Projekt Junge Zeitung

Feuerwehr: Kindheitshelden mit großen Autos

Beide arbeiten für die Stadt hauptamtlich im Brandschutzbereich und haben keine zusätzlichen Berufe. Das ist eine Seltenheit. Nur sehr wenige der Feuerwehrleute, die ihrer Beschäftigung auf Bezahlung

Beide arbeiten für die Stadt hauptamtlich im Brandschutzbereich und haben keine zusätzlichen Berufe. Das ist eine Seltenheit. Nur sehr wenige der Feuerwehrleute, die ihrer Beschäftigung auf Bezahlung nachgehen, haben keinen weiteren Beruf. Zusätzlich arbeiten viele an Orten, von denen sie möglichst schnell zur Hilfe kommen können. Bei einem Notfall wird jeder gebraucht.

Vollzeitfeuerwehrleute sind sehr wichtig für die Stadt, denn sie nehmen den freiwilligen Kameraden die dauerhafte Einsatzbereitschaft ab. Deshalb versucht die Feuerwehr Bad Vilbels, neue hauptamtliche Kräfte zu gewinnen. Mittelfristig erwünscht man sich eine Aufstockung um zwölf Kollegen.

Witt kam mit zwölf Jahren durch seine Freunde zur Jugendfeuerwehr. Sein bester Freund ist noch immer einer seiner Kameraden. Der aus Tirol stammende Moll hatte einen Onkel, der Wehrführer seines Dorfes war, und ging mit einigen Cousins zur Feuerwehr. Trotz Molls Umzug nach Bad Vilbel 1991 ist der momentane Wehrführer seines Heimatdorfes weiter ein guter Freund. Der 48-jährige hat in seiner Feuerwehrzeit viele Wehrstationen gesehen und sagt, es rieche „in jeder Halle gleich nach Feuerwehr“. Witt stimmt ihm lachend zu.

Dieser spricht davon, dass vor allem die nächtlichen Einsätze, bei denen man „ahnungslos ist, bis man beim Einsatzort ankommt“, solche sind, die Überwindung kosten. Das stellt für ihn einen großen Unterschied zu anderen Hobbies und den Reiz der Feuerwehr dar. Das tun auch die Motivation zu helfen und immer bereit zu sein. Als Beispiel nennt er die alkoholfreie Feier der freiwilligen Feuerwehr an Silvester 2016, um immer einsatzfähig zu sein. Auch die Gemeinschaft ist ihm sehr wichtig.

Moll sieht den Willen zu helfen, die Kameradschaft, die gemeinschaftliche Ausbildung und die Technik als das Beste an der Feuerwehr. Er bezeichnet sie als „eines der schönsten und spannendsten Hobbies“. Alle für die Feuerwehr Arbeitenden haben die gleichen die gleiche Mentalität. Er weist darauf hin, dass alle Feuerwehrkräfte miteinander per du wären. Somit entsteht eine ganz besondere Verbindung untereinander. Diese Überzeugung zeigt sich auch darin, dass beide Kinder Molls bei der Feuerwehr tätig sind.

Grillabend als Dankeschön

Einig sind sich die beiden, dass man einen starken familiären Rückhalt braucht, um mit dem Stress klarzukommen. Denn der Alarm schrillt nicht immer zu einer angenehmen Zeit. Trotz der hilfsbereiten Einstellung sehen sich beide nicht als Helden. Moll erzählt, dass in der Ausbildung viel Wert darauf gelegt werde, Kenntnisse in schneller Zeit anzuwenden, um nicht durch ein Bauchgefühl zu entscheiden. Seine Helden waren nie die Feuerwehrleute, sondern seine Mutter und Menschen, die nach Krieg und Verlusten nicht die Hoffnung verlieren. Man könnte heute froh sein, nicht im Krieg zu leben.

Daher sei ein einfaches „Danke“ für seine Hilfe ausreichend. Witt erzählt von einer Familie, welche die Einsatzkräfte nach dem Löschen eines Brandes in ihrer Gartenhütte sogar zu einem netten Grillabend eingeladen hatte.

Beide finden es nicht schön, wenn sie beim Sperren von Straßen von Autofahrern angefeindet werden. Denn die Feuerwehr täte das ja nicht, „um andere zu ärgern, sondern um uns selbst und andere zu schützen“.

Trotz ihrer skeptischen Einstellung dem Wort „Helden“ gegenüber, sind sich Moll und Witt ihrer Position als Kindheitshelden bewusst. Sie begründen diesen Eindruck mit den großen Autos mit Blaulicht, die beeindruckend wirken. Witt geht auch davon aus, dass die Feuerwehr wie ein „Gefahrenbeherrscher“ wirkt. „Wenn alle aus dem brennenden Gebäude heraus rennen, geht die Feuerwehr hinein.“ Exakt das fänden Kinder toll.

Solide Leute sind gefragt

Beim Schauen von Actionfilmen müssen beide ab und zu schmunzeln. Für beide geht es nicht darum, als Helden dazustehen, sondern zu helfen. Diese Hilfsbereitschaft, ebenso wie die Fähigkeit, auch bei privaten Problemen einen kühlen Kopf zu bewahren, hat sich, wie sie sagen, als wichtige Lehre für ihr gesamtes Leben gezeigt.

Unvergesslich sind die Einsätze, bei denen man Leben rettet und bei denen es Tote gibt. Witt erzählt von den Seelsorgern und Psychiatern der Feuerwehr und davon, dass für belastende Einsätze immer die solidesten Einsatzkräfte gewählt werden. Moll fügt hinzu, dass sich alle gegenseitig aufbauen, wenn etwas schiefläuft.

Die Feuerwehr beklagt sich jedoch über die geringen Teilnehmer der Kinder- und Jugendfeuerwehr. Denn nur wenige Eltern denken bei den Hobbies ihrer Kinder neben Sport und Instrumenten an die Feuerwehr. Somit gewinnt der Brandschutz meist nur die Kinder aktiver Feuerwehrleute für sich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare