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Florstadt: Partnerstädte rücken zusammen - Hilfe für ukrainische Flüchtlinge in Polen

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Von: Stephan Lutz

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Gemeinsames Anpacken war angesagt, um ganze Paletten mit Hygieneartikeln, Kleidung, Lebensmitteln und Medikamenten auszuladen © Stephan Lutz

Nach 13 Stunden Fahrt sind sie da: Die Hilfsgüter. die der Florstädter Partnerschaftsverein für seine Partnerstadt Izbicko gesammelt hat. Die ersten Geflüchteten aus der Ukraine sind da.

Echte Freunde erkennt man in der Not«. Mit diesen Worten wurde kürzlich in der Tageszeitung in Izbicko - der polnischen Partnerstadt von Florstadt - über einen, in dieser Größe niemals erwarteten, Hilfskonvoi berichtet. Am vergangenen Wochenende hatten sich zehn Fahrzeuge, darunter ein Lkw der Feuerwehr und mehrere Anhängergespanne, pilotiert von insgesamt 16 Fahrern, auf den Weg nach Polen begeben.

Geladen hatten sie große Mengen an Hilfsgütern, Hygieneartikeln und Lebensmitteln, die durch einen Spendenaufruf des Partnerschaftsvereins zusammen gekommen sind. Die Dankbarkeit in Polen habe keine Grenzen gekannt.

Florstadt: Kartons für ukrainische Flüchtlinge im Homeoffice packen

Silke Zettl, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, begleitete den Konvoi und berichtet rückblickend von den Ereignissen, den Emotionen und den nächsten Zielen. Die Hilfsbereitschaft in Florstadt, der nahen und der weiteren Umgebung, mache sie noch heute sprachlos. Recht naiv sei sie an die Sache gegangen, nachdem der Hilferuf aus Izbicko kam und ein Lkw mit Hebebühne von der Feuerwehr Stammheim zur Verfügung gestellt wurde. Sie hatte ihr Esszimmer umgeräumt, um »so nebenbei im Homeoffice« ein paar Kartons anzunehmen. »Hoffentlich bekommen wir den Lkw überhaupt voll«, sei ihr letzter Gedanke gewesen, ehe sie und ihr Verein von der Welle der Hilfsbereitschaft regelrecht überrollt wurden. Die Entwicklung ist bekannt. Die Ausmaße inzwischen auch.

Florstadt: Partnerschaftsverein fährt 13 Stunden nach Polen

Die Fahrt dauerte rund 13 Stunden und sei entspannt verlaufen, Nerven habe allerdings die Einreise des Dienstfahrzeugs der Stadt Florstadt gekostet. Der Empfang in Polen sei herzlich gewesen und habe durch die Begrüßung von Vizebürgermeister Gregor Koprek einen offiziellen Touch bekommen. Mit Menschenketten in Zweierreihen seien die Fahrzeuge von den polnischen Feuerwehrkameraden abgeladen worden, während sich die Deutschen stärkten. Die Bilder glichen sich mit denen aus Florstadt - nur, dass die Hilfsgüter jetzt 840 Kilometer näher an ihrer Nutzung seien.

»Es herrschte eine verhaltene und ruhige Atmosphäre. Man war sichtlich überwältigt«, beschreibt Zettl den Empfang. »Die ergreifende, emotionale Situation war in den Augen beider Seiten deutlich sichtbar«.

Ein gemeinsames Abendessen und die Übernachtung in Gästezimmern habe gefolgt. Auf der Heimreise sei jeder mit seinen Eindrücken und Gedanken beschäftigt gewesen. Auch Militärfahrzeuge seien ihnen entgegen gekommen. Bilder, die Betroffenheit verursacht und die Gewissheit bestätigt hätten, dass man sich tatsächlich im Krieg befinde.

Florstadt: Erste ukrainische Flüchtlinge in Partnerstadt Izbicko

Seit dieser Woche werden in Izbicko Unterkünfte hergerichtet. Viele ukrainische Arbeiter haben ihre Familien bei ihren Arbeitgebern rund um Izbicko untergebracht und sind zurück in die Ukraine, um ihr Land zu verteidigen. »Es waren wohl herzzerreißende Abschiedsszenen«, vermutet Zettl.

In St. Annaberg, einem katholischen Wallfahrtsort unweit von Izbicko, seien traumatisierte Mütter und Kinder untergebracht worden. Ein Florstädter Fahrzeug mit medizinischem Bedarf wurde zum Entladen direkt dort hingeschickt. »Diese Aktion hat die Bürger aus Florstadt und Izbicko noch näher zusammenrücken lassen, es gab schnell ein vertrautes Miteinander ohne viel Worte«, freut sich Zettl. Die Spenden würden nicht gebunkert, sondern verteilt oder in Richtung Grenze gebracht.

Florstadt: Geldspenden seien weiterhin wichtig für Partnerschaftsverein

Geldspenden seien weiterhin wichtig, um vor Ort das Nötigste kaufen zu können. Am Donnerstag sei die 15 000 Euro-Marke überschritten worden. Zettl erwarte eine Liste mit Dingen, die nicht erhältlich oder nur schwer zu beschaffen seien. Von daher werde es schon bald einen zweiten Hilfskonvoi geben, zumal alle Beteiligten ihre Zusage für eine Wiederholung gaben.

Bürgermeister Herbert Unger (SPD) ist vom Fleiß und Engagement des Partnerschaftsvereins, wie auch von der Welle der Hilfsbereitschaft begeistert. »Das macht mich stolz auf unsere Bevölkerung. Wenn die Ausgangslage, ein infamer Überfall auf eine freie Demokratie mitten in Europa, nicht so traurig wäre. Wir hoffen auf ein baldiges Ende im Sinne der Ukrainer und unserer gemeinsamen Werte.«

Info: Partnerschaftsverein sucht Helfer und bedankt sich

Florstadt ist vorbereitet: Für die Betreuung von Geflüchteten steht die Bürgerhilfe Florstadt mit ihrer Flüchtlingshilfe bereit. Es werden weiter Hilfsgüter gesammelt. Wer Hilfe als Dolmetscher, Notfallseelsorger oder in Form von Unterkünften anbieten möchte, kann sich per Mail an info@partnerschaftsverein-florstadt.de melden. Dort wird auch der Kontakt für Spendenquittungen für Geldspenden hergestellt. Aktuelle Hinweise gibt es in den sozialen Medien und auf der Homepage www.partnerschaftsverein-florstadt.de.

Auch Geldspenden seien weiterhin wichtig: Partnerschaftsverein Florstadt, Verwendungszweck: »Florstadt hilft«, IBAN: DE61 5185 0079 0027 1147 41,

BIC: HELADEF1FRI bei der Sparkasse Oberhessen. Der Dank des Partnerschaftsvereins gelte der gesamten Gemeinschaft, die mit ihrer Unterstützung eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst habe: Den Helfern und Spendern von Verpflegung, den Apotheken Flora und Gänsweid, Rewe-Markt Masso, Müller-Mobil aus Merkenfritz, »Wir für Menschen« für FFP2-Masken und dem Gesundheitszentrum Wetterau für medizinischen Bedarf.

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Die »Piloten« aus der Wetterau mit einem Teil ihrer Fahrzeuge, mit denen sie Hilfsgüter in die polnische Partnerstadt Izbicko gebracht haben. © Stephan Lutz

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