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Finanzamt in Nidda: Jetzt beginnt der Neubau

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Übergabe der Baugenehmigung in Nidda (v. l.): Architekt Felix Fellermann, Kreisbeigeordneter Matthias Walther, Daniel Beitlich (Revikon) und Martin Bender (Weimer GmbH). © pv

Der alte Holzlagerplatz des Spanplattenwerkes Hornitex in Nidda bekommt eine neue Funktion. In den nächsten Wochen heben Bagger die Fundamentgrube für das neue Finanzamt aus.

Wenn alles klappt, ziehen in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres die ersten Finanzbeamten in einen Neubau in Nidda ein. Vier Stockwerke, 4000 Quadratmeter Nutzfläche: Das einst kleinste Finanzamt Hessens wird dann nicht nur baulich, sondern auch personell viel größer sein als bisher. In der Nachbarschaft gibt es auf dem früheren Hornitex- und Pfleiderer-Gelände ebenfalls Veränderungen.

Baugenehmigung übergeben

Wo Großes wächst, kommt Matthias Walther persönlich mit der Baugenehmigung herbei. Der Kreisbeigeordnete stellt sich für ein Erinnerungsfoto mit den Bauherren auf die Fläche, die bald das modernste Finanzamt im Wetter-aukreis und vielleicht auch ganz Hessens tragen wird: den ehemaligen Holzplatz links vom Haupteingang der früheren Spanplattenfabrik.

Bis 2011 wurden auf dem Gewerbegelände Faserplatten für die Möbelindustrie hergestellt. Jahrzehntelang wuchsen von dort dunkle Rauchschwaden in den Himmel. Nachdem sich die Produktion vor Ort nicht mehr lohnte, übernahm die Firma Weimer aus Lahnau bei Wetzlar die 14 Hektar große Industrie-Ruine. Sie sanierte das Gelände, auf dem ganz früher auch Bahnschwellen und Telefonmasten imprägniert worden sind. Inzwischen sei alles sauber, versichert Martin Bender. Man habe auch das massive Kraftwerk der Spanplattenfabrik beseitigt.

Aktuell ist die Wagner eCommerce-Group von Tobias Wagner die größte Nutzerin des Geländes. Das Unternehmen lagert dort Camping- und Sportartikel, Fitness-Nahrung, Elektrogeräte und vieles mehr auf rund 18 000 Quadratmetern. In den Büros arbeiten Hunderte Angestellte daran, diese Waren über das Internet zu verkaufen.

Nun setzt Firmenchef Tobias Wagner zum weiteren Wachstum an. Er werde demnächst die Halle des benachbarten Reifenhandels übernehmen, sagt der Gewerbegebiets-Manager Martin Bender. Die Halle werde renoviert und dann ebenfalls als Lager für das Sortiment der Online-Shops dienen. Trotzdem bleibe genug Platz für weitere Firmen.

Gut sechs der 14 Hektar sind noch zu belegen, sagt Bender. Man habe keine Eile. »Wir warten, bis die Richtigen kommen.« Die Neuansiedlungen sollen nicht durch zu viel Zubringerverkehr oder Emissionen die Nachbarschaft stören. Nach den Erfahrungen mit der Spanplattenbranche waren und sind manche Niddaer in dieser Hinsicht sehr sensibel. Das neue Finanzamt am Stadtrand von Nidda wird wohl höchstens in der Bauphase Lärm und Dreck machen. Gebaut wird es für rund 13 Millionen Euro von der Firma Revikon aus Gießen, die bereits die früheren US-Kasernen in Kirch-Göns, Gießen und Büdingen zu Gewerbe- und Wohnarealen umwandelte. Revikon ist auch beim Bau des neuen Ärztezentrums am Rande von Altenstadt an Bord. Neben Daniel Beitlich ist auch der Weimer-Chef Martin Bender Geschäftsführer von Revikon. Das Finanzamt lassen die beiden in Massivbauweise errichten. Es soll eine Fotovoltaikanlage bekommen und durch Wärmepumpen, an sehr kalten Tagen auch durch einen Holzhackschnitzel-Ofen, beheizt werden. Bender: »Das Haus wird so gut isoliert sein, dass die Beamten wohl schon im Februar die Heizung ausschalten können.«

Die hessische Finanzverwaltung hat mit den Bauherren einen langfristigen Mietvertrag für das neue Finanzamt geschlossen. Das Finanzamt Nidda wird aus dem bisherigen Gebäude an der Schillerstraße umziehen. In der Stadtverwaltung wird nun seit einem halben Jahr überlegt, ob sie das Amtsgebäude kauft und zum neuen Rathaus macht.

Bisheriges Objekt zu klein und veraltet

Die Wiesbadener Finanzverwaltung stuft den mit Metallplatten verblendeten Bau an der Schillerstraße als veraltet und zu klein ein. Bereits im Februar 2018 hatte das Ministerium die personelle Verstärkung des Niddaer Teams angekündigt: Es sollte durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Frankfurt auf 120 Vollzeitstellen anwachsen. Das bringe Kaufkraft aufs Land. Nun kündigt Finanzminister Michael Boddenberg an, weitere 60 Arbeitsplätze nach Nidda zu verlagern. Derzeit arbeiten laut Ministerium dort rund 170 Beschäftigte.

»Mit der Ansiedlung des neuen Finanzamtes mit 230 Büroarbeitsplätzen wird die weitere Umwidmung der Gewerbeimmobilie vorangebracht«, sagt Kreisentwicklungsdezernent Matthias Walther bei der Übergabe der Baugenehmigung. »Das neue Finanzamt hat für die Stadt Nidda als Verwaltungsstandort eine große Bedeutung, und ich bin dem Finanzministerium dankbar für die Entscheidung, zusätzliche Arbeitsplätze aufs Land zu bringen.« VON KLAUS NISSEN

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