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Abschied von einem Kümmerer

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Von: Stephan Lutz

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Hans Wilhelm Stürtz © Stephan Lutz

Florstadt. Die SPD Florstadt hat ihren Grandseigneur verloren, für den SV Staden ist eine Urgestein von Bord gegangen, für Bürgermeister Herbert Unger ist ein allseits respektierter Aktivist und langjähriger Berater verstorben. Der Tod des früheren Ersten Stadtrats Hans Wilhelm Stürtz kurz vor dessen 79. Geburtstag nach einer kurzen, schweren Erkrankung hat eine große Lücke hinterlassen.

Nicht nur in seinem Heimatort Staden, nicht nur in seiner Familie.

Hans Wilhelm Stürtz war ein Kaufmann durch und durch. Das Handeln und Feilschen lag ihm im Blut. Bekam er keine Draufgabe oder einen Preisnachlass, verließ er ein Geschäft auch schon mal ohne Einkäufe. Und er war ein Kümmerer. Hatte jemand in der Familie Sorgen, übernahm er das Regiment und arbeitete gleich mehrere Lösungsoptionen aus. Er half, wo Hilfe vonnöten war, und er brauchte diese Aufgaben. Wie die Begleitung einer Familie aus Äthiopien, für die er ein Haus suchte und die er zu Behörden und sogar bis kurz vor den Kreißsaal begleitete. Für seine vier Enkel war er der Macher, der Apfel- oder Kartoffelfeste nach der gemeinsamen Ernte zelebrierte. Wenig Geduld zeigte er allerdings in der Bedienung von Handy, PC oder TV-Gerät. Da durften die Enkelkinder retten, was noch zu retten war.

Auch sein handwerkliches Geschick hielt sich in Grenzen. Dafür konnte er organisieren, etwa einen spontanen Besuch in Karlsbad in Tschechien, wo die Großmutter einer Austauschschülerin aus den USA lebte. Der passionierte Golfspieler war der Zusammenhalt seiner Familie, die er sozial prägte und fürs Ehrenamt gewinnen konnte.

»HW« verteidigte seine Ideale

»HW«, wie ihn seine Freunde nannten, legte selbst ein unglaublich großes ehrenamtliches Engagement an den Tag. Nicht umsonst erhielt er bereits mit 41 Jahren den Landesehrenbrief. Er habe sich geopfert, wenn Not am Mann war, weiß Bürgermeister Unger zu berichten. Auch die Weggefährten Stefan Lux und Bernd Kalbhenn kannten »HW« als sehr verlässlichen Menschen, der immer seiner Linie treu blieb. »Er war direkt und ehrlich, auch wenn er damit mal aneckte«, sagt Kalbhenn über seinen väterlichen Freund.

»Er ist zeitlebens seinen sozialen und christlichen Idealen treu geblieben«, ergänzt Unger, »und er war immer bereit, diese Ideale mit Vehemenz zu verteidigen.« »Mit ihm ließ es sich trefflich streiten, um dann doch einen gemeinsamen Weg zu beschreiten«, erzählt Lux, der auch an die souveräne und stringente Art erinnert, mit der Stürtz das Florstädter Parlament leitete. Seine mitunter spitzbübische Persönlichkeit half ihm, viele Jahre die anspruchsvolle Aufgabe des Schiedsmanns und Mediators auszufüllen.

Lothar Hartmann spricht für die SPD von einem charismatischen, von Grund auf sozial engagierten Menschen, der für jeden ein offenes Ohr hatte.

Jeden Sonntag beim Fußball

Seine zweite große Liebe neben der Kommunalpolitik gehörte dem Fußball, besonders dem SV Staden, wo sein Vater zu den Gründern gehörte, er selbst lange Jahre kickte und später auch als Vorsitzender agierte. Mit ihm wurden die Gymnastik- und die Wanderabteilung gegründet, weil er den Verein breiter aufstellen wollte, ebenso die Soma. Stürtz, der dem Verein 65 Jahre angehörte, unterstützte tatkräftig den Ausbau des Sportheims 1996 und 2011 und war Gründungsmitglied des Fördervereins »Sport in Staden«.

Er ließ sich als SV-Ehrenmitglied sonntags weder die Heim- noch die Auswärtsspiele entgehen. Vor allem sein Enkel Fynn Jannik bereitete ihm auf dem Rasen viel Freude. Sein Wunsch, die 100-Jahr-Feier des Vereins mitzufeiern, wurde wegen der Pandemie nicht mehr erfüllt; er hatte tatkräftig mit seinem Sohn Jörg an der Chronik mitgearbeitet. »Sein Platz auf dem Sportplatz wird nun leer bleiben«, trauern die Teutonen.

Der Verfasser dieser Zeilen erinnert sich an viele Termine mit »HW«. Da war der Freizeitsportler, der bis ins hohe Alter alljährlich das Sportabzeichen absolvierte, oder der Florstädter Repräsentant, der einst den »König von Awutu« begrüßen durfte, oder der Freund internationaler Begegnungen, wenn es um die Städtepartnerschaften nach Polen, Frankreich und ganz besonders Belgien ging. Hans Wilhelm Stürtz wird eine große Lücke hinterlassen - nicht nur in seiner Familie. STEPHAN LUTZ

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