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Energieleistung an der Küste

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Von: Harald Schuchardt

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An manchen Tagen ist es sehr heiß gewesen, doch Wolfgang Bub hat auch diese Strapaze gemeistert. © Loni Schuchardt

Schon lange hatte Wolfgang Bub die Idee im Kopf: Einmal mit dem Rad entlang der Mittelmeer- und Atlantikküste fahren - von Italien über Frankreich und Spanien bis Portugal und zurück nach Spanien. In diesem Jahr hat sich der begeisterte Radfahrer aus Friedberg diesen Traum erfüllt - wenn auch nicht ganz.

Es sind schon imposante Zahlen, die Wolfgang Bub nach seiner dreimonatigen Tour präsentieren kann: 3820 Kilometer Rad mit 35 Kilo Gepäck gefahren, 24 300 Höhenmeter überwunden, 74 000 Kalorien verbrannt und zehn Kilo abgenommen. »Drei Kilo sind schon wieder drauf«, sagt der 66-Jährige gut sechs Wochen nach dem Ende seiner Tour.

»Erst musste der richtige Zeitpunkt ohne private oder geschäftliche Verpflichtungen gefunden werden. Meine Frau Elke hat mich immer unterstützt, auch wenn sie froh ist, dass das Thema nun abgehakt ist«, erzählt der Friedberger, der am 9. April seine Tour gestartet hat - mit einer Fahrt im Flixbus ins italienische Savona.

Im Bus hatte er schon die erste schöne Begegnung, der noch viele weitere folgen sollten. Bei der Passkontrolle an der deutsch-schweizerischen Grenze fragte ihn die Zollbeamtin: »Sie kommen aus Friedberg in Hessen?« Was Bub bejahte. »Ich habe lange in Bad Nauheim gewohnt«, sagte die Zollbeamtin. Nach der Ankunft ging es aufs Trekkingrad, und nach 74 Kilometern war San Remo erreicht. Bub baute sein Zelt auf und genoss die erste Pizza, bevor es »ab unter die Plane ging«. Erstes Highlight war Monte Carlo, wo gerade die Vorbereitungen für das Formel-1-Rennen begannen. Bub: »Es war schon ein tolles Gefühl, mit dem Rad durch den Tunnel zu fahren, wo später die Boliden mit über 200 Sachen durchrasten.«

Küstenstraße mit 360 Kurven

Auf der berühmte Küstenstraße »Croisette« ging es weiter nach Cannes, vorbei am legendären Hotel Carlton. Die Weiterfahrt nach Marseille auf Schotterpisten bei nur acht Grad und mit viel Regen wurde zur Tortur.

Nach dem Grenzübertritt von Frankreich nach Spanien fuhr Bub über die berühmte Küstenstraße von Palamos mit 360 Kurven und 800 Höhenmetern. Durch die beliebten Ferienorte Tossa und Lloret de Mar ging es nach Barcelona, wo Bub vor 40 Jahren für ein halbes Jahr gelebt hatte. »Es war für mich ein Highlight, die berühmte Rambla hinaufzufahren.« Immer entlang der Küste radelte Bub weiter über Sitges nach El Vendrell, wo er eine Firma besuchte, mit der er seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Hier lernte er einen 19-Jährigen kennen, der von Kaiserslautern nach Lissabon radelte. Drei Tage fuhren die beiden zusammen. »Das war mal ganz schön, aber auf Dauer mache ich lieber mein Ding«, sagt Bub. In Valencia hatte der »Beifahrer« für 67 Euro ein Hostel mit Acht-Bett-Zimmer gebucht. »Das war mir zu teuer, und ich habe mir lieber einen Campingplatz gesucht.« Auf dem Campingplatz von L’Albir vor Benidorm übernachten »Long Distance Rider« die erste Nacht umsonst.

Benidorm erinnerte Bub an Frankfurt: »Grausame Hotelbauten und mehr Immobilienmakler als Kneipen.« Einmal hatte er ahnungslos einen Nudisten-Campingplatz gebucht. Am Tag liefen alle nackt herum, im Restaurant durfte man sich etwas anziehen. »Eine besondere Erfahrung«, konstatiert Bub, der mit Grauen an die Fahrt durch das »Mar de Plastico« (Plastikmeer) bei Almeria denkt. Auf 350 Quadratkilometern wird in Gewächshäusern Gemüse angebaut.

Ein Treffen mit der Familie

Mehrmals musste er auf Schnellstraßen fahren, was nicht immer erlaubt war. In Gibraltar legte er einen »englischen Tag« mit englischem Frühstück und Fish’n’Chips am Abend ein. In Conil de la Frontera traf er Ehefrau Elke, die dort einen Sprachkurs-Urlaub gebucht hatte. Gemeinsam wurde der 32. Hochzeitstag gefeiert. Später kamen noch die beiden Kinder Carolin und Jan dazu.

Nach der »Familienpause« ging es weiter nach Portugal. Nachdem Bub mit der Fähre über den Guadalquivir übergesetzt hatte, erwartete ihn eine 30 Kilometer lange Fahrt auf einem Sandstrand - etwa so anstrengend wie acht Grad Steigung. »Das war sehr spannend, hat aber viel Kraft gekostet«, erinnert sich Bub. Um in Cabo San Vincente, dem südwestlichsten Punkt des Europäischen Festlands, die legendäre »Letzte Bratwurst vor Amerika« zu genießen, nahm er einen Umweg von 50 Kilometern in Kauf.

Nach und nach reifte bei Bub der Entschluss, die Tour nicht in Bilbao zu beenden. »Körperlich war ich fit, die Beine waren ok., aber mein Kopf war leer«, erzählt der Friedberger, der schließlich von Ericeira mit dem Zug nach Lissabon fuhr, um dann einen Tag später nach Deutschland zu fliegen.

Bubs Fazit: »Ich bin mehr als zufrieden, mal sehen, vielleicht fahre ich den Rest auch noch.«

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Eine Umweg von mehr als 50 Kilometer hat Wolfgang Bub in Kauf genommen, um die letzte Bratwurst vor Amerika zu genießen. © Loni Schuchardt
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In Portugal ist Bub 30 Kilometer auf einem Sandstrand gefahren. © Loni Schuchardt

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