Der Fall Tabbo

Familie Tabbo im Zeugenstand

Das Hanauer Landgericht erhofft sich die Aufklärung des Tötungsdeliktes Vebronia Tabbo durch die Vernehmung der Familie Tabbo. Am gestrigen elften Verhandlungstag musste als erstes Tochter Claudia Rede und Antwort stehen.

Von Jürgen W. Niehoff

Bevor die 23-jährige Tochter den Ablauf der letzten Stunden bis zum Verschwinden ihrer Mutter am 23. Mai 2013 schildern konnte, musste die Gießener Gerichtsmedizinerin Gabriele Lasczkowki in den Zeugenstand. Sie hatte die 46-jährige Tote Vebronia Tabbo einen Tag nach deren Verschwinden zunächst untersucht und anschließend auch die Obduktion der Leiche im Gerichtsmedizinischen Institut durchgeführt. Spaziergänger hatten die Leiche am Abend des 24. Mai im Wald entdeckt. Auf Grund der Körpertemperatur, der Temperatur des Waldbodens und der Umgebung konnte die Medizinerin nur vage Angaben zu dem Todeszeitpunkt machen.

Auf einen Zeitraum von zehn bis zwölf Stunden nach ihrem letzten Kontakt mit ihrem Mann schätzte sie diesen Zeitpunkt. Durch die Analyse der Magenreste der Toten konnte sie den Zeitrahmen zwar noch einmal auf etwa vier Stunden eingrenzen. „Aber es bleibt immer eine Schätzung, denn wir kennen nicht die genauen Temperaturen zu diesem Zeitpunkt und auch nicht die genaue Menge, die die Mutter zweier Kinder an dem Morgen ihres Verschwindens zu sich genommen hatte“, so die Rechtsmedizinerin. Mit einer 40-prozentigen Sicherheit könnte der Todeszeitpunkt an diesem Donnerstag zwischen 9.30 und 13.30 Uhr liegen.

Viel genauer wurde sie hingegen zur Todesursache. Das Opfer wurde danach zuerst gewürgt oder stranguliert, wahrscheinlich bis zur Bewusstlosigkeit, und danach mit einem Holzknüppel erschlagen. Dass das Würgen oder Strangulieren noch nicht zum Tode geführt hat, bewiesen Blutspuren in der Lunge, denn das Blut rühre erst von der anschließenden Gewalteinwirkung mit dem Holz her.

Ganz sicher war sich die Medizinerin, dass die brutale Gewalt erst im Wald angewandt wurde. Erklären konnte aber auch sie nicht, warum es keine Spuren des Täters am Fundort gab.

Die anschließende Vernehmung der 23-jährigen Tochter Claudia ergab ein fast lückenloses Alibi, und zwar für sie selbst wie auch für ihren Verlobten, den Angeklagten. Zu ihrer Verlobung befragt, erklärte sie dem Gericht zunächst die armenischen Riten ihres Heimatlandes. Danach seien sie und ihr Verlobter durch die Vereinbarung ihrer beiden Eltern verlobt worden. Diese Verlobung müsse im Falle des Todes einer der Elternteile ein Jahr Fortbestand haben – so die Gebräuche. Das heißt aber, dass Claudia Tabbo als Verlobte ihre Aussage jederzeit verweigern kann.

Dafür hatte sie sich eine Rechtsanwältin als Zeugenbeistand mitgebracht. Die achtete auch darauf, dass sie die Fragen des Gerichts nur kurz beantwortete und ihre Ausführungen nicht ausschweifend wurden. Nach Tabbos Einlassungen war sie an dem Morgen des Verschwindens ihrer Mutter gegen 10 Uhr von ihrem Vater geweckt worden. Gegen 10.30 Uhr sei sie zu ihrem Verlobten in dessen Pizzeria zum Frühstücken gegangen.

Von da an sei sie ununterbrochen mit ihm, dem Angeklagten, zusammen gewesen. Gemeinsam hätten sie das Essen für die Pizzeria zubereitet, anschließend seien sie nach Wölfersheim zum Einkaufen gefahren. Erst um 15 Uhr soll ihr Vater sie angerufen und nach der Mutter gefragt haben. Danach habe sie in Kliniken und bei der Polizei angerufen.

Ab 17 Uhr hätten sie dann mit weiteren Familienmitgliedern und Verwandten Altenstadt nach der Mutter abgesucht. Das sei auch die ganze Nacht und den nächsten Tag so gegangen, bis die Polizei die Nachricht gebracht habe, die Mutter sei tot im Wald aufgefunden worden. Kurz danach seien sie und ihr Verlobter zur Vernehmung nach Friedberg abgeführt worden.

Die Vernehmung der Tochter und die ihres Vaters und Bruders werden morgen, Donnerstag, fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare