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Entscheidung für ländliche Region

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hks_Notar-StefanMueller-_4c © Stefan Weil

Stefan Müller-Klaassen ist vom Präsidenten des Oberlandesgerichtes Frankfurt zum Notar bestellt worden. Er übt seine Dienstleistung in einer Bürogemeinschaft mit Rechtsanwalt Ulrich Donath in der »Kanzlei im Schloss« aus. Sein Amtssitz ist Schotten im Amtsgerichtsbezirk Büdingen.

Der 57-jährige Fachanwalt für Familienrecht Stefan Müller-Klaassen setzt die notarielle Tradition im Schloss in Schottens Altstadt fort. Ende 2018 hatte hier Wolfgang Dorfinger wegen mit dem Erreichen der gesetzlich verbindlichen Altersgrenze von 70 Jahren seine Notartätigkeit beenden müssen.

Ein Notariat anzustreben, dazu hatte sich Stefan Müller-Klaassen relativ spät entschieden. Die Altersgrenze für eine Bestellung liegt bei 60 Jahren. Das Amt gilt als anspruchs- und verantwortungsvoll. So hatte es die Gießener Landgerichtspräsidentin Sabine Schmidt-Nentwig bei der Überreichung der Ernennungsurkunde skizziert. Stefan Müller-Klaassen arbeitet bereits seit 1998 in Schotten. Der verheiratete Familienvater hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Buseck.

Ulrich Donath, der seit fast 20 Jahren juristischer Ansprechpartner der Kanzlei im Schloss ist, freut sich über die neue Zusammenarbeit: »Das ist für uns beide eine Win-win-Situation. Unsere Aufgabengebiete passen gut zusammen.«

Hürden sind extrem hoch

Dass er sich relativ spät entschlossen hat, ein Notariat anzustreben, begründet Stefan Müller-Klaassen nicht zuletzt mit einer Entwicklung, die der bei Hausärzten ähnelt. »Insbesondere im ländlichen Raum fehlt es an juristischem Nachwuchs. Die Zahl der Notare, zum Beispiel im Vogelsbergkreis, ist beständig rückläufig.« Auch hessenweit bleiben viele Stellen unbesetzt. Zweimal im Jahr werde eine entsprechende Erhebung durchgeführt. »Zuletzt gab es für mehr als 100 Stellen keine qualifizierten Bewerber.« Junge Juristen strebten ein Notariat eher über die feste Einbindung in eine renommierte Kanzlei im großstädtischen Umfeld an. Auf dem Land sei man eher ein Einzelkämpfer und trage das Risiko allein.

»Die Hürden, um als Notar bestellt zu werden, sind extrem hoch«, betont Stefan Müller-Klaassen. Voraussetzung ist, dass man mindestens drei Jahre als Anwalt vor Ort tätig gewesen sein muss, bevor man den Weg in ein Notariat einschlagen kann. Schon die juristische Ausbildung für den Anwaltsberuf ist sehr lang und aufwendig. Sie dauert im Durchschnitt sechs bis sieben Jahre. »Wer dann Notar werden will, muss die notarielle Fachprüfung ablegen, quasi ein drittes Staatsexamen. Mit allem was dazu gehört, mit Klausuren und einer mündlichen Prüfung. Das fällt einem im etwas fortgeschrittenen Lebensalter schon ziemlich schwer«, betont der neue Notar. Und natürlich müsse »nebenher« noch die normale Tätigkeit als Anwalt erledigt werden. »Das schreckt viele ab, und sie bevorzugen eine normale Anwaltstätigkeit.« Andererseits habe ein Notar eine hervorgehobene Stellung. Das habe das Verfassungsgericht festgestellt. »Die Fachprüfung soll eine Bestenauslese ermöglichen, für eine Position, die großes Fachwissen verlangt«, so der Schottener Notar. Dazu komme noch das Risiko, die sehr anspruchsvollen Prüfungsanforderungen dann doch nicht zu schaffen, ergänzt Ulrich Donath. Auch finanziell müsse man Vorleistungen erbringen. »Um schließlich Erfolg zu haben, gehört immer etwas Glück dazu.«

In den hohen Prüfungsanforderungen mit einheitlichen Inhalten sieht Stefan Müller-Klaassen auch einen Grund dafür, dass oftmals Notariatsstellen nicht besetzt werden könnten. »Hier müsste man zwischen Großstadt und Land mehr differenzieren. Wieso muss ich als ländlicher Notar tiefe Detailkenntnisse über Bankenfusionen haben. Im Regelfall wenden sich Geldinstitute ohnehin an große Kanzleien.« Wenn zunehmend Notariate auf dem Lande wegfallen, bedeute das für die Bürger weitere Wege. Laubach in der Nachbarschaft habe schon seit einigen Jahren keinen Notar mehr. »Das hätte auch in Schotten passieren können.«

Seine neue Tätigkeit sieht Stefan Müller-Klaassen als Dienstleistung für die Menschen. Da er vom Land Hessen bestellt ist, hat für ihn die Aufgabe als Notar mit einer starken Nähe zum Staat zu tun. »Der Notar muss immer unabhängig und selbstständig arbeiten, niemals in einer Rolle als Angestellter. Gefordert wird auch eine gesicherte wirtschaftliche Situation.« Formal ist die Notartätigkeit als »Nebenberuf« ausgelegt. Denn in Hessen müssen alle Notare zugleich Anwalt sein. Die gleiche Regelung gibt es in den nördlichen und westlichen Bundesländern. Im übrigen Deutschland können Notare auch hauptberuflich, ohne rechtsanwaltlichen Hintergrund, tätig werden.

»Als Notar ist man immer zur absoluten Neutralität verpflichtet. Einseitig Interesse für einen Vertragspartner zu zeigen oder ihn in den Vordergrund zu stellen, ist nicht erlaubt. Das unterscheidet das Amt von der Arbeit eines Anwaltes«, betont Stefan Müller-Klaassen.

Umfangreiche gesetzliche Mitwirkungsverbote sollen einer Vermischung entgegenwirken. »Wenn ich in einer Angelegenheit als Rechtsanwalt tätig war, darf ich diesbezüglich keine notarielle Aufgaben, etwa eine Beglaubigung oder eine Beurkundung, vornehmen, auch umgekehrt nicht. Das ist streng untersagt und kann bis zur Amtsenthebung führen.«

Als Notar sei man in erster Linie ein Berater. »Ich muss aus meiner neutralen Position heraus versuchen, umzusetzen, was sich juristische Laien vorstellen, was aber oftmals so nicht geht. Dazu gehört zunächst die Aufnahme von Informationen, danach die Vorbereitung von Verträgen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und schließlich die Umsetzung mit der Beurkundung«, so Stefan Müller-Klaassen.

Verbundenheit mit Schotten

Dieser Vorgang kann erhebliche Zeit in Anspruch nehmen, je nach Länge eines Vertrags- oder Urkundentextes. Denn das Verlesen des schriftlich Fixierten ist Pflicht, Wort für Wort, von Anfang bis Ende. Das Vorlesen lässt auch Raum für Belehrungen. Denn Verträge können für das Leben der Beteiligten mitunter eine große Wirkung mit Langzeitfolgen haben. »Das Vorlesen hat der Gesetzgeber so vorgesehen. Es erfüllt eine Schutzfunktion, damit später niemand sagen kann, das habe ich nicht gewusst«, erläutert der Notar. Die beteiligten Vertragsparteien müssen zudem ausreichend geschäftsfähig sein. »Darüber muss ich mich vergewissern. Denn als Notar haftet man umfassend.«

Stefan Müller-Klaassen fühlt sich Schotten verbunden und freut sich auf seine neue Aufgabe. Nicht nur aus beruflicher Sicht. Der begeisterte Rennrad- und Mountainbike-Fahrer hat die Schönheit und die anspruchsvollen Strecken des Vogelsberges schätzen gelernt. »Nach Dienstschluss auf den Hoherodskopf zu fahren und bei Doro eine Currywurst zu essen, das ist ein schöner Ausgleich.«

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