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Ein Wolf streift durch die Wetterauer Wälder

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Von: Sabrina Dämon

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Seit einiger Zeit streift ein Wolf durch den Wetteraukreis. Wildkamera-Aufnahmen zeigen das Tier. An einem toten Reh wurde eine DNA-Spur gefunden.

Wetteraukreis - Seit einiger Zeit ist ein Wolf in der Wetterau unterwegs. Kürzlich berichtete ein Spaziergänger, er habe das Tier am Winterstein gesehen. Der Wolf stand etwa 80 Meter entfernt und verschwand dann im Dickicht. Auch bei Butzbach ist er gesehen worden. Es handele sich um einen jungen männlichen Wolf aus einem Wurf aus Rheinland-Pfalz von 2021, berichtet Ingeborg Till vom Nabu-Landesverband. Ein Bruder halte sich bei Haiger im Lahn-Dill-Kreis auf.

Ob der Wolf bleibe, sei noch nicht klar. »Man sagt: Wenn ein Wolf ein halbes Jahr in einer Gegend bleibt, gilt er als sesshaft.« Wölfe können mehrere Hundert Kilometer zurücklegen, um eine Wölfin zu finden. Finden sie keine, bleiben manche alleine, manche wandern weiter.

Wolf im Wetteraukreis: Begegnung mit Menschen selten

Bis ins 19. Jahrhundert gab es viele Wölfe in Deutschland. Durch massive Bejagung wurden sie ausgerottet. Daher sorgt eine Sichtung für (nicht nur positive) Aufmerksamkeit. Viele haben Angst - z. B. um Weidetiere, die ungeschützt eine leichte Beute sind. »Ein Wolf nimmt das, was am einfachsten zu kriegen ist«, sagt Till. Wenn zum Beispiel Schafe nicht sicher umzäunt seien, seien sie ein leichtes Ziel.

Mit dem Auftauchen eines Wolfs sei daher guter Herdenschutz wichtig: etwa durch Hunde oder Umzäunungen. Dass Menschen einen Wolf zu Gesicht bekämen, komme selten vor. Wölfe mieden Menschen in der Regel. »Wenn man doch einen Wolf sieht, spricht man ihn an, klatscht in die Hände. Dann verzieht er sich.« Aus Naturschützer-Sicht ist die Rückkehr des Wolfs eine gute Nachricht: »Er gehört zu unserer Fauna. Man muss zur Normalität kommen und sehen, dass er als gewöhnliches Wildtier hier lebt.«

Wetteraukreis: Wildkamera-Aufnahmen beweisen Anwesenheit des Wolfs

Wolfgang Diehl ist als einer der Jagdpächter des Hoch-Weiseler Walds direkt von der Anwesenheit des Wolfs betroffen. Eine Begegnung mit ihm hatte er zwar noch nicht, aber ein Mitjäger. Dass ein Wolf im Revier ist, zeigen auch Wildkamera-Aufnahmen. Vor rund drei Monaten ist der Wolf erstmals darauf aufgetaucht, sagt Diehl. »Er ist für ein paar Tage hier, dann ist er wieder etliche Tage nicht zu spüren.«

Im Revier Maibach sei ein Jäger auf das laute Klagen eines Rehs aufmerksam geworden. Als er nachgeschaut habe, sei ein Wolf von dem frisch gerissenen Rehbock verschwunden. DNA-Untersuchungen bestätigten, dass der Wolf den Rehbock gerissen hatte. Solche Laborbefunde an Wildtieren seien die Ausnahme. In der Regel, sagt Diehl, sei es kaum nachzuweisen, wenn ein Wolf ein Tier im Wald reiße: »Er frisst sich satt, dann kommen andere Tiere wie Wildschweine, Waschbären, Füchse, Kolkraben, und fressen oder verschleppen den Rest.«

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Die Wölfe kehren nach und nach in ihre ehemaligen mitteleuropäischen Gebiete zurück. Sobald sie ihr Rudel verlassen, laufen manche von ihnen viele Hunderte Kilometer. (Symbolbild) © DPA Deutsche Presseagentur

Wolf in der Wetterau: »Er ist jung, alleine, und es ist genügend Futter vorhanden.«

Bisher sei die Anwesenheit des Wolfs aus Jäger- und Nutztierhaltersicht noch kein Problem. »Er ist jung, alleine, und für ihn ist genügend Futter vorhanden.« Problematisch, könne es werden, wenn er sich mit einer Wölfin zusammenschließe, sie Nachwuchs bekämen - und der Bedarf an Futter wachse.

Aus Jägersicht gebe es mehrere Gründe, warum Wölfe im Revier unbeliebte Gäste seien. Zum einen wegen des Verhaltens des Wilds. In den vergangenen Wochen habe Diehl beobachtet, wie das Wild vorsichtig werde und seltener zu sehen sei. »Wir Jäger zahlen eine hohe Pachtsumme und müssen den Abschussplan, auch im Hinblick auf die Walderneuerung, erfüllen. Deshalb steigt der zeitliche Aufwand für erfolgreiche Jagd erheblich.«

Ein weiterer, für Jäger schwer nachvollziehbarer Aspekt: Da Wölfe unter Schutz gestellt seien, dürften Jäger sie in keinem Fall erlegen, auch nicht, wenn Wölfe schwer verletzt seien. Würde ein Wolf zum Beispiel von einem Auto erfasst und sterbend am Straßenrand liegen, müsste ein Tierarzt gerufen werden. »Ein Jäger, der einen schwerverletzten Wolf in einem solchen Moment erlösen würde, hätte mit einer erheblichen Strafe zu rechnen«.

Wetteraukreis: Nabu fordert Hilfe für Weidetierhalter

Der Landesjagdverband Hessen fordert für solche Fälle Rechtssicherheit für Jäger und grundsätzlich die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Es heißt: »Es kann nicht sein, dass Weidetier- und Pferdehalter in ständiger Angst um ihre Tiere leben müssen.« Konkret bedeute das, sagt Diehl: Sobald Probleme durch den Wolf aufträten, »etwa massive Schäden in der Weidewirtschaft oder in der Landwirtschaft, müssten Jäger die Erlaubnis bekommen, entsprechend einzugreifen, genauso wie bei Schwarz- Reh- und Rotwild«.

Der Nabu lehnt eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ab. »Wölfe sind durch EU-Richtlinien und Naturschutzgesetze streng geschützte Tiere. Das blieben sie auch, wenn sie im Jagdrecht wären«, sagt Till.

Wichtig sei nun die Unterstützung von Weidetierhaltern. »Dass sie Ansprechpartner haben, nicht alleingelassen werden.« Zumal sie ohnehin genug Probleme hätten. Und, weiß Till: Eine wolfssichere Umzäunung klinge zwar einfach, sei aber oft schwierig: »Eine gerade Fläche wie ein Sportplatz ist schnell eingezäunt, aber viele Herden sind bspw. am Hang. Da wird es schon schwieriger.« Doch in anderen Ländern habe man auch gelernt, mit Wölfen zu leben. »Wir müssen schauen: Wie wird es dort gemacht? Was können wir lernen?« (Sabrina Dämon)

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