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Eine unendliche Geschichte in Schotten

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Seit über fünf Jahren ruhen alle Arbeiten auf der Baustelle des geplanten Carehotels. Im Vordergrund ist die tiefe Baugrube für das geplante Schwimmbecken zu sehen. © Stefan Weil

Die Bauruine bei Schotten ist gut zu sehen. Für das Gebäude gab es große Pläne. Ein Hotel mit über 150 Betten sollte entstehen. Doch nach der Grundsteinlegung 2015 passiert - nichts.

Die Pläne waren groß: Aus der »Residenz« am südlichen Rand Schottens, die etwa zehn Jahre als Übergangswohnheim für Russlanddeutsche diente, wollte die Eigentümerin - die in Berlin ansässige Gesellschaft Immobilien-Experten-AG - ein modernes Hotel machen und mit einem Erweiterungsbau versehen.

B ei der Grundsteinlegung im September 2015 gab es bereits Prospekte für das »Carehotel Niddasee« - mit Buchungsmöglichkeiten für den Sommer 2016 sowie für Arrangements an Weihnachten und Silvester. Im Internet gab es eine Buchungsplattform.

Doch dann passierte - nichts. Ob sich daran in naher Zukunft etwas ändert? Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab (SPD) berichtet auf Anfrage des Kreis-Anzeigers, sie habe 2021 Kontakt mit der Immobilien-Experten-AG gehabt. »Es gibt möglicherweise Ideen, das Projekt in eine andere Richtung zu lenken, eventuell sollen Ferienwohnungen angeboten werden. Näheres ist mir nicht bekannt«, sagt sie. Geschäftsführerin Mareike Lechner habe ihr zugesagt, einen Entwurf für ein neues Konzept zu präsentieren. Das sei aber noch nicht geschehen.

Auf Nachfrage gibt sich die Geschäftsführerin bedeckt, lässt aber durchblicken, dass das Hotel-Projekt wohl nicht weiter verfolgt wird. Lechner: »Wir überlegen derzeit, was wir mit dem Grundstück machen werden.« Es sei aber noch zu früh, die Öffentlichkeit zu informieren.

Konzept schien Erfolg versprechend

Die Immobilien-Experten-AG bezeichnet sich auf ihrer Internetseite als Fachunternehmen für Projektentwicklung und Betreuung von Immobilien. Zu den Leistungen gehört eigenen Angaben zufolge die Projektabwicklung von der Baulanderschließung über den Bau von Miet- und Eigentumswohnungen, Bürogebäuden und Fachmärkten bis hin zu Hotels und Sporthäfen. Bis heute seien unter der Regie des Vorstands Rolf Lechner über 200 Immobilienprojekte im Wert von mehr als drei Milliarden Euro konzipiert und realisiert worden. Wobei die frühere 30-jährige Vorstandstätigkeit Lechners bei der Bodentreuhand-Verwaltungs-Aktiengesellschaft (Botag) eingeschlossen ist. Die Botag hatte in den 1980er Jahren die »Residenz« gebaut. Das nach vielen Jahren Leerstand heruntergekommene Gebäude sollte ein modernes Hotel mit 76 Zimmern sowie 152 Betten werden. Dazu sollten ein Restaurant für 150 Personen sowie ein Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Räumen für physiotherapeutische Anwendungen kommen. Das Konzept sah als Zielgruppe auch pflegebedürftige Menschen vor, denen besondere Betreuungsleistungen angeboten werden sollten.

Bereits 2013 hatte die Berliner Immobiliengesellschaft einen Pachtvertrag mit der Gesellschaft »Carehotels« abgeschlossen, die zur Gruppe der »Sonnenhotels« in Goslar gehörte. Das Konzept schien Erfolg versprechend. Der Bundesverband Initiative 50 plus mit Sitz in Lauingen pries das »einzigartige Konzept« des »Carehotels Niddasee« für »einen unbeschwerten Urlaub von und mit pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen« an. Barrierefreiheit und eine »Rundum-Betreuung« durch Fachkräfte sollten auch Gästen mit Einschränkungen Erholung vom Alltag ermöglichen. Für den fachpflegerischen Part war der bundesweit aktive Evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf als zuständiger Partner im Gespräch.

Geplant war auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Reiseveranstaltern für einen barrierefreien Urlaub. Einen bundesweiten Hol- und Bringdienst sollte nach Angaben des Bundesverbands die Schottener Sozialen Dienste gGmbH übernehmen. Auch Reiseveranstalter hätten die »Carehotels« - es sollten noch mehr Häuser in Deutschland gebaut werden - bereits in ihr Programm aufgenommen.

Wildwuchs statt Bautätigkeit

Vor der Grundsteinlegung waren das Gebäude bereits entkernt und die angrenzende ehemalige Fabrikantenvilla abgerissen sowie die Baugruben für den Erweiterungsbau und das Schwimmbecken ausgehoben worden. Mehrmals wurde der angekündigte Eröffnungstermin Spätsommer 2016 verschoben. Zunächst auf das Frühjahr, dann auf den Sommer 2017. Doch auch dieser Termin ließ sich nicht halten. Es gab wohl erhebliche Probleme mit der Finanzierung. Auch der Versuch, regionale Geldhäuser einzuspannen, brachte keinen Erfolg. So sind seit der Grundsteinlegung fast 6,5 Jahre ins Land gegangen, ohne dass es eine sichtbare Veränderung an der Bauruine und am Grundstück gegeben hätte. Lediglich die wild wachsenden Bäume und Sträucher sind größer geworden. VON STEFAN WEIL

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