder sollte Apfelwein mindestens einmal probiert haben, findet Walther, der Neulingen gerne einen Schoppen »aufschwätzt«. Ob sortenrein oder gemischt, die Vielfalt sei riesig, das Geschmackserlebnis intensiv. Außerdem gebe es nicht nur hessischen Apfelwein, sondern auch Cidre, Most oder Cider.

Der perfekte

Apfelwein

Er selbst hat als Jugendlicher beim Opa in Vonhausen, wo er aufgewachsen ist, zum ersten Mal am Apfelwein genippt. Allerdings sollte es noch dauern, bis dieser sein »absolutes Lieblingsgetränk« unter den alkoholhaltigen wurde. »Heute trinke ich überhaupt kein Bier mehr. Wenn ich auf Reisen bin, suche ich nach Kneipen, die Apfelwein ausschenken. Die kann man nämlich fast überall finden.« Was macht für ihn den perfekten Apfelwein aus? »Er muss schmecken. Einen ausgewogenen Mix aus sauer und fruchtig mag ich am liebsten.«

Auf Social Media wirbt der 35-Jährige kräftig für seine Sache. Seine Facebook-Seite (facebook.com/bembelufftour) hat mittlerweile 6800 »Gefällt mir«-Angaben. Dort veröffentlicht er Gewinnspiele, zum Beispiel am Welt-Apfelwein-Tag, und kürt den Apfelwein des Monats. Auf seiner Homepage »Bembel uff Tour« (bembelufftour.de) findet man Umfragen, einen Veranstaltungskalender und viele Rezepte rund um den Apfelwein.

Auf dieser Seite berichtet Walther auch, wie er zu seinem Spitznamen »Bembel« kam. Den hat er aus Berlin mitgebracht, wo er vor ein paar Jahren eine Freundin besuchte. Sein Mitbringsel: ein Bembel mit der Aufschrift »Bembel meets Berlin«. Selbigen Spruch trug er auch auf seinem T-Shirt, woraufhin ihn jemand mit »Bembel« ansprach. Dabei ist’s geblieben.

Träumen

von der Krone

Wenn er nicht in Sachen Apfelwein unterwegs ist, engagiert sich Christoph Walther in seinem Heimatort in der Feuerwehr und in der Kommunalpolitik als stellvertretender Ortsvorsteher. Außerdem ist er Mitglied im örtlichen Obst- und Gartenbauverein sowie in zahlreichen anderen Vereinen, die irgendetwas mit Äpfeln und Apfelwein zu tun haben.

Sein Traum: einmal als Bundesäppelwoi-König gekrönt werden. Außerdem möchte Walther Apfelwein-Sommelier werden. Das Geld für das Seminar hat er bei einem Radio-Gewinnspiel gewonnen. Aber dann grätschte die Corona-Pandemie dazwischen. »Und irgendwann werde ich hoffentlich eine eigene Streuobstwiese haben.« INFO: Die Mitglieder des Verbandes der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien haben den Welt-Apfelwein-Tag 2013 ins Leben gerufen. »Apfelwein ist Kult, in vielen Ländern der Welt«, heißt es auf der Internetseite weltapfelweintag.de. In der Tat wird Apfelwein nicht nur in Hessen getrunken, sondern es gibt ihn als »Cider« auch in englischsprachigen Ländern, als »Cidre« in Frankreich, als »Sidra« in Spanien und Portugal und als »Vino de mele« oder »Sidro« in Italien. Sogar die Chinesen kennen das Stöffche. Dort heißt es »Píngguojiu«. Liebhaber auf der ganzen Welt zusammenzuführen und für die Vielfalt des Getränkes zu werben, ist die Intention hinter dem Welt-Apfelwein-Tag.

Unterstützt wird die Aktion von Apfelweinwirtschaften, Szenelokalen, Restaurants, der Vereinigung der Frankfurter Apfelweinwirte sowie von der Naturschutz-Akademie Hessen und der Marketinggesellschaft »Gutes aus Hessen«.

Christoph Walthers Petition findet man im Internet unter https://chng.it/ZWgNBNmR. VON JUDITH SEIPEL

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