1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Förderverein Mathilden-Hospital unterstützt jetzt Hospizhilfe Büdinger Land

Erstellt:

Kommentare

leo_hospiz1_150622_4c
Die Hospizhilfe Büdinger Land möchte ein stationäres Hospiz einrichten. Dabei kann sie künftig auf die Unterstützung des Fördervereins Mathilden-Hospital bauen. FOTOS: LEO © Björn Leo

Das Mathilden-Hospital und sein Förderverein pflegten in Büdingen seit 1988 eine verlässliche Partnerschaft. Das war einmal. Der Verein unterstützt jetzt die Hospizhilfe Büdinger Land.

Frust und Enttäuschung sind verflogen. Aufbruchstimmung macht sich stattdessen im Förderverein Mathilden-Hospital breit. Nachdem die Geschäftsführung von Bergman Clinics im Oktober dem Förderverein mitgeteilt hatte, dass an einer Zusammenarbeit kein Interesse mehr besteht, war die Ernüchterung zunächst groß. Es war der vorläufige Tiefpunkt einer Entfremdung, die schon Jahre zuvor eingesetzt hatte. Das gegenseitige Vertrauen schwand, Je größer und internationaler der wirtschaftliche Apparat um die Klinik geworden ist, desto ablehnender entwickelte sich das Verhältnis zum Förderverein - bis es schließlich keins mehr gab.

Auflösung keine Option

»Eine Auflösung kam für uns dennoch nicht in Frage. Der Förderung der Gesundheitspflege und Unterstützung intensiv betreuungsbedürftiger Personen fühlen wir uns nach wie vor verpflichtet«, erklärt Vorsitzender Elmar Welling mit Verweis auf die Vereinssatzung, die genau das als besondere Ziele ausweist. Zeitgleich reifte die Idee, künftig die Arbeit der Hospizhilfe Büdinger Land zu unterstützen, vor allem bei ihrem Projekt, in der ehemaligen Kreisstadt ein stationäres Hospiz einzurichten.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Förderverein mit der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen in Berührung kommt. Vor etlichen Jahren stellte er 13 000 Euro zur Ausgestaltung eines Sterbebegleitzimmers in der Klinik zur Verfügung. »Ein Raum, den Patienten und ihre Angehörgen gerne angenommen haben«, wie Welling schildert, »bis ihn der ehemalige Geschäftsführer Klaus Wöhrle aufgelöst hat«. Zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis längst zerrüttet. Der Hospizarbeit fühlte sich der Verein jedoch weiterhin verbunden.

Für den Förderverein brechen also neue Zeiten an. Die Mitgliederversammlung befürwortet die notwendige Satzungsänderung und bringt damit eine sinnvolle Kooperation auf den Weg. »Es sollen Mittel beschafft werden für die Anschaffung von Geräten und Gegenständen, die für die Verbesserung der Versorgung und Betreuung von Patienten und pflegebedürftigen Personen des Mathilden-Hospitals zu Büdingen, der Hospizhilfe Büdinger Land und der allgemeinen hospizlichen Arbeit Verwendung finden sollen«, heißt es jetzt. Ausdrücklich wird in der Satzung nach wie vor das Krankenhaus geführt, denn: »Wir möchten uns die Option offen lassen, im Falle eines erneuten Betreiberwechsels wieder wie früher der Klinik und ihren Patienten finanziell unter die Arme zu greifen«, erklärt der Vorsitzende.

Bei der Hospizhilfe Büdinger Land kommt das Hilfsangebot prima an. »Der Bedarf für ein stationäres Hospiz ist da. Die Stadt und die politischen Gremien haben bereits ihre uneingeschränkte Unterstützung zugesagt. Was fehlt, ist eine geeignete Immobilie«, schildert Prof. Dr. Udo Stern, der dem Vorstand angehört. Am Geld würde es laut Stern sicher nicht scheitern. Über 90 Prozent der Gesamtkosten würden über Förderprogramme finanziert. »Zirka fünf Prozent jedoch muss die Hospizhilfe selbst generieren, was wir nicht zuletzt dank der Absichterklärungen des Fördervereins der Klinik und der Stadt schaffen werden.«

Gesucht wird also ein Gebäude mit ausreichend Platz, in dem Ruhe und Privatsphäre wichtige Parameter sind, das idealerweise einen Garten hat und Barrierefreiheit bietet. »Wir möchten, dass die Menschen ihre letzte Zeit so angenehm wie möglich verleben«, sagt Udo Stern. In diesem Zusammenhang erwähnt er den Faktor Zeit. Die Hospizhilfe ermöglicht Eins-zu-eins-Betreuung, permanente Ansprechpartner und setzt auf einen hohen Personalschlüssel. Das stationäre Hospiz soll zudem Angehörigen jederzeit offen stehen, ihnen bei Bedarf auch Platz zum Übernachten bieten. »In punkto Qualität nicht vergleichbar mit einem Pflegeheim«, verdeutlicht Stern.

Vor diesem Hintergrund eignet sich etwa eine leerstehende Etage des Mathilden-Hospitals, wie es aus der Mitgliederversammlung des Fördervereins angeregt wird, nicht. »Ein stationäres Hospiz ist ein autarkes Konstrukt, völlig unabhängig und wird keinesfalls an eine andere Einrichtung angegliedert«, so Stern.

Unrühmliche Entwicklung

Für den Förderverein kommt die Kooperation mit der Hopizhilfe einem Neuanfang gleich. 100 Mitglieder hat er aktuell, im Vorjahr waren es 109. »Die neun Austritte gehen auf das Konto von Führungskräften des Mathilden-Hospitals die keine Wahl hatten und sich abmelden mussten«, sagt Elmar Welling. 2021 ergaben sich keine Fördergelegenheiten. Zudem hat nach Aussagen des Vorsitzenden die Geschäftsführung den Schaukasten im Foyer des Krankenhauses abhängen lassen, so dass keine Einnahmen auf Werbeflächen mehr erzielt werden konnten. »Dass der Schaukasten Eigentum des Vereins und nicht mehr auffindbar ist, mag eine Kleinigkeit sein, zeugt aber vom wenig schmeichelhaften Umgang mit uns.«

leo_hospiz2_150622_4c
Elmar Welling, Vorsitzender des Fördervereins, und seine Stellvertreterin Ulla Schneider blicken optimistisch nach vorne. © Björn Leo

Auch interessant

Kommentare