1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Fesselnde Ex-Schülerin in Altenstadts Limesschule

Erstellt:

Kommentare

cwo_MUeelisabethherrmann1_4c
Elisabeth Herrmann, einst selbst Schülerin an der Altenstädter Limesschule, fasziniert ihr Auditorium nicht nur mit ihren spannenden Jugend-Thrillern aus der Ravna-Reihe, sondern auch mit einer offenen Schilderung ihres Lebens und Werdegangs. © Ingeborg Schneider

Sie versteht es, mit ihren Werken zu fesseln und kann in Altenstadt auf eine Gemeinsamkeit mit ihrem Publikum verweisen: die Erfolgs-Autorin und ehemalige Limesschülerin Elisabeth Herrmann.

Altenstadt (mü). Ein auf rätselhaft rituelle Weise ermordeter Waldbesitzer und Rentierzüchter. Ein junges Mädchen, das von einer Mittsommernachts-Party spurlos verschwindet und zehn Jahre später als skelettierte Leiche in der Bärenschlucht entdeckt wird. Im Zentrum beider Mordfälle: Ravna Persen, Polizeianwärterin in Vardø, eine kleine Stadt weit jenseits des Polarkreises in der norwegischen Arktis… Mit ihrer Lesung aus den beiden Jugendthrillern um die junge Polizistin und ihren umstrittenen Vorgesetzten und Kontrapunkt, den bärbeißigen Kommissar Rune Thor, wusste Bestsellerautorin Elisabeth Herrmann die zehnten und achten Klassen der Altenstädter Limesschule auf Anhieb zu fesseln.

Die in Marburg geborene und in der Altenstädter Waldsiedlung aufgewachsene, vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, Drehbuch- und Hörbuchautorin zog die Jugendlichen mit ihren spannenden, mystisch aufgeladenen und psychologisch sensiblen Geschichten samt deren faszinierenden kulturellen Hintergründen in ihren Bann. Zudem wirkte sie nahbar und authentisch, berichtete von ihren zunächst sehr negativen schulischen Erfahrungen an anderen Orten und dann von ihrem Ankommen an der Limesschule, wo sie sich durch die Schulgemeinschaft und ihre damaligen Lehrer Hartmut Franz und Toni Schlett erstmalig an- und ernst genommen fühlte. Es sollten dennoch Jahre bis zu ihrer Entscheidung vergehen, ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu absolvieren, anschließend Germanistik und Theaterwissenschaften zu studieren und ihre vielseitige Autorinnen-Karriere zu starten, berichtete Herrmann.

Zahlreiche Fragen an die Autorin

Bereits ihr Debütroman »Das Kindermädchen« wurde 2005 als bester deutschsprachiger Krimi des Jahres ausgezeichnet. Bis heute sind viele ihrer Bücher und Drehbücher verfilmt worden, besonders erfolgreich sind ihre Joachim-Vernau-Romane, die das ZDF mit Jan-Josef Liefers in der Hauptrolle produzierte.

»Ihr fangt eure eigene Karriere natürlich viel früher an als ich und schreibt euer eigenes Buch, das man euch aus den Händen reißen wird«, machte die Autorin den Schülerinnen und Schülern Mut, ihrer eigenen Gedanken und Ideen zu Papier zu bringen. »Oder wie wäre es mit einem Format ›Altenstädter Jugend-Kriminächte‹? Ich denke sicher, dass Ihr dafür Unterstützer hier an der Schule, aber auch in Kulturkreisen und in der Gemeindeverwaltung finden würdet. Und Ihr hättet ein erstes Forum, um eure eigenen Werke vorzustellen«, schlug Herrmann vor.

Mehr als eine Dreiviertelstunde lang beantwortete die Autorin im Anschluss an ihre Lesung die vielen, zum Teil sehr persönlichen Fragen der Jugendlichen. Es ging nicht nur um ihren Werdegang, sondern auch um Schreibtechniken und Schreibblockaden, Ideensuche und Recherche, die Disziplin beim Schreiben, die Vernetzung mit Kollegen, um Lieblingsbücher, Selbstzweifel, Lampenfieber und Selbstkritik sowie um die Chance, vom Schreiben leben zu können. Sehr interessiert zeigten sich die Jugendlichen auch daran, mehr über Herrmanns Recherchereisen zum Volk der Samen zu hören, dem die junge Protagonistin ihrer Ravna-Romane angehört. Die Bezeichnung Samen oder Sámi (»Sumpfleute«), hat das veraltete und unzutreffende Wort »Lappen« abgelöst, denn das Gebiet dieses nordischen indigenen Volks umfasst weit mehr als die schwedische Provinz Lappland und erstreckt sich von Nordnorwegen über Schweden und Finnland bis ans Weiße Meer und auf die russische Halbinsel Kola.

Begeistertes junges Publikum

Ihre Herkunft als Samin macht es Ravna noch schwieriger, sich in ihrem hauptsächlich männlich und norwegisch geprägten Umfeld als ernst zu nehmende Ermittlerin zu behaupten, und bringt sie häufig in Loyalitätskonflikte - Umstände, die für viele Jugendliche gut auf ihr eigenes Leben, ihre Such- und Selbstfindungsbewegungen übertragbar sind.

»Das war eine coole Lesung: Sie schreibt so spannend und ist dabei total offen und ehrlich zu uns gewesen«, zeigten sich die Schülerinnen und Schüler anschließend begeistert. Auch Deutschlehrerin Tanja Schäfer-Auth, die zugleich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Limesschule zuständig ist, freute sich über den Erfolg und die positive Resonanz.

Auch interessant

Kommentare