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Ein gutes Jahr für die Wespe

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Von: Sophie Röder

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Kein Stachel in Sicht: Obwohl er oftmals gefürchtet ist, holt auch die Wespe ihren Stachel nur dann hervor, wenn sie sich bedroht fühlt. SYMBOLBILD: MURO/PANTHERMEDIA © Red

Kaum einer mag sie, vielen gilt sie als Schädling: die Wespe. In diesem Sommer gibt es augenscheinlich mehr als sonst. Doch mit dem richtigen Verhalten kann man einen Stich vermeiden. Zudem sind nicht alle Arten aggressiv.

Beim Essen auf dem Balkon oder der Terrasse gibt es oft einen ungebetenen Gast: Die Wespe. Zu dieser Jahreszeit nichts Ungewöhnliches. Doch so viele wie in diesem Sommer sind es sonst nicht, oder? »Es gibt in diesem Jahr viele Wespen. Die Witterung im Frühjahr war günstig«, bestätigt Thomas Steinke vom Kreisverband Vogelsberg des Naturschutzbunds (NABU). »So konnte sich die Vegetation gut entwickeln. Durch die Trockenheit reift alles sehr früh. Es ist ein günstiges Jahr für Wespen.«

Damit kein Stich droht, hilft das richtige Verhalten. Steinke: »Es ist ganz wichtig, nicht in Panik zu verfallen. Wenn sie auf einen zufliegt, soll man nicht danach schlagen. Das macht die Wespe aggressiv.« Sie anzuhauchen, um sie zu vertreiben, ist ebenfalls keine gute Idee. Das ausgestoßene CO2 signalisiere ihr eine erhöhte Gefahr.

Mehr Einsätze wegen Nestern

Ann-Katrin Müller von der Unteren Naturschutzbehörde ergänzt: »Sollte sich ein Tier unter die Kleidung verirren, muss es unbedingt vorsichtig befreit werden. Wenn Wespen gedrückt oder gequetscht werden, fühlen sie sich bedroht und können zur Abwehr stechen.« Ein anderes Problem liegt vor, wenn nicht eine einzelne Wespe in der Umgebung ist, sondern ein Volk. Nicht selten passiert es, dass die Insekten ihr Nest im Rollladenkasten oder an einer anderen Stelle des Wohnhauses ansiedeln. »Es kommt darauf an, wo sich das Nest befindet. Wenn möglich, sollte man es da lassen«, sagt Steinke. Die Wespen bleiben nur für eine Saison. »Mit dem ersten Frost sterben fast alle ab. Nur die jungen Königinnen, die derzeit schlüpfen, überwintern.«

Im Umgang mit einem Wespennest sei es wichtig, stets einen Abstand von zwei bis drei Metern einzuhalten. »Außerdem sollte man schauen, wo die Flugbahn der Wespen zu ihrem Nest lang führt. Dort sollte man möglichst nicht entlang laufen.« Personen, die sich nahe am Nest aufhalten, empfinden die Wespen als Angreifer, sodass sie dort aggressiver sind.

Wer den Abstand zum Wespenstock nicht einhalten kann, weil dieser sich zu nahe an der Haustür befindet, sollte einen Fachmann darum bitten, es zu entfernen. Im besten Fall könne das Nest umgesiedelt werde. »Bevor jemand einen Kammerjäger ruft, rate ich dazu, bei der Feuerwehr anzurufen. Dort gibt es oft Personen, die im Umgang mit den Wespen ausgebildet sind«, sagt Steinke. Allerdings sollte der Betroffene nicht den Notruf, sondern die Nummer der örtlichen Feuerwehr wählen. In manchen Kommunen könne auch die Verwaltung weiterhelfen. Steinke rät, einen zertifizierten Schädlingsbekämpfer zu wählen, der möglichst ökologisch arbeite.

Hornissen erfordern Fingerspitzengefühl

Ob der Fachmann ein Nest umsiedle oder beseitige, hänge von den Gegebenheiten ab. Fürs Umsiedeln sei es wichtig, dass Stoll das gesamte Nest mit den nötigen Hilfsmitteln versetzen kann. »Sitzt das Nest im Rollokasten, ist es schwieriger, als wenn es frei zugänglich hängt.« So würden Waldwespen ihres frei hängend bauen. Wald- und Feldwespen seien friedlicher als die Deutsche sowie die Gemeine Wespe und leichter umzusiedeln. Viel Fingerspitzengefühl wird bei Hornissen benötigt. Da diese - wie Hummeln und Wildbienen - besonders geschützte Arten sind, dürfen sie nur im Notfall und mit einer Genehmigung der Naturschutzbehörde beseitigt werden. Die ungenehmigte Entfernung eines Hornissen-, Bienen- oder Hummelnestes kann mit einer Geldbuße bis 50 000 Euro geahndet werden.

Steinke empfiehlt bei Hornissen einen Sicherheitsabstand von fünf Metern zum Nest. Ein Vorteil vom Hornissennest im Garten sei, dass diese Wespen fressen. Das Gerücht, dass wer einmal ein Hornissennest im Haus hatte, kein Wespennest mehr befürchten muss, sei falsch.

Wer ein Wespennest im Garten hat, kann die Wespen mit einem Trick vom Essen fernhalten. »Ich stelle ein Schälchen mit Wasser und einem Stein darin in eine abgelegene Ecke des Gartens«, sagt Stoll. »So können sie in Ruhe trinken und kommen nicht zum Essen.« Schwieriger sei es im Spätherbst. »Wenn die Wespen nicht mehr auf Eiweiß aus sind, gehen sie gern an süße Speisen.« Müller rät zu einer »Ablenkfütterung« mit zum Beispiel überreifen Weintrauben.

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