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Fauerbacher Kinder haben Feuer gefangen

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Bei einer Löschangriff-Übung gibt es viel zu tun. Wer macht was? Die bereits Geübten ziehen die anderen mit. Ohne Zusammenarbeit läuft nichts. © Elfriede Maresch

15 Kinder bei den »Fauerbacher Flämmchen«, 16 Teenager in der Jugendabteilung der Wehr: Für den kleinen Ort mit 550 Einwohnern sind das erfreuliche Zahlen. Die Wehr feiert nun ein Jubiläum.

Die Gruppe wurde als eine der ersten im Wetteraukreis mit dem Jugendleiter Albrecht Nies gegründet. Es ging darum, auch der jungen Generation den Wert der Feuerwehrarbeit für die Gemeinschaft zu vermitteln, sie über Regeln zur Prävention von Bränden zu informieren.

Heute leitet Kai Langlitz die Jugendfeuerwehr. Seit seinem 10. Geburtstag war er selbst dabei, ging als Erwachsener in die Einsatzabteilung und übernahm neben der Leitung der Jugendgruppe noch weitere Funktionen. Die »Flämmchen« werden von Nadja Gehrmann, Denise Lohrey und Vera Langlitz betreut.

Theorie, Übungen und viel Spaß

Altersentsprechend angeboten stehen Theorie und praktische Übungen auf dem Plan, dazu Freizeitaktivitäten. Die Betreuer müssen flexibel bleiben. »Während der Corona-Einschränkungen haben wir zügig auf Online-Angebote gesetzt, sogar alle zwei Wochen Online-Übungen angeboten«, berichtet Langlitz. Ist das die Arbeitsform der Zukunft? Der Fauerbacher Jugendleiter widerspricht energisch: »Für theoretisches Lernen mag das zukunftsfähig sein, aber nie als vorrangige Arbeitsmethode. Die Jugendfeuerwehr lebt durch Präsenz, durch konkretes Anpacken, durch die Kameradschaft, auch wenn selbstverständlich Sympathien und Abneigungen, Kabbeleien, gelegentlich auch Krach unter den Jugendlichen dazu gehört.«

Damit wird eine konkrete Herausforderung der Kinder- und Jugendarbeit angesprochen. Langlitz bestreitet nicht, dass es immer wieder darum geht, die Kinder und Jugendlichen zu motivieren. Aber: »Ein Pluspunkt vieler Feuerwehren im ländlichen Raum ist es, dass schon Großväter, Eltern, vielleicht auch ältere Geschwister in der FFW aktiv sind. Für Fauerbach trifft das absolut zu, die Jüngeren wachsen fast selbstverständlich in die Gruppen hinein.« In der Jugend-FFW sind zur Zeit nur zwei Seiteneinsteiger, alle anderen haben in der Kindergruppe angefangen. Ganz wichtige Zugpferde sind Freunde und Freundinnen, die auch mitmachen.

Unterschiedliche Individualitäten kommen in den Gruppen zusammen. Wie sieht das ideale Gruppenmitglied aus? Ist es der schulische Überflieger? Oder das leistungsstarke Sporttalent? Langlitz dazu: »Bewusst picken wir in unserer Jugendarbeit nicht die Rosinen heraus. Alle Motivierten sind willkommen und wir achten darauf, dass in der Vielzahl der Aufgaben jede, jeder den richtigen Platz findet.« Das verlangt von den Betreuern Fingerspitzengefühl. Was individuelle Unterschiede überbrückt: Nahezu alle Aufgaben werden in der Gruppe erledigt. Ohne gute Zusammenarbeit läuft nichts. Das ist für diejenigen, die bereits geübt sind, eine gute Lektion. »Alle tragen zum Erfolg ihren Teil bei. Meine Erfahrung: Mit wachsender Verantwortung der Jugendlichen nimmt auch ihre soziale Kompetenz zu«.

Welche Rolle spielen die überörtlichen Angebote, die Zeltlager auf Großgemeinde-Ebene, die Wettbewerbe? Langlitz: »Die quirlige Atmosphäre, die Kontakte mit Jugendlichen aus anderen Orten sind Zündfunken für die weitere Motivation.«

Die Jugendarbeit erfordert Einsatz

Manche der Jugendlichen haben die Jugendflamme in den Kategorien eins bis drei errungen, zum Teil auch die Leistungsspange: Sie nehmen regelmäßig an den städtischen Wettbewerben, dem Leistungsmarsch und der Stadtmeisterschaft sowie auch den Kreiswettbewerben, dem Günter-Vogt-Pokal und der Kreismeisterschaft teil. Auch an Qualifizierungswettbewerben, wie dem City-Cup, bei dem die Stadtmeister der verschiedenen Kommunen des Wetteraukreises aufeinander treffen, waren sie schon mehrfach dabei.

Andere Vereine klagen oft, wie schwierig es ist, Ehrenamtliche für die Jugendarbeit zu finden. Langlitz sieht dieses Problem in Fauerbach nicht: »Unsere Engagierten haben eigene Vorerfahrungen aus der Kinder- und Jugendfeuerwehr. Sie sind mit der Jugendarbeit identifiziert, wollen Wissen weitergeben, vielleicht auch manches anders machen, so wie sie sich das früher gewünscht hätten.«

Das Fazit des Jugendleiters: Natürlich erfordert die Jugendarbeit viel Engagement. Aber sie ist enorm wichtig für die »Feuerwehr von morgen oder übermorgen«, denn viele wechseln nach Erreichen des 18. Lebensjahres in die Einsatzabteilung und sichern deren Bestand. Trotz generell sinkendem Vereinsengagement gäbe es kaum Orte in der Bundesrepublik, wo mangels Ehrenamtlicher Pflichtfeuerwehren eingeführt werden mussten. »Das ist die allerletzte Instanz!«

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