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Elvis ist hier noch präsent

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Christoph Müller mit einem Foto von Horst Schüßler vor dem elterlichen Haus. © Red

Die Bewohner des Hauses achten sehr auf ihre Privatsphäre. Doch Christoph Müller, Sohn der Familie, möchte das Haus Goethestraße 14 in Bad Nauheim auf virtuellem Wege zugänglich machen: mit einer Online-Erzählung. Spannend dürfte das werden, hat doch niemand Geringeres als Elvis Aaron Presley in diesem Haus gewohnt.

Etwa einmal jährlich besucht Musiker Christoph Müller seine Mutter in der Goethestraße 14 und trifft dort auch seine Schwester. Er lebt seit 1993 in Südafrika. Wenn er sein elterliches Zuhause betritt, schwingen Erinnerungen an Elvis mit. Für ihn ist er dort immer sehr präsent. Das Grundstück ist für ihn ein historisch wertvolles, aber auch gleichzeitig romantisches Areal.

Es handelt sich um ein Haus aus den 1930er Jahren, in dem Elvis Aaron Presley, seine Bodyguards Lamar Fike und Red West, sein Vater Vernon und seine Oma Minnie Mae bis zu seinem Weggang aus Bad Nauheim am 2. März 1960 wohnten. Als Verantwortlicher für die Familie durfte Elvis - wie seine Kameraden auch - während der Stationierung in Friedberg statt in der Kaserne privat wohnen. Am 1. Oktober 1958 begann Elvis’ Dienst.

Gradierbau-Luft

für die Stimme

Mehrfach zog er innerhalb des Stadtgebietes um - vom Parkhotel zum Hotel Grunewald und danach kurzfristig auf den Johannisberg, bis sich das Haus in der Goethestraße fand. Den Hotelgästen und Hoteliers waren die Amerikaner zu laut. Das Einfamilienhaus war unabhängig und zentral gelegen. In der Nähe befanden sich mehrere Gradierbauten, von denen einer heute noch erhalten ist. Die salzhaltige Luft tat Elvis’ Stimme vermutlich gut. Denn oft kam er mit Halsschmerzen vom Manöver zurück.

Familie Müller kaufte das Haus in den 70er Jahren. Sie wünschte sich mehr Großzügigkeit und baute es daher um. Auch der brüchige Zaun wurde entfernt. Aus der Ursprungszeit ist dennoch vieles erhalten, beispielsweise weitgehend der Grundriss im Obergeschoss, Türen, das Treppengeländer und der Pfosten am Gartentor, auf dem Elvis mit Vorliebe Autogramme gab. Nach wie vor legt Familie Müller auf ihre Privatsphäre großen Wert. Daher empfängt sie auch keine Elvis-Fans. Gleichzeitig möchte der Sohn des Hauses jedoch gerne den geschichtsträchtigen Ort öffentlich erfahrbar machen. Er denkt über eine virtuelle Darstellung im Internet nach. Die Online-Erzählung soll ständig aktualisiert und erweitert werden. Hierfür sucht der 53-Jährige vor allem Fotos und Erzählungen von Begebenheiten rund ums Haus. Er möchte Elvis-Fans an den Geschehnissen von damals teilhaben lassen.

Für das Vorhaben erhielt Christoph Müller bereits von der »Initiative Elvis in Bad Nauheim« original Handabzüge des Fotografen Horst Schüßler, auf denen das Haus und Details zu sehen sind - und Elvis-Freundin Heli von Westrem, damals Heli Priemel, lüftete das Geheimnis, wo sich Elvis’ Schlafzimmer befand.

Sie berichtete auch, dass für Karate-Übungen im Wohnzimmer die Möbel zur Seite geräumt wurden. Von Westrem arbeitet derzeit an der erweiterten und nunmehr zweisprachigen Auflage ihres Buches »Elvis und Heli«. Schon in der Erstauflage gibt sie ihre Erlebnisse in Bad Nauheim und Paris preis.

Hin und wieder hielten sich Heli und Priscilla zeitgleich im Haus Goethestraße 14 auf. Doch obwohl sie gemeinsam einiges unternahmen, wurden sie nie Freunde. Gemeinsame Kinobesuche mit Elvis oder ihre Fahrt ins Frankfurter Militärkrankenhaus zu Elvis, der dort wegen seiner Mandelentzündung lag, änderten daran nichts. Die eine bezweifelt, dass die andere Elvis liebte, und die andere schweigt die Existenz der einen einfach tot.

Solange niemand wieder über den Zaun klettert, schellt oder mit Drohnen das Grundstück überfliegt, darf das Haus Goethestraße 14 fotografiert werden. Christoph Müller freut sich auf das kommende Elvis-Festival und hofft, dabei mehr über das elterliche Haus und Elvis in Erfahrung bringen zu können. Ein Fan schenkte Müller ein Foto von Elvis mit Autogramm, ein anderer machte ihn auf die in Bad Nauheim entstandene Tonaufnahme »Elvis at home« aufmerksam, und das Elvis-Team Berlin ließ Familie Müller eine Flasche Wein zukommen - zum Dank für den Besuch am Gartentor.

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