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Erinnern und Gedenken

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Am Waldrand zwischen Hirzenhain und Glashütten erinnert seit 1991, dem Jahr, in dem die erste Auflage von »Das mit den Russenweibern ist erledigt« erscheint, ein Sandsteinkreuz an die Opfer des Massenmordes. Es hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. ARCHIVFOTO: WARNAT © pv

Hirzenhain (red/bg). Montag, 26. März 1945, die Karwoche hat begonnen. Am Waldrand zwischen Hirzenhain und Glashütten fallen Schüsse. Kaltblütig töten Soldaten der Waffen-SS um 5 Uhr während eines vorgetäuschten Entlassungsmarsches 81 Frauen und sechs Männer. Es sind Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus dem Arbeitserziehungslager der Gestapo Frankfurt, die in den Breuer-Werken in Hirzenhain zu Sklavendiensten gezwungen werden.

Und Deportierte aus dem Gestapo-Gefängnis in der Frankfurter Klapperfeldgasse.

Massengrab am Waldrand

Anlässlich des 77. Jahrestages des Verbrechens bietet die Antifaschistische Bildungsinitiative aus Friedberg am 26. März von 9 bis 16 Uhr unter dem Motto »Erinnern & Gedenken - Zukunft gestalten« eine Gedenkfahrt mit Fachvorträgen zur Gedenkstätte bei Hirzenhain und zur Kriegsgräberstätte in Kloster Arnsburg an. Es gelten die dann aktuellen Corona-Regeln. Treffpunkt ist das »Junity« in Friedberg.

Am Vormittag führt die Fahrt nach Hirzenhain. Wer die Bundesstraße 275 in Hirzenhain verlässt und nach Glashütten abbiegt, sieht am Waldeingang ein Schild mit der Aufschrift »Gedenkstätte«. Zu Fuß kommt man dann nach wenigen Hundert Metern zu der Stelle, an der in den Morgenstunden des 26. März 1945 ein SS-Erschießungskommando, dessen Männer allesamt alkoholisiert sind, die unschuldigen Männer und Frauen liquidiert. Die Mehrzahl der Opfer stammt aus Russland und Polen, einige kommen aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Zurück bleibt ein Massengrab am Waldrand.

Erst Anfang Mai erfährt die US-Armee offiziell von dem Verbrechen. Männer aus Hirzenhain, aber auch aus umliegenden Orten wie Gedern, müssen das Massengrab, 800 Meter vom Dorf entfernt, wieder ausheben. Die Toten werden am 10. und 11. Mai in Not-särgen auf dem Hirzenhainer Erweiterungsfriedhof beigesetzt. Noch am Abend des 11. Mai gibt die US-Militärregierung die Anweisung, die Toten an einem würdigeren Ort und in regulären Särgen zu beerdigen. Das geschieht am 16. und 17. Mai an der Straßenkreuzung nach Glashütten. 1959 finden die Ermordeten eine letzte Ruhestätte auf dem Kriegsgräberfriedhof in Kloster Arnsburg. Allerdings als »unbekannte Kriegstote« und mit einem falschen Todesdatum auf den namenlosen Gedenktafeln.

2019 werden dort anlässlich des 74. Jahrestages während einer Gedenkfeier zwei neue Tafeln zur Erinnerung an die 87 ermordeten Zwangsarbeiter enthüllt. Zudem werden 16 Einzel-Gedenkstelen eingesetzt.

Es ist ein Massaker. Ein Weltanschauungsmord. Am Rande der Wetterau. »Es ist der größte Massenmord in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Hessen«, sagt der Historiker Michael Keller. Der frühere Bürgermeister von Friedberg hat die Ereignisse jener Tage erforscht. Vorgeschichte und Nachwirkungen des Massenmordes sind in seinem Buch nachzulesen: »Das mit den Russenweibern ist erledigt«. Im Bürgerhaus Hirzenhain wird der Historiker und Politikwissenschaftler Keller zentrale Passagen seines Buches präsentieren und dabei auch neue Erkenntnisse zu den Tätern vorstellen. Nach dem Vortrag wird die Gedenkstätte besucht.

Gegen 13 Uhr geht die Fahrt weiter zum Kloster Arnsburg. Dort wird Dr. Götz Hartmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, über die Recherche der Geschichte der Opfer und die Form des Erinnerns referieren. Dabei wird er über die Kriegsgräberstätte führen. Zum Abschluss wird ein Kranz niedergelegt.

Teilnahme ist kostenfrei

Gegen 15.30 Uhr ist die Rückfahrt nach Friedberg geplant. Die Teilnahme an der Gedenkfahrt ist kostenfrei. Eine Verpflegung ist nicht inbegriffen. Die Wege sind nicht barrierefrei. Verbindliche Anmeldungen werden per E-Mail an petra@antifabi.de entgegen genommen.

Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

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