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Fortbildung mit Benefizcharakter

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Referent Gerhard F. Riegl, Gerhard Polzar und sein Praxispartner Max Herberg (v. l.) mit dem grünen »Sammelfrosch« freuen sich über das stolze Spendenergebnis. © Ingeborg Schneider

VON INGE SCHNEIDER

BÜDINGEN . Den stolzen Betrag von 2500 Euro erbrachte die Sammlung des Büdinger Kieferorthopäden Prof. Dr. Gerhard Polzar im Zuge seiner Benefiz-Fortbildungsveranstaltung für zahnärztliche Kolleginnen und Kollegen im Restaurant Heckers am Gründauer Golfplatz. Die Summe kommt je zur Hälfte der Behindertenhilfe des Wetteraukreises sowie einem neugeborenen Mädchen in Wächtersbach zugute, dessen Mutter, Arzthelferin in der Praxis eines Kollegen, nach der Geburt ihres Babys im Kindsbett gestorben ist.

Namhafte Sponsoren

Namhafte Sponsoren hatte der umtriebige Mediziner für sein innovatives Spendenmodell zuvor ins Boot geholt, darunter das Deutsche Zahnärztliche Rechenzentrum DZR, den Fachhandel M und W Dental, den Praxisausstatter Orangedental, das Dentallabor Mike Hornung sowie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank APO aus Darmstadt. Die Sponsoren haben dazu beigetragen, dass die Fortbildung mit Prof. Gerhard F. Riegl aus Augsburg, einer Koryphäe auf dem Gebiet des Gesundheitsmanagements, wie Polzar erklärte, kostenlos angeboten werden konnte. »Weder für den Referenten noch für den Aufenthalt in diesem gastlichen Ambiente entstehen Ihnen irgendwelche Aufwendungen - wohl aber für den doppelten guten Zweck!« unterstrich der Kieferorthopäde, der einen prächtigen grün-goldenen Büdinger Frosch als Sammelbehältnis mitgebracht hatte. Die Teilnehmer konnten also selbst entscheiden, was ihnen das Seminar im Normalfall wert gewesen wäre. »Legen Sie aber noch etwas drauf und füttern sie den Frosch mit der entsprechenden Summe«, lautete die Devise. Angetan von dem sozialen Anliegen sowie dem anschließenden Vortrag folgten die Zahnärzte und Zahnärztinnen der Aufforderung - die spätere Auszählung in der Büdinger Praxis Polzar erbrachte die stattliche Summe, die den Empfängern ohne Abzüge zugeht.

»Power-Riegl« in seinem Element

Das Referat des Hochschuldozenten und Institutsgründers Gerhard F. Riegl hatte vor allem den Schwerpunkt »Patientenbindung und Patientenbetreuung im digitalen Zeitalter« zum Thema. In einem in Etappen mehrstündigen, packend und frei gehaltenen Vortrag plädierte Riegl - aufgrund seines Temperamentes in Fachkreisen gern auch als »der Power-Riegl« apostrophiert - für eine Qualitäts- und Effizenzverbesserung zahnärztlicher Praxen vor allem auf Grundlage einer intakten Arzt-Patienten-Beziehung.

Basis dazu seien neben einer guten Pflege, Wahrnehmung und Verinnerlichung der digitalen Patientendaten durch das gesamte Praxispersonal vor allem auch die Offline-Bedingungen: von der Erreichbarkeit der Praxis am Telefon über Parkplätze vor dem Haus und Barrierefreiheit bis zur Freundlichkeit und Empathie an der Rezeption. Das eigentliche Arzt-Patienten-Gespräch beschrieb Riegl als Endpunkt einer Kette von Vorereignissen, die bereits Vertrauen aufbauen oder auch zerstören könnten. Wichtig sei, dass die Vision einer gleichermaßen patientenfreundlichen wie effektiven Praxis alle Bereiche und jedes Teammitglied präge, so Riegls Konkretisierung dessen, was man in der Kommunikationsbranche gern eine Unternehmenspersönlichkeit oder die Corporate Identity eines Betriebes nennt.

Wahrer Fundus an Umfragen

»Exzellenz im menschlichen Umgang ist das wahre Kapital Ihrer Praxis - nicht allein Ihr professionelles Können und Ihre Auszeichnungen. Ihr sozialen Skills kann kein Roboter und kein Chip ersetzen«, betonte Riegl, der seine Erkenntnisse unter anderem aus einem Fundus an Umfragen mit mehr als einer Million Patientinnen und Patienten, 10 000 Praxen, 4600 Apotheken und 700 Kliniken bezieht.

»Ihr Patient ist mehr als ein Gebiss auf zwei Beinen - er ist ein ganzheitlich zu betrachtender Mensch, der in seiner Lebenssituation, mit seinen Wünschen und Erwartungen gesehen und gewürdigt werden will und muss«, so der Referent, der seinem Auditorium auch etliche Grundregeln gleichberechtigter Gesprächsführung ins Pflichtenheft schrieb, darunter aufmerksames Zuhören, mehr weiterführende Fragen und Dialog als lange zahnärztliche Monologe, ein gutes Gedächtnis für die Patientengeschichte, aber auch für Fakten aus dem Leben der Ratsuchenden, um daran anknüpfen zu können.

Neuauflage befürwortet

Sowohl die Zuhörerschaft als auch Gerhard Polzar als Veranstalter und sein Büdinger Praxispartner Max Herberg, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, zogen abschließend ein durchweg positives Fazit. Eine Neuauflage des innovativen Fortbildungsmodells wurde allseits befürwortet. Der ab 1959 in Büdingen aufgewachsene und seit 1994 dort niedergelassene Gerhard Polzar macht seit vielen Jahren neben seiner kieferorthopädischen Tätigkeit auch im sozialen und gesundheitspädagogischen Bereich von sich reden, etwa mit der Gründung des gemeinnützigen Zahnärztlichen Fördervereins Altkreis Büdingen (ZAB), mit Vorträgen für Eltern und an Schulen sowie mit seinem Engagement in schulischen Fördervereinen, weit über die Schulzeit seiner eigenen vier Kinder hinaus.

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