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Ein wunderbares Geschenk ohne Gegenleistung

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Was ist der schönste Beruf der Welt? Diese Frage stellt man sich wahrscheinlich im Kindergarten zum ersten Mal. Auch ich habe mich das immer wieder gefragt. Jetzt bin ich Vikarin, also »Pfarrerin in praktischer Ausbildung« nach dem Studium. Ist das nun der schönste Beruf der Welt?

Die schönste meiner neuen Aufgaben ist jedenfalls das Taufen. Schon als ich bei den Taufen meiner beiden Patenkinder noch auf der anderen Seite des Taufbeckens stand, war das für mich ein ganz besonderer Moment.

Was Gott den Täuflingen in der Taufe schenkt, kann man sich nicht erarbeiten und muss es auch nicht. Als ich neulich ein kleines Mädchen taufen wollte, schlief es wohlig im Arm seines Vaters. Dieser Taufschlaf war ein schönes Sinnbild für das, was Jesus Christus dem Täufling ganz unverdient - quasi im Schlaf - zukommen lässt: Er hat versprochen, dass sich sein Leben in der Taufe mit dem des Täuflings verbindet.

Etwas Wertvolles ohne Gegenleistung anzunehmen, kennen wir heute kaum noch. Wenn wir Erwachsene etwas geschenkt bekommen, notieren wir lieber den Preis, damit wir uns beim Gegengeschenk nicht blamieren. Vielleicht hat Jesus auch deshalb gesagt: »Wer sich das Reich Gottes nicht wie ein Kind schenken lässt, wird nie hineinkommen.« (Markus 10,15).

Irgendwann wachte mein schlafender Täufling natürlich auf. Das Leben wartet schließlich auf die Kleine. Die Taufe sagt uns, dass das Leben an Jesu Seite ein anderes sein wird: Mit seiner unendlichen Liebe, die unabhängig davon ist, wie gut man in der Schule ist oder wie man aussieht. Mit dem Vertrauen, dass jemand das Leben in der Hand hält, egal, wie sehr der eigene Lebensentwurf gegen die Wand gefahren ist. Jemand, zu dem man auch mit der größten denkbaren Schuld kommen kann, weil er genau diese am Kreuz auf sich nahm.

Dass die Kleine Gott als diesen Lebensbegleiter kennenlernt, dafür sollen Eltern und Paten sorgen. Zu den Geschenken an meine Patenkinder gehörten eine Kinderbibel oder ein Gebetsbüchlein selbstverständlich dazu. Die dadurch kennengelernte Gottesliebe kann dann irgendwann Gegenliebe und Glaube in den Kleinen wecken. Glaube heißt auch, immer wieder neu auf das zu vertrauen, was Gott in der Taufe dem Menschen zugesagt hat. Der Glaube ist Taufe in Aktion - ein Leben lang.

Vielleicht in Erinnerung an Ihren eigenen Tauftag und in der Hoffnung, dass Gott Ihren Glauben immer wieder neu weckt, sei der Wochenspruch Ihr Begleiter für die neue Woche: »Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.« (Epheser 2,8)

Menschen von all dem erzählen zu dürfen und mit ihnen dafür dankbar zu sein, ist für mich tatsächlich der schönste Beruf der Welt.

*

Simona Janssen ist Vikarin der evangelischen Kirchengemeinde in Nidda

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