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»Existenz der Betriebe hängt an der Therme«

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Von: red Redaktion

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Idylle im Park. Wo liegt die Zukunft des Kurorts? © Myriam Lenz

Bad Salzhausen (red). Der Ortsbeirat Bad Salzhausen hat eine Umfrage zur geplanten Schließung der Therme Ende September initiiert. In einer Pressemitteilung informieren die Mitglieder über das Ergebnis.

Die Bedürfnisse des Standortes wurde mit keinem der Genannten im Vorfeld besprochen, schreibt der Ortsbeirat. Dies ergab eine Auswertung von Gesprächen und Fragebögen, die die Mitglieder an alle Gewerbetreibenden in Bad Salzhausen verteilt hatten. Das Fazit: Die Existenz vieler ortsansässiger Betriebe hänge direkt an der Therme; andere würden erhebliche Umsatzeinbußen befürchten und viele Gäste hätten ihre Aufenthalte nach dem 30. September bereits storniert.

Der Ort biete zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Die Betreiber sehen sich nun mit Sätzen konfrontiert, wie: »Wenn die Therme schließt, kommen wir nicht mehr«.

Durch den Sanierungsbedarf der Justus-von-Liebig-Therme und der sich abzeichnenden Energiekrise kann der Ortsbeirat zumindest in Teilen die baldige Schließung nachvollziehen. »Da in den Jahren des Betriebs in keinerlei energetische Maßnahmen investiert wurde, ist der Stau mittlerweile immens und die Energiekosten können vom Haushalt nicht mehr getragen werden. Auch immense Personalkosten von beispielsweise 806 900 Euro im Haushaltsjahr 2021 tragen zu dem entstehenden Defizit bei.« Die Zahlen seien aber dennoch nicht dem Objekt Therme an sich zuzurechnen. Auch Sachverständige hätten die Reduzierung des Defizits über die Jahre hinweg für möglich gehalten.

Ein Vital- und Gesundheitszentrum mit Lehr- und Ausstellungsräumen sowie Therapiebecken und Sole- beziehungsweise Schlammbäder soll auf dem bestehenden Fundament entstehen. In den Augen des Ortsbeirates und vieler ortsansässiger Gewerbebetriebe sei ein Neubau mit »Museumscharakter« ein einmaliger Anziehungspunkt, der jedoch keine regelmäßige Frequentierung des Ortes schaffe. Der Gesundheits- sowie der Wellness- und Erholungsfaktor seien essenzielle Komponenten des Gesamtpakets Bad Salzhausen. »Das skizzierte Nutzungskonzept ist daher aus Sicht vieler von der Schließung Betroffener in keinster Weise ausreichend.«

Darüber hinaus fürchten viele Betriebe, eine mehrjährige Durststrecke aufgrund der Schließung nicht überbrücken zu können. 100 Prozent der befragten Gewerbetreibenden gaben an, direkt oder indirekt auf die Therme angewiesen zu sein und 60 Prozent berichteten, dass sie ihren Betrieb ohne nicht aufrechterhalten könnten.

Vielen Betriebe reicht Konzept nicht

Auf die Frage, ob eine Anpassung des Geschäftsmodells auf ein museal orientiertes Folgekonzept denkbar wäre, gaben 70 Prozent der Befragten an, dass sie dahingehend keine Möglichkeit sehen. Lediglich drei Betriebe meldeten zurück, dass man Optionen suchen werde.

In der Energiekrise sieht der Ortsbeirat eine rhetorisch perfekte Argumentation, die den aktuellen Zeitgeist aufgreift, aber leider die Bedürfnisse der über 40 Therapiegruppen vernachlässigt, die die Therme zur Prävention und Schmerztherapie benötigten.

Über eine Minimallösung in der Übergangszeit oder Ersatzangebote von umliegenden Bädern sei offenbar nicht nachgedacht worden.

Eine Anhörung des Ortsbeirates, wie sie die Geschäftsordnung vorsieht, habe nie stattgefunden und die Ergebnisse der Studie zur Bädersituation in Nidda hätten den Ortsbeirat selbst auf mehrfache Nachfrage nie erreicht.

Wie kann ein zukunftsfähiges Folgekonzept aussehen? Was geschieht in der Zwischenzeit? Wie kann den Betrieben vor Ort und den Nutzern zur Überbrückung geholfen werden? Wie können die Gäste gehalten werden?

Auf der Informationsveranstaltung für alle Interessierten am Mittwoch, 7. September, im Kursaal des Kurhaushotels wird es Vorträge einiger Gastredner und eine Diskussionsrunde geben, um Bedürfnisse sowie Ideen zu sammeln und um zu helfen, ein tragfähiges Folgekonzept auf die Beine zu stellen. Beginn ist um 18 Uhr.

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