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Ein ganz normaler Junge: So lebt Paul Körner aus Busenborn mit einer transplantierten Leber

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Geschenkte Lebensjahre dank einer Organtransplantation: Vor zehn Jahren hat Paul Körner aus Busenborn eine neue Leber erhalten. © Stefan Weil

Paul Körner ist ein ganz normaler Junge. In der vierten Klasse hat er gute Noten. Jetzt wechselt er auf die Gesamtschule. Doch der Zehnjährige aus Busenborn hat eine schwere Zeit hinter sich.

Im Alter von neun Monaten musste Paul Körner eine Lebertransplantation überstehen. Gallengangatresie heißt eine schwere Erkrankung, die nur bei Neugeborenen auftritt und durch die die Gallenwege verschlossen sind. Die genaue Ursache ist unbekannt, wahrscheinlich ein Geburtsfehler. Die Folgen sind dramatisch: Einziger Ausweg, das Leben des kleinen Pauls zu retten, war damals eine Transplantation. Die Medizinische Hochschule in Hannover, ein Zentrum für solche Spezialbehandlungen, nahm sich dieser Aufgabe an.

Organspende macht’s möglich

Bei der Operation handelte es sich um eine Lebendorganspende. Dabei wird ein Stück des Organs aus einem erwachsenen Körper herausgeschnitten und verpflanzt. Daniel Bernhardt, der Bruder von Mutter Alice, stellte sich dafür zur Verfügung. »Wir sind ihm unendlich dankbar«, sagen Alice und ihr Mann Frank Körner. Bei dem Spender sind nach dem schweren Eingriff keine Nachwirkungen zurückgeblieben. Eine gesunde Leber wächst nach, die frühere Funktionsfähigkeit ist wieder voll hergestellt.

Für den kleinen Paul war die Transplantation lebensrettend. »Es ist unglaublich, was die Ärzte geleistet haben«, sagt sein Vater. Paul hat sich gut erholt, war aber in seiner Entwicklung etwas gebremst und musste gegenüber Gleichaltrigen immer ein wenig aufholen«, schildert seine Mutter.

Alice und Frank Körner wollen ihrem Sohn ein möglichst normales Leben ermöglichen. »Zurückziehen und verstecken kommt nicht in Frage.« Paul besuchte die Kita in Eschenrod, vor knapp vier Jahren begann für ihn der Alltag als Erstklässler in der Grundschule Schotten. »Uns war wichtig, dass Paul begreift, dass er eigentlich ein ganz normaler Junge ist, nur dass er eine gesundheitliche Einschränkung hat«, betonAlice Körner. Allerdings - so sagen sie im gleichen Atemzug - geht das nur mit entsprechender Unterstützung. Die hat Paul bereits in der Kita erlebt mit der jederzeit verständnisvollen und umsichtigen Betreuung der Erzieherinnen. Und das hat sich in der Schule fortgesetzt, wo Leiter Andreas Göbel und die Pädagogen sich sehr um Pauls Wohl gekümmert haben.

Der Junge muss gut auf Hygiene achten. Ständiges Händewaschen und Desinfizieren sind Pflicht. Auch eine eigene Toilette steht ihm zur Verfügung. Unterstützt wird Paul in der Grundschule von einer Alltagsbegleiterin,. Er hat mit Allergien Probleme, vor allem aber muss er pünktlich seine Medikamente nehmen, damit sein Körper das eingepflanzte Organ nicht abstößt. Sein Leben lang. Die Tabletten haben andererseits starke Nebenwirkungen, die wiederum seine Leber schädigen. Die Wahrscheinlichkeit, in vielleicht 20 Jahren eine weitere Transplantation über sich ergehen lassen zu müssen, ist groß. Dreimal am Tag muss Paul Körner Medikamente einnehmen. Dazu kommt die wichtigste Tablette, ein spezielles Immunpräparat. Die kann er nur im nüchternen Zustand zu sich nehmen.

Das ist an Schultagen bereits um 5.30 Uhr in der Früh, sonst wird der Abstand zum Frühstück vor der Schule zu kurz. »Die anderen Eltern und die Kinder in seiner Klasse haben viel Rücksicht auf die besondere Situation von Paul genommen. Sie waren immer darauf bedacht, dass er sich nichts einfängt«, loben Alice und Frank Körner. Auch der Cateringbetrieb, der die Schule mit Essen versorgt, ist stets auf die Wünsche der Familie eingegangen und hat manche Gerichte individuell für Paul zubereitet. So eine Unterstützung ist nicht überall der Fall, wie sie von Bekannten gehört haben, die ebenfalls von einer Lebertransplantation betroffen sind, sagen die Körners. »Die waren erstaunt über unsere Schilderungen, wie gut es in Kita und Schule gelaufen ist.«

Paul Körner kann Sport treiben, genau wie andere Kinder auch. Mit Begeisterung spielt er Tischtennis. »Auch Judo bereitet ihm Freude, obwohl die Ärzte in Hannover dem nur mit einigen Bedenken zugestimmt haben. Coronabedingt hat der Junge damit jetzt aufgehört«, sagt sein Vater. Paul wird auch oft zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Auch dabei werden ihm Verständnis und Rücksicht entgegengebracht.

Auswirkungen der Pandemie

Ein ernstes Problem ist die Pandemie. »Das hat uns große Angst gemacht«, sagt Frank Körner. »Wir sind die ersten Wochen gar nicht rausgegangen, um jedes Risiko einer Ansteckung zu vermeiden.« Alice Körner konnte ihren Sohn zu Hause betreuen. »Mein Arbeitgeber hat mich dafür freigestellt, ich habe sogar weiterhin meinen Lohn bekommen.« Im vergangenen März hat es die Familie dann doch erwischt. Zuerst die Mutter, dann Paul, der zu diesem Zeitpunkt schon zweimal geimpft war. »Er hat zum Glück nur einen Schnupfen gehabt und war etwas müde.«

Nicht öfter krank als andere Kinder

Generell sind die Eltern zufrieden mit dem körperlichen Zustand und der Gesundheit von Paul. Er ist nicht öfter krank als andere Kinder. Die Genesung dauert meist etwas länger. »Paul hat alles gut weggesteckt«, sagt die Mutter. »Wir werden auch besonders von der Krankenkasse unterstützt.« So kann Paul demnächst in einer österreichischen Rehaklinik für transplantierte Jugendliche an einer Kur teilnehmen. Dabei wird auch die selbstständige Einnahme der so wichtigen Medikamente geübt.

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