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»Elvis bewusst nie getroffen«

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Von: Hanna von Prosch

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hed_Talk_Peter_Kraus_Fot_4c © Hanna von Prosch

Er war wie erlöst, als der Rock ’n’ Roll aufkam. Endlich simple, funkende Musik für die Jugend. Im Talk mit Maria Hesterberg erzählte Peter Kraus, Stargast am Sonntag beim Elvis-Festival in Bad Nauheim, persönliche Geschichten und beantwortete Fragen rund um sein Leben und seine Karriere.

Es ist dunkel und sehr warm am Sonntagnachmittag im gut gefüllten Saal der Trinkkuranlage. Bei dem 83-jährigen Peter Kraus ist aber keine Spur von Mattigkeit zu spüren, als er in Shorts und Turnschuhen den Saal betritt. Dann nimmt er neben Maria Hesterberg auf dem orangenen Chaiselongue Platz. Seine Fans empfangen ihn mit herzlichem Applaus.

Am Abend vorher hatte der Alt-Rock ’n’ Roller die Trinkkuranlage zum Beben gebracht. Auf den Auftritt kommt er mehrmals zu sprechen. »Ich habe doch zu Beginn meiner Karriere nicht gewusst, dass ich mit 83 noch ein Publikum finde, das »Sugar Baby« hören will,« sagt er lachend und bekennt, dass er noch heute gerne auf der Bühne stehe.

Hesterberg eröffnet den Talk und fragt nach seinen Anfängen. Locker erzählt Kraus aus den frühen Fünfzigern in Salzburg, wo sein Vater ein eigenes kleines Theater hatte. Hinter der Bühne machte der Junge häufig seine Hausaufgaben. Einmal zog es ihn in die Requisite, wo er sich einen Totenschädel überstülpte und im Spiegel vor sich selbst erschrak. Prägend war das gemeinsame Singen mit dem Vater, der Operetten liebte, und die Schauspielerei. Der Vater sei sein erstes und wichtigstes Idol gewesen. Auch andere Idole seiner Zeit hätten ihn dazu gebracht, den Beruf als Schauspieler und Sänger zu ergreifen. Daher auch der Titel seiner neuen CD »Idole«.

Die kleinen Kostproben wie »Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?« werden im Saal bejubelt. »Kennen Sie das noch? Hallo, ich suche eine süße Frau«, fragt er, als ob das Publikum aus einer anderen Zeit wäre. Teilweise ist es das auch, viel jünger und neugierig nach »damals« - aber auch gleich alt und in Erinnerungen schwelgend. »Ich mochte die Mädchen-einlull-Lieder und singe auch viel lieber mit Frauen«, gestand Kraus. Für den Rock ’n’ Roll sei er oft kritisiert worden, antwortet er auf eine Frage. Heulboje hätten sie ihn genannt, vom Verfall des deutschen Abendlandes hätten die Eltern seiner meist weiblichen Fans gewettert. Im Radio wurde er nicht gespielt.

Dabei hat Peter Kraus mit Jazz-Gitarre angefangen, liebt bis heute den Swing und verehrte mit 17 Sammy Davis junior. Der inspirierte ihn zum Stepptanz. Überhaupt sei er ein Bewegungsmensch. Das habe ihn fit gehalten: »Beim Konzert mit einem dicken Bauch auf dem Barhocker, da wären Sie doch nur halb so begeistert gewesen«, scherzt Kraus und erntet Lacher. Er habe viel Glück in seiner Karriere gehabt. Und ja, es gebe Parallelen zu der von Elvis.

»Du musst sein wie ein Apothekerschrank mit tausend Schubladen. In jeder muss was drin sein«, hatte ihm sein Vater auf den Weg mitgegeben. So vielfältig war Peter Kraus sein Leben lang: als Schauspieler und als Interpret, im Rock ’n’ Roll, im Swing und in seinem Lebenstraum Regisseur. Wie die Zusammenarbeit mit Heinz Rühmann gewesen sei, wollte ein Gast wissen. Kraus schluckt: »Man kam nicht gut an ihn heran und er nutzte seinen Starstatus aus. Aber ich bin stolz, dass ich mit ihm drehen durfte.«

Warum erst jetzt

in Bad Nauheim?

Und die Beziehung zu Ted Herold? Man habe sich gut verstanden, aber der Level habe nicht gestimmt, weil er und seine Musiker stets Visionen gehabt hätten - Ted nicht. Elvis habe er tatsächlich nie persönlich getroffen, bewusst, wie er sagt: »Ein Handshake-Foto der Presse hätte neben dem Original aus mir den Imitator gemacht. Und das wollte ich nie sein.« So ist das »Duett« im Konzert vom Samstag etwas Einmaliges gewesen. Denn für die CD-Aufnahme gab es keine Genehmigung.

Wie er sich nun in Bad Nauheim fühle, wollte ein Fan wissen. Da antwortet er ehrlich: »Ich frage mich eigentlich, warum erst jetzt?« Die ernüchternde Antwort von Klaus Ritt: Wir hatten als lokaler Verein in den ersten Jahren nicht das nötige Geld.«

Im Anschluss trug sich Kraus - nach der Corona-Pause als Erster - ins Goldene Buch der Stadt ein. Ritt, als Vorsitzender des Elvis-Presley-Vereins Bad Nauheim, überreichte ihm eine Sammlung aller Berichte, die über Elvis in der Wetterauer Zeitung erschienen sind.

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hed_Goldenes_Buch_Peter__4c © Hanna von Prosch
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hed_Autogrammstunde_Pete_4c © Hanna von Prosch

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