Verkehr

Ersatzfahrplan der HLB in der Kritik

Weil Lokführer fehlen, setzt die Hessische Landesbahn auf mehreren Linien in der Wetterau jetzt Busse als Zugersatz ein. Das ärgert nicht nur die Fahrgäste.

Landrat Jan Weckler (CDU) hat mit Kritik auf die angekündigten Einschränkungen im Angebot der Hessischen Landesbahn (HLB) reagiert. Zu Wochenbeginn teilte die HLB mit, dass ab kommenden Montag bis zum Fahrplanwechsel am 8. Dezember auf einzelnen Strecken ein Ersatzverkehr mit Bussen eingesetzt werde. Das betreffe die Linien zwischen Friedberg und Friedrichsdorf (RB 16), Friedberg und Wölfersheim/Nidda (RB 47/48) sowie Gießen und Gelnhausen (RB 46), welche die Bahnhöfe von Nidda bis Büdingen bedient.

Als Grund gab die HLB fehlende Zugführer an, eine Krankheitswelle zwinge das Unternehmen zu diesem Schritt, sagte eine Sprecherin. Betroffen sein sollen in Absprache mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hauptsächlich Verbindungen zwischen 13 und 16 Uhr, also außerhalb des Berufsverkehrs.

Weckler erwarte, dass die HLB schnellstmöglich zu einem geregelten Betrieb auf der Schiene zurückkehre, hieß es in einer Mitteilung. Busse könnten nur eine Übergangslösung sein. "Ich kann den großen Unmut der Pendler gut verstehen, wenn sie abends müde von der Arbeit in Frankfurt nach Hause wollen und dabei immer wieder mit Ausfällen und Verspätungen konfrontiert werden", so der Landrat.

Veit Salzmann, Geschäftsführer der HLB, sagte am Montag: "Natürlich bedauern wir die Einschränkungen. Das ist nicht die Zuverlässigkeit, die von uns erwartet werden kann. Aber: Wir möchten nun zunächst den Fahrgästen eine verlässliche Verkehrsleistung anbieten, auf die sie sich einstellen können."

"Arbeitsweg ist Roulette"Dass die HLB einen "planmäßigen" Schienenersatzverkehr  eingerichtet habe, zeige zwar, dass sie sich des Ernstes der Lage bewusst sei, sagte Weckler. "Das kann aber aus Sicht des Wetteraukreises nur eine kurzzeitige Lösung sein, da damit die berechtigten Fahrgastbedürfnisse nicht wirklich erfüllt werden."

Unterstützung bekommt Weckler nun von der Grünen-Direktkandidatin für den Landtagswahlkreis nördliche Wetterau, Brigitta Nell-Düvel: "Der tägliche Rückweg von der Arbeit wird für Wölfersheimer, Echzeller und Reichelsheimer zu einer Art Roulette. Ich sehe hier den RMV in der Pflicht. Er bestellt bei der HLB die Leistungen und muss dafür sorgen, dass die Leistungen zuverlässig und pünktlich erbracht werden", sagte sie.

Sie forderte zudem den Landrat auf, über seinen Posten im RMV-Aufsichtsrat mehr Druck auf die Verantwortlichen auszuüben. Weckler selbst sagte, er wolle die Situation mit dem Aufsichtsrat "im Blick behalten".

Vom RMV hieß es: "Jede ausgefallene Fahrt ist eine zu viel und ärgert auch uns." Mit dem Busersatzverkehr reagiere man deshalb auf die aktuelle Lage, um weitere Ausfälle und damit erhebliche Nachteile für Fahrgäste zu vermeiden.

Der eingerichtete Schienenersatzverkehr gestalte sich nach Meinung von Nell-Düvel aber abenteuerlich. "Mal kommen kleine Busse mit einer Kapazität für sieben Fahrgäste, mal kommt gar kein Bus. Es gibt keine Abstimmung mit verspäteten Zügen aus Frankfurt. Die Busse fahren ab, die Fahrgäste bleiben stehen und müssen – ohne zu wissen, wie es weitergeht – warten", sagte sie.

Das sieht Weckler ähnlich: "Wenn schon Fahrten ausfallen und ein Ersatzverkehr eingerichtet wird, muss dieser auch verlässlich sein." Wo zwischen Zug und Ersatzbus Anschlüsse vorgesehen seien, müssten diese auch gehalten werden.  Aber: Der Arbeitsmarkt bei Lokführern sei zweifellos angespannt, so Weckler, und man erkenne durchaus, dass die HLB Maßnahmen ergriffen habe, um den Unterbestand an Triebfahrzeugführern zu beseitigen.

Drastischer formuliert das der RMV: In ganz Deutschland sei der Arbeitsmarkt leer gefegt, überall würden Fahrten wegen Personalmangel ausfallen. Perspektivisch müsse es das Ziel sein, die Personalprobleme zu beseitigen, sagte Weckler. Wie genau das funktionieren soll, ließ er aber offen. Personalmangel herrscht schließlich nicht nur bei den Lokführern.

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