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Ein Schiff unterwegs durch die Harb

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Angesichts des 6,5 Meter breiten Doppelrumpfs des Katamarans wird selbst die Bundesstraße zwischen Borsdorf und Harb schmal. © Oliver Potengowski

Borsdorf/Harb (ten). Einen weiteren Schritt ist Karl-Heinz Drumm seinem Ziel seit Donnerstag näher, mit seinem selbst gebauten Katamaran auf große Fahrt zu gehen. Mit einem Schwertransport verlegte man das elf Meter lange Schiff von seinem bisherigen Standort in der Zeppelinstraße. Jetzt will man den Mast aufrichten und weitere Arbeiten erledigen. Im Herbst hofft Drumm, den Katamaran auf dem Main zu Wasser lassen zu können.

Ein surreales Erlebnis hatten einige Autofahrer, die am späten Donnerstagabend am Gewerbegebiet Borsdorf vorbeifuhren. In Höhe der Tankstelle und des Herkules-Markts wurden sie überraschend gestoppt. Anschließend glitt auf der Straße vor ihnen ein gewaltiges weißes Schiff vorbei. Etwas, das man viele Kilometer von größeren Gewässern entfernt nicht erwartet hätte. Bewegt wurde das Schiff auf einem Tieflader einer regionalen Schwertransportfirma.

Unterwegs auf dem Tieflader

Wegen des Gewichts wäre der eigentlich nicht nötig gewesen. Denn knapp fünf Tonnen - so schwer schätzt Drumm, der Erbauer des Schiffs, es inzwischen - hätte auch jeder etwas größere Lkw laden können. Dass ein Schwertransport mit Sondergenehmigung nötig war, liegt an den Abmessungen. Der Katamaran, wie der Doppelrumpfsegler bezeichnet wird, ist elf Meter lang und durch die beiden Rümpfe, die mit einem Deck verbunden sind, 6,5 Meter breit. Deshalb benötigte der Tieflader die gesamte Straßenbreite.

»Die Genehmigung für die 400 Meter hat sechs Wochen gedauert«, berichtet Drumm von einer der wahrscheinlich quälendsten Phasen seines Projekts. Seit zwölf Jahren baut er inzwischen am Schiff. Da gab es immer wieder Abschnitte, wo etwas länger dauerte, als er dachte, oder er sich die Arbeit unnötig schwermachte. Doch auf die Genehmigung der Behörden für den Schwertransport zu warten, ohne selbst etwas tun zu können, war hart für ihn.

Dann kam der große Moment. Punkt 22 Uhr setzt sich der Schwertransport in Bewegung. Zuvor hatte Drumm den Katamaran aufgebockt, damit der Tieflader darunter fahren und ihn anheben kann. Der Transport selbst ist für den Lkw-Fahrer Routine. Schwere und sperrige Lasten - auch mit Überbreite - sind sein Alltag. Überraschend zügig geht er, abgesichert von je einem Begleitfahrzeug mit beleuchteten Warnschildern vorn und hinten, auf die kurze Strecke.

Nach wenigen Minuten vorbei

Nach wenigen Minuten ist das Spektakel vorbei, der Katamaran auf dem weitgehend leeren ehemaligen Kahle-Gelände angekommen. Hier wird er wieder auf Holz- und Styrodurklötze gesetzt. In den nächsten Tagen will Drumm den 14 Meter langen Mast aufrichten. Erst dann ist es möglich, die exakte Form des Segels auszumessen und es anzufertigen.

Angesichts der langen Bauzeit steht das Projekt jetzt kurz vor der Vollendung. Im September oder Oktober hofft Drumm, sein Schiff zu Wasser lassen zu können. Die Überführung auf das Kahle-Gelände bildete auch dazu in gewissem Sinn eine Generalprobe. Denn auf dem Main soll der Katamaran nach jahrelanger Bauzeit erstmals seinem eigentlichen Element übergeben werden. Das Genehmigungsverfahren für den Transport zum Fluss dürfte erheblich aufwendiger und teurer werden als für die 400 Meter am Donnerstag.

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