1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Eine Ära geht zu Ende

Erstellt: Aktualisiert:

Von: red Redaktion

Kommentare

rueg_Wolfgang_Keller_201_4c
30 Jahre hat Wolfgang Keller die Arbeit im Dekanat Büdinger Land mit seiner ruhigen und sachlichen Art geprägt. Jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand. © pv

Viele Jahre war Wolfgang Keller so etwas wie ein Fels in der Brandung, die Konstante in einer entwicklungsreichen Zeit für die evangelische Kirche. Mit Keller geht jetzt der dienstälteste Dekan der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau in den Ruhestand.

Gerade einmal sieben Jahre hatte Pfarrer Wolfgang Keller seinen Gemeindedienst in Rudingshain versehen, als er 1992 im Alter von 36 Jahren zum Dekan im damaligen Dekanat Schotten gewählt wurde. Seitdem war er ununterbrochen mit Leitungsaufgaben betraut. Mit der Stärkung der kirchlichen Regionalstruktur ab dem Jahr 2000 hat sich das Amt jedoch verändert. So kamen für Keller als Dekan neue Aufgaben hinzu, weitere Mitarbeiter sollten begleitet und geführt werden. Dabei hat er es stets mit seiner ruhigen und sachlichen Art verstanden, die Menschen in den Gemeinden und im Dekanat zu ermutigen, angesichts des demografischen Wandels und von Einsparungsprozessen neue Wege der Zusammenarbeit zu gehen.

Bis zuletzt war er mit den Plänen zu »ekhn 2030«befasst, mit denen die Landeskirche in Hessen und Nassau die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden in sogenannten Nachbarschaftsräumen fördern will. Keller, der nach einem Vikariat in den Laubacher Gemeinden Wetterfeld und Röthges 1985 seine erste Pfarrstelle in der neu zusammengefassten Kirchengemeinde Rudingshain, Betzenrod und Götzen antrat und in Schotten mit seiner Familie eine neue Heimat fand, konnte sich stets auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dekanatsbüro und auf seine Kolleginnen und Kollegen im Pfarrdienst verlassen. Die Zusammenarbeit wurde von großer gegenseitiger Wertschätzung getragen.

Am morgigen Sonntag wird er im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Stadtkirche Nidda von Propst Matthias Schmidt nach 30 Jahren im Dekaneamt von seinen Aufgaben entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet. Weggefährten, ehemalige Kolleginnen und Kollegen, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchengemeinden und dem Dekanat werden ein letztes Mal Dekan Wolfgang Keller bei seiner Predigt folgen, in der er gewiss auch Bezug auf die Arbeit des evangelischen Theologen und Arztes Albert Schweitzer nehmen wird, dessen Wirken ihn in seiner Studienzeit nachhaltig beeindruckt hatte. Seit seinen Anfangstagen als Dekan hatte sich bereits - gerade was die Mitarbeiterzahl anbelangt - einiges geändert. Aus der Zusammenarbeit in der Arbeitsgemeinschaft der Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten ab 2001, die Keller von Beginn an im Geschäftsführenden Ausschuss begleitet hatte, entstand schließlich 2016 das fusionierte Evangelische Dekanat Büdinger Land.

Keller brachte nun im Leitungsteam als Stellvertreter von Dekanin Sabine Bertram-Schäfer seine langjährige Erfahrung ein. Nach Bertram-Schäfers Wahl zur Pröpstin in der Propstei Nord-Nassau im September 2020 kam Keller der erneuten Bitte von Propst Matthias Schmidt nach und übernahm als geschäftsführender Dekan im Zusammenspiel mit Rolf Hartmann, dem Vorsitzenden der Synode, die Dekanatsleitung für die letzten eineinhalb Jahre seines beruflichen Weges.

Dabei war es ihm nach wie vor ein Herzensanliegen, für die Mitarbeiter und für die Kirchenvorstände der 76 Kirchengemeinden im Büdinger Land ein klar erkennbarer und verlässlicher Ansprechpartner zu sein. Und es gelang ihm, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und die jeweiligen Arbeitsfelder zu unterstützen.

»Wir können als Kirche im Angesicht der anstehenden Veränderungen nicht stehen bleiben«, war er überzeugt. Er begleitete in seinen rund 30 Jahren als Dekan mehrere Umstrukturierungen im Pfarrstellenbereich und war sich der Auswirkungen des demografischen Wandels sehr bewusst. So sah er eine große Aufgabe darin, Haltung zu wesentlichen, die Gesellschaft betreffenden Entwicklungen zu zeigen, gegebenenfalls den Finger in die Wunde zu legen. Zu Zeiten der Arbeitsgemeinschaft beschäftigte er sich in den leitenden Gremien mit der Frage, welchen Beitrag Kirche leisten könne, damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinandergeht.

Keller, der gerne beim Spaziergang mit seinem Hund entspannt, brachte seine analytische und stets kritisch-konstruktive Denkweise in die Stellungnahme des Dekanatssynodalvorstandes zum Umgang mit Rechtspopulismus ein, arbeitete am Dekanatspapier »Schöpfung bewahren« mit und begleitete die Erstellung einer Konzeption für das Dekanat Büdinger Land. Ab 1990 war er über 30 Jahre Vorsitzender der Zweckverbandsvertretung der Diakoniestation Hoher Vogelsberg.

Keller wird nicht müde, darauf zu verweisen, wie wichtig er das ehrenamtliche Engagement in der Kirche für den Zusammenhalt der Gesellschaft hält: »Die nachlassende volkskirchliche Bindung selbst hier in der überschaubaren Welt des Vogelsbergs und der Wetterau macht mir Sorgen. Die Kirche wird nach wie vor gebraucht.«

Gert Holle ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat Büdinger Land.

Auch interessant

Kommentare