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Abschied von einem »Fleeschder« Urgestein

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Von: Dagmar Bertram

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Erika Werner (†) © Robert Nolte

Ein erfülltes Leben ist zu Ende gegangen: Erika Werner ist am 1. Mai im Alter von 94 Jahren gestorben.

Florstadt – Den meisten in Florstadt war Erika Werner unter ihrem Mädchennamen bekannt: Erika Braun, oder, wie es im Ort heißt, die »Braune Erika«. Dem »Fleeschder« Urgestein war es wichtig, die Wetterauer Mundart zu pflegen und dadurch das kulturelle Erbe ihrer Heimat zu erhalten.

So war sie erste Sprecherin und langjährige Organisatorin der Mundartarbeitsgruppe, die Anfang der 2000er Jahre ins Leben gerufen worden war. Federführend organisierte sie ungezählte Erzählkaffees und immer sehr gut besuchte Mundart-Frühschoppen, bei denen ihre Auftritte stets zu den Höhepunkten zählten. Auf das im Jahr 2010 im Eigenverlag der Stadt erschienene Florstädter Mundart-Wörterbuch »ihrer« Arbeitsgruppe war sie besonders stolz. »Dank ihres Engagements traten Mitglieder unserer Mundart-AG mehrfach im Hessischen Fernsehen auf, und dank ihr wurden viele historische Besonderheiten Florstadts aufgearbeitet und öffentlich gemacht«, betont Bürgermeister Herbert Unger.

»Plattschwätzer« fürs Ehrenamt

Als »Grüne Dame« war Erika Werner außerdem lange Jahre im Hochwald-Krankenhaus in Bad Nauheim aktiv, ebenso im Marie-Juchacz-Haus in Florstadt. Für diese ehrenamtliche Betreuung von alten, kranken und hilfebedürftigen Menschen hatte sie sich nach dem Tod ihres Mannes Artur entschieden.

Er war nach dem Krieg als Flüchtling nach Florstadt gekommen, fand hier ein neues Zuhause - und mit Erika Werner die Frau fürs Leben, mit der er drei Kinder bekam.

Auch wenn sie von Lobhudeleien nichts hielt, soll es dennoch erwähnt werden: Für ihren uneigennützigen Einsatz wurde Erika Werner mit dem Landesehrenbrief und dem »Wetterauer Plattschwätzer« ausgezeichnet. Zudem erhielt sie die Florstädter Ehrenmedaille - die höchste Auszeichnung der Stadt.

Obwohl sie sich altersbedingt in den letzten Jahren zurückgezogen hatte, hielt sie telefonisch Kontakt mit ihren ehemaligen Mitstreitern und Weggefährten. Darüber hinaus kommunizierte sie zum Beispiel auch mit dieser Zeitung, als es etwa um eine historische Betrachtung des weißen Engels auf dem Ober-Florstädter Friedhof ging.

Von Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen hat Erika Werner sich nie abhalten lassen, ihr Leben positiv anzugehen. Durchhaltevermögen und ein fester Wille waren Eigenschaften, die sie ausgemacht haben, ebenso ihre offenen und direkten Worte, die stets von Herzen kamen - und mit denen sie in Erinnerung bleiben wird.

Bürgermeister Unger: »Mit Erika Werner verliert die Stadt eine hervorragende Geschichtenerzählerin, eine schier unerschöpfliche Quelle Florstädter Anekdoten, Fakten und historischer Zusammenhänge, eine Führungspersönlichkeit erster Güte und eine durch und durch moderne, emanzipierte Frau, die das schon war, als es diesen Begriff noch gar nicht gab.« dab/FOTO: NOL

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